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    „Die Bombe schlug neben der Kirche ein“

    Kaum 1 300 Christen leben noch unter den 1,8 Millionen Einwohnern des Gaza-Streifens. Die Mehrheit gehört der griechisch-orthodoxen Kirche an, die mit einem Erzbischof in Gaza-Stadt vertreten ist. Zur römisch-katholischen Pfarrei zur Heiligen Familie, die zum Lateinischen Patriarchat von Jerusalem gehört, zählen 170 Gläubige. Die Zahl der Christen in Gaza hat sich im letzten Jahrzehnt halbiert. Islamisierung und die Folgen der israelischen Blockade gelten als Grund. Betreut wird die Pfarrei vom argentinischen Institut vom inkarnierten Wort IVE.

    Kaum 1 300 Christen leben noch unter den 1,8 Millionen Einwohnern des Gaza-Streifens. Die Mehrheit gehört der griechisch-orthodoxen Kirche an, die mit einem Erzbischof in Gaza-Stadt vertreten ist. Zur römisch-katholischen Pfarrei zur Heiligen Familie, die zum Lateinischen Patriarchat von Jerusalem gehört, zählen 170 Gläubige. Die Zahl der Christen in Gaza hat sich im letzten Jahrzehnt halbiert. Islamisierung und die Folgen der israelischen Blockade gelten als Grund. Betreut wird die Pfarrei vom argentinischen Institut vom inkarnierten Wort IVE.

    Schwester Maria Laudis, seit Tagen wird Gaza bombardiert. Hunderte Menschen sind gestorben, tausende verletzt. Wie geht

    es den Christen?

    Sie leiden natürlich wie alle anderen auch unter der Lage. Es ist schrecklich. Alle haben Angst. Wir können nicht schlafen und kommen nicht zur Ruhe. Niemand weiß, ob das eigene Haus nicht auch gleich angegriffen wird. Manche Medien beschreiben die Lage als Hölle und das kommt der Wahrheit leider sehr nahe. Seit Tagen ist niemand mehr aus dem Haus gegangen, weil es so gefährlich ist, sich zu bewegen. Am Donnerstag, als es die kurze Waffenruhe gab, sind die Menschen aber erstmals seit Tagen wieder aus ihren Wohnungen, um Besorgungen zu erledigen. Gott sei Dank sind bisher keine Christen ums Leben gekommen oder verletzt worden. Aber die kleinen Kinder haben natürlich schreckliche Angst, wenn sie die Bomben hören, die Tag und Nacht einschlagen. Sie können nicht schlafen. Viele von ihnen sind deshalb krank geworden.

    Haben Sie Nachrichten, ob manche Christen mit doppelter Staatsangehörigkeit den Gaza-Streifen verlassen haben? Eine ganze Reihe von Bewohnern Gazas haben diese Möglichkeit kürzlich genutzt.

    Nein, davon haben wir nichts gehört. Meines Wissens sind alle zu Hause geblieben und noch in Gaza.

    Werden die Gottesdienste besucht?

    Kaum. Es ist zu gefährlich, das Haus zu verlassen. Unsere Gläubigen bleiben deshalb daheim. Kürzlich haben wir einen Gottesdienst gehabt, zu dem fünf Menschen kamen. Dieser Mut hat uns sehr beeindruckt. Aber unser Pfarrer Jorge feiert jeden Tag die Heilige Messe, natürlich auch am Sonntag.

    Die katholische Pfarrei zur Heiligen Familie, wo Sie und Ihre Schwestern Dienst tun, liegt mitten in Gaza-Stadt. Ist es da nicht besonders gefährlich?

    Ja, natürlich. Am Mittwoch sind mehrere Bomben in unserer Nähe eingeschlagen. Eine ist direkt neben unserer Kirche eingeschlagen und hat das nahe gelegene Gebäude zerstört. Die Detonation war furchterregend. Man kann sich das nicht vorstellen. Wir waren in dem Moment im Freien. Unsere Körper haben gezittert. Die Scheiben der Autos unserer Pfarrei und unserer Schule zersprangen. Bislang ist unserer Pfarrkirche nichts passiert. Wir hoffen, dass das so bleibt.

    Es gibt Berichte, dass Israel die Leute warnt, bevor sie zivile Gebäude bombardieren. Andere sagen, dass die Hamas die Menschen hindert, zu gehen.

    Ich weiß, dass die Bewohner des Hauses neben uns von den Israelis gewarnt wurden. Ich weiß nicht, ob die Hamas die Leute zwingt, zu bleiben. Aber ich habe gehört, dass sie versuchen, die Leute zu überzeugen, ihre Häuser nicht zu verlassen. In dem Haus in unserer Nachbarschaft ist eine Person dann geblieben und gestorben.

    Was erwarten Sie von Ihren Mitchristen im Westen im Moment?

    Das Gebet. Ich kann alle Menschen nur auffordern, für Gaza im Allgemeinen und die Christen im Besonderen zu beten. Alle leiden. Die Christen aber sind natürlich noch dem religiösen Druck ausgesetzt, der ihnen das Leben in Gaza schon vor diesem Krieg schwer gemacht hat. Wir brauchen endlich Frieden!