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    Der Pfad der Tugend

    Von Bernhard Huber

    Von Bernhard Huber

    Noch tut das Fernsehen so, als hätten wir kein demographisches Problem. RTL beispielsweise, der Spartensender für Super-Nannies, Super-Stars und Erlebnispädagogen, schickt schon zum vierten Mal „Teenager außer Kontrolle“ in den Wilden Westen, wo sie vor einer eindrucksvollen Naturkulisse und vor laufender Kamera auf das geführt werden, was man den Pfad der Tugend nennt, außer vielleicht RTL selber, den unser kollektives Gedächtnis auch als „Schmuddelsender“ gespeichert hat.

    Wie aber kommt es, dass ausgerechnet das Fernsehen immer noch ein solches Gewese um die richtige Erziehung macht? Immer wieder Talk-Shows, in denen die Fetzen rund um Fragen nach der richtigen erzieherischen Methode fliegen. Es geht, wohlgemerkt, um die Erziehung der verbliebenen 1,4 Kinder, die rein statistisch pro Jahr und Frau bei uns noch geboren werden.

    Gut, die Wiege der wissenschaftlichen Pädagogik steht irgendwo im Speicher unserer Geistesgeschichte herum. Außerdem haben wir der Welt den Kindergarten geschenkt, der als Wort sogar in den englischen Wortschatz Eingang gefunden hat, eine Ehre, die sonst nur noch dem „Rucksack“ und dem „Sauerkraut“ zuteil geworden ist. Aber dass deshalb das Fernsehen nicht von seinem zweifelhaften erzieherischen Eifer lassen kann, ist unwahrscheinlich.

    Vermutlich haben die Programmmacher einfach verschlafen, dass die Zuschauerquote nicht mehr das ist, was sie einmal war. Denn auch das TV-Publikum altert rasant vor sich hin. Sogar die Werbebranche widmet ihre Aufmerksamkeit schon seit längerem nicht mehr nur der ehedem werberelevanten Zielgruppe von 14 bis 49 Jahren, sondern den kaufkräftigen „Silver Agern“. Sollte demnächst bei RTL die Super-Oma und der Super-Opa gesucht werden, seien Sie also bloß nicht überrascht. Wir haben es kommen sehen.