• aktualisiert:

    Der Gastkommentar: Schlimmer als die Wirtschaftskrise

    Die Meldungen spanischer Wissenschaftler des Forschungsinstitutes CSIC von vergangener Woche, dass in der Antarktis eine Eisfläche von 14 000 Quadratkilometern vom Wilkins-Schelfeis abgebrochen sei, war verfrüht. Derzeit sind keine dramatischen Veränderungen am Wilkins-Eisschild zu erkennen. Das belegen die aktuellsten Satelliten-Aufnahmen der europäischen Weltraumbehörde ESA, die Greenpeace laufend auswertet.

    Die Meldungen spanischer Wissenschaftler des Forschungsinstitutes CSIC von vergangener Woche, dass in der Antarktis eine Eisfläche von 14 000 Quadratkilometern vom Wilkins-Schelfeis abgebrochen sei, war verfrüht. Derzeit sind keine dramatischen Veränderungen am Wilkins-Eisschild zu erkennen. Das belegen die aktuellsten Satelliten-Aufnahmen der europäischen Weltraumbehörde ESA, die Greenpeace laufend auswertet.

    Dennoch steht der Zusammenbruch des Wilkins-Eisschilds bevor. Große Teile sind bereits abgebrochen und zerfallen. Nur eine schmale Eisbrücke hält das Eisschild noch zusammen. Zerbricht auch diese, droht der Abbruch des gesamten Eisgebietes. Das hätte erhebliche Folgen, da das Eisschild die Festlandgletscher stützt und das Inlandeis zurückhält. Zerbricht das Schelfeisgebiet, würden die Gletscher bis zu achtmal schneller in Richtung Meer fließen und dadurch den Anstieg des Meeresspiegels beschleunigen.

    Auslöser ist nach Ansicht vieler Wissenschaftler die Klimaerwärmung. In der Antarktis wurde in den vergangenen 50 Jahren ein Temperaturanstieg von 2,5 Grad Celsius gemessen. Angesichts dieser dramatischen Entwicklung muss der Klimaschutz politisch erste Priorität werden. Greenpeace fordert die europäischen Staatschefs, die jetzt den G20-Gipfel am 2. April in London vorbereiten, auf, deutlich mehr Geld für internationale Klimaschutzprojekte freizugeben. Nach Berechnungen von Greenpeace müssen von den Industrienationen künftig jedes Jahr mindestens 110 Milliarden Euro aufgebracht werden, wenn der Klimawandel nicht völlig außer Kontrolle geraten soll.

    Auf Europa entfällt ein Anteil von 35 Milliarden Euro. Mit dem Geld sollen vor allem erneuerbare Energien und der Schutz der Wälder in Entwicklungsländern finanziert werden. Auch müssen weltweite Maßnahmen gegen die Folgen des Klimawandels, wie zum Beispiel Deiche gegen Sturmfluten, ergriffen werden. Viel Geld, aber nötig und gut angelegt. Und außerdem: Wer zur Rettung der Banken Milliarden bereitstellt, doch zur Rettung der Erde jeden Cent zweimal umdreht, macht sich unglaubwürdig. Wer jetzt nicht handelt, riskiert die Zukunft unserer Kinder und Enkelkinder, denn der Klimawandel wird sonst wirtschaftliche Schäden mit sich bringen, die die Schäden der gegenwärtigen Wirtschaftskrise bei weitem in den Schatten stellen werden. Die Auflösung der riesigen Schelfeisgebiete der Antarktis sind das deutlichste Warnsignal, was es geben kann!

    Von Christian Bussau