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    Der nette Herr Wulff soll mal erklären

    Von Ingo Langner

    Von Ingo Langner

    Nun stellen wir uns mal ganz dumm und stellen uns folgendes vor: Die Partei der Grünen möchte im Integrationswettbewerb mit der CDU gleichziehen und ernennt, sagen wir in Hamburg, eine Muslima zur Senatorin. Am Wochenende vor ihrer Vereidigung gibt die aus einer alteingesessenen Gastarbeiterfamilie stammende Frau ein Interview in einem Hamburger Nachrichtenmagazin und verkündet, sie plädiere nicht allein für deutlich längere Laufzeiten für Atomkraftwerke, sondern überhaupt prinzipiell für sauberen Atomstrom. Die Grünen müssten sich in dieser Frage endlich der Wirklichkeit stellen. Windkrafträder hätten nun lange genug die schöne norddeutsche Tiefebene verschandelt. Sie sei bei den Grünen angetreten, um alte Tabus aufzubrechen und die Partei der Ökologie für fällige Reformen fit zu machen. Und weil sie schon Tabus anspreche: Auch dieser völlige überzogene Tierschutz ihrer Parteifreunde müsse nun auf den Prüfstand. „Wir wollen Wale und sogar Haie retten, rühren aber keine Hand gegen die sogenannte Abtreibung. Da passt doch ganz offensichtlich etwas nicht zusammen. Jedes im Mutterleib getötete Kind ist eines zuviel.“ Das werde sie auch mit den Parteifreundinnen Künast und Roth demnächst einmal ernsthaft diskutieren. Was würde nach diesem Interview passieren? Kann man sich auch nur annähernd vorstellen, dass diese Muslima jemals für die Grünen auf einem Senatoren- und Ministersessel Platz nehmen würde? Mit anderen Worten: Wer in eine Partei eintritt, wer sogar bereit ist, im Namen dieser Partei Verantwortung zu übernehmen, sollte sich vorher genau überlegen, ob die Partei seiner Wahl auch mit den eigenen Grundsätzen übereinstimmt. Der nette Herr Wulff sollte seiner neuen Vorzeigeministerin bald erklären, was sich hinter der Abkürzung CDU wirklich verbirgt.