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    „Der Heilige Geist hat einen langen Atem“

    Eminenz, Sie setzen sich seit langem für den Bau einer Kirche in Tarsus ein. Unter welchen Voraussetzungen könnten Sie Erfolg haben?

    Eminenz, Sie setzen sich seit langem für den Bau einer Kirche in Tarsus ein. Unter welchen Voraussetzungen könnten Sie Erfolg haben?

    Das Projekt kann Erfolg haben, wenn auf türkischer Seite guter Wille vorhanden ist. Ich habe das Ganze in Gang gebracht aus Sorge um unsere türkischen Mitbürger in Köln, die durch den Bau einer Moschee in die Bredouille gekommen sind. Um die Debatte ein wenig zu entkrampfen, habe ich die Türken in ihrer Heimat darum gebeten, den Christen in Tarsus ein wenig mehr geistlichen Lebensraum zu gewähren. Dazu wäre der 2000. Geburtstag des Apostels Paulus ein guter Anlass. Paulus ist wichtig für die Einheit und für die Ausbreitung des Christentums. Wenn die Türkei der christlichen Minderheit entgegenkäme, wäre es leichter, Großzügigkeit für die Türken unter unserer Bevölkerung zu erreichen. Ich habe mit einem DITIB-Vertreter und mit einem Vertreter aus der türkischen Botschaft in Berlin gesprochen. Beide haben hauptsächlich versucht, mich zu öffentlichen Erklärungen zugunsten einer rechtlichen Höherstellung des Islam in Deutschland zu bewegen. Meine Anliegen dagegen – so hatte ich den Eindruck – haben sie gar nicht zur Kenntnis genommen. Darüber bin ich sehr enttäuscht.

    Wie gehen Sie nun vor?

    Es wurde eine Stiftung gegründet, die in Tarsus ein kleines Haus gekauft hat. Die katholische Kirche hat in der Türkei keine Körperschaftsrechte und kann keine Immobilien erwerben. Im September werde ich es mit einer Delegation der Bischofskonferenz einweihen. Wir werden dort auch in der Pauluskirche, die zu einem Museum entfremdet wurde und uns für das Paulusjahr als Kirche zur Verfügung gestellt wurde, Gottesdienst feiern. Aber ich werde nicht lockerlassen. Unser Anliegen ist bescheiden: der Bau einer kleinen Kirche. Manche Bundestagsabgeordnete haben sich sehr positiv eingeschaltet. Von der Regierung in Berlin kam dagegen bisher keine Hilfe. Der deutsche Botschafter hat mich etliche Male angerufen, und ich hatte immer den Eindruck, dass er mit dieser einjährigen Lösung ganz einverstanden ist. Der Fußball allein kann doch nicht das Regulativ zwischen der Türkei und Deutschland beziehungsweise Europa sein. Es braucht sicher lange, um die verhärteten Fronten aufzuweichen. Doch wir werden weitermachen. Der Heilige Geist hat einen langen Atem.

    Was bedeutet der Apostel Ihnen persönlich?

    An Paulus und Petrus sieht man, dass nicht Professoren, sondern Pastoren die Kirche leiten. Nach heutigen Maßstäben hätte man Paulus zum ersten Papst gemacht, weil er der Begabtere und theologisch Tiefere gewesen ist. Aber über der menschlichen Begabung steht die göttliche Erwählung. Ich habe in meinem Bischofswappen ein Pauluswort aus dem 2. Korintherbrief: „Unsere Hoffnung für euch steht fest“. Paulus zählt dann auf, was er alles für das Evangelium auf sich genommen hat um zu zeigen, was ihm Christus wert ist. Schließlich definiert er seine Leidenschaft für Christus, indem er sagt: „Die Liebe Christi drängt uns“. Seine Missionspastoral beschreibt er, indem er sagt: „Mit dem Herzen glaubt man und mit dem Munde bekennt man“. Paulus ist für mich der Mann Gottes mit einem „unverschämten“ Glauben. Ein Christ, der sich des Evangeliums nicht schämt. Insofern ist Paulus für mich das apostolische Ideal. Ich möchte etwas von seiner Leidenschaft für Christus haben. Der Apostel Paulus ist eine normative Gestalt gerade für Bischöfe und für den Klerus, aber natürlich auch für Laienchristen.

    Von Regina Einig