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    Die Gewalt nimmt kein Ende

    Grenzkonflikte mit dem Norden, Streit zwischen den Volksgruppen, Konflikte ums Öl: Auch nach der Unabhängigkeit nimmt die Gewalt im Südsudan kein Ende. Im Bundesstaat Jonglei im Südsudan flohen tausende Familien vor einem Gewaltausbruch zwischen ethnischen Gruppen in den Busch. Etwa 6 000 bewaffnete junge Männer vom Stamm der Lou Nuer waren in das Dorf Pibor in der Provinz Jonglei eingedrungen, das von Angehörigen der Murle bewohnt wird. Die Angreifer brannten Hütten nieder und plünderten ein Krankenhaus der Hilfsorganisation „Ärzte ohne Grenzen“. Grund für den Angriff waren angebliche Viehdiebstähle der Murle. Bei dem Angriff wurden möglicherweise hunderte Menschen getötet. „Ärzte ohne Grenzen“ musste ihre lebensrettende medizinische Hilfe im Gebiet um Pibor aussetzen, teilte die Hilfsorganisation dieser Zeitung mit.

    Mehr als 300000 Menschen sollen unmittelbar von den Kämpfen zwischen dem Südsudan und dem Sudan betroffen sein. Viele fl... Foto: dpa

    Grenzkonflikte mit dem Norden, Streit zwischen den Volksgruppen, Konflikte ums Öl: Auch nach der Unabhängigkeit nimmt die Gewalt im Südsudan kein Ende. Im Bundesstaat Jonglei im Südsudan flohen tausende Familien vor einem Gewaltausbruch zwischen ethnischen Gruppen in den Busch. Etwa 6 000 bewaffnete junge Männer vom Stamm der Lou Nuer waren in das Dorf Pibor in der Provinz Jonglei eingedrungen, das von Angehörigen der Murle bewohnt wird. Die Angreifer brannten Hütten nieder und plünderten ein Krankenhaus der Hilfsorganisation „Ärzte ohne Grenzen“. Grund für den Angriff waren angebliche Viehdiebstähle der Murle. Bei dem Angriff wurden möglicherweise hunderte Menschen getötet. „Ärzte ohne Grenzen“ musste ihre lebensrettende medizinische Hilfe im Gebiet um Pibor aussetzen, teilte die Hilfsorganisation dieser Zeitung mit.

    Im sudanesischen Bundesstaat Südkordofan wurden nach Angaben der Gesellschaft für bedrohte Völker (GfbV) seit dem 2. Januar vier Dörfer von der sudanesischen Luftwaffe bombardiert. Südkordofan liegt in der Grenzregion zwischen dem Norden und dem Süden Sudans. Geografisch gehört die Region zum Norden, jedoch leben in Südkordofan viele Angehörige von Volksgruppen, die sich dem Süden zugehörig fühlen. Bei den Angriffen auf die Orte Al Buram, Kao, Naro und Warli wurden mindestens sieben Zivilisten getötet, acht Menschen verletzt und 28 Häuser niedergebrannt. In Warli wurde bei der Attacke auch eine Moschee teilweise zerstört. In der Provinz Blauer Nil wurden Bombardements von Dörfern ebenfalls fortgesetzt. Allein im Westen dieser Provinz sind seit Mitte Dezember 2011 etwa 50 000 Menschen aus ihren Siedlungen geflohen und nun auf Nothilfe angewiesen.

    Der Südsudan, durch die Erdöl-Vorkommen eigentlich reich, ist nur auf dem Papier befriedet. Angesichts der andauernden Bombardierung von Dörfern in Südkordofan durch die sudanesische Luftwaffe appellierte die Gesellschaft für bedrohte Völker (GfbV) an den Weltsicherheitsrat, sich für eine sofortige Einstellung der Luftangriffe auf zivile Ziele im Sudan einzusetzen. Dringend müsse der Sudan außerdem aufgefordert werden, humanitären Helfern freien Zugang zu den Konfliktregionen in den Provinzen Süd-Kordofan und Blauer Nil zu gewähren. Mehr als 300 000 Zivilisten sind dort Angaben der Menschenrechtsgesellschaft zufolge unmittelbar von Kämpfen zwischen sudanesischer Armee und der Befreiungsbewegung SPLM-North betroffen und können derzeit nicht mit Hilfsgütern versorgt werden.

    „Es ist ein Skandal, dass der Weltsicherheitsrat seit der Eskalation des Bürgerkrieges in den Provinzen Südkordofan und Blauer Nil im Juni 2011 weitgehend untätig geblieben ist“, kritisierte der GfbV-Afrikareferent Ulrich Delius gegenüber dieser Zeitung. „Wenn schon keine Friedensinitiativen entwickelt werden, dann muss wenigstens darauf bestanden werden, dass die Bürgerkriegsparteien das humanitäre Völkerrecht beachten.“ Angeblich aus Sicherheitsbedenken verweigert die sudanesische Regierung unabhängigen humanitären Helfern den Zugang in die Bürgerkriegsgebiete. „Doch dies ist ein vorgeschobenes Argument, da auch in offiziell ,befriedeten' Landesteilen des Sudans regelmäßig humanitäre Helfer entführt oder Opfer anderer Übergriffe werden“, berichtet Delius. „Die sudanesischen Behörden wollen ohne lästige Augenzeugen Krieg führen und verletzen daher grundlegende Regeln des humanitären Völkerrechts. Hilfe für die notleidende Zivilbevölkerung zu verweigern ist ein Verbrechen gegen die Menschlichkeit und kann vom Internationalen Strafgerichtshof geahndet werden.“

    Mit der Teilung des Sudans konnten nicht alle Konflikte gelöst werden. Ungeklärte Grenzfragen und ethnische Konflikte machen die Region zu einem Pulverfass. Auch ein Krieg zwischen dem Südsudan, nach seiner Geburt der 54. Staat Afrikas, und dem einstigen Mutterland Sudan scheint immer wahrscheinlicher. Anfang November begannen sudanesische Kampfflugzeuge, Bomben abzuwerfen. Sie zielten unter anderem auf Flüchtlingslager im Südsudan. Anfang Dezember marschierten sudanesische Soldaten in die südsudanesische Stadt Jau ein.

    Der vom Christentum und Naturreligionen geprägte Südsudan hatte sich im Juli 2011 offiziell vom Norden losgesagt. Mit der durch Referendum beschlossenen Sezession des Südens verlor der islamische Sudan etwa zwei Drittel seiner Ölquellen. Seitdem werfen sich beide Staaten gegenseitig vor, Rebellen im jeweils anderen Land zu unterstützen. In den Grenzregionen zwischen beiden Ländern hat es in den vergangenen Monaten immer wieder Kämpfe gegeben. Hintergrund ist vielfach der Streit um Rinderherden, Weidegrund und Wasserstellen. Doch der Konflikt hatte längst eine neue Dimension angenommen. Die Bischofskonferenz des Südsudans mahnte daher, die Aussöhnung sei die Grundlage beim Aufbau eines neuen Staates. Diese sei nicht einfach, da „fünf Jahrzehnte des Krieges unser Volk traumatisiert haben und es auch in den heutigen Tagen wieder zu neuen Konflikten kommt“.