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    Der Gastkommentar: Islamischer Religionsunterricht

    47 Jahre ist es her, als die ersten türkischen Einwanderer nach Deutschland kamen. Nach Italien, Spanien und Griechenland war die Türkei bereits das vierte Land, mit dem die Bundesrepublik ein Anwerbeabkommen abgeschlossen hatte. Zugleich war es aber auch eine Zäsur, denn erstmals kamen die begehrten Arbeitskräfte aus einem muslimischen Land. Sie machten den Islam zu einem Teil der Lebenswirklichkeit in unserem Land.

    47 Jahre ist es her, als die ersten türkischen Einwanderer nach Deutschland kamen. Nach Italien, Spanien und Griechenland war die Türkei bereits das vierte Land, mit dem die Bundesrepublik ein Anwerbeabkommen abgeschlossen hatte. Zugleich war es aber auch eine Zäsur, denn erstmals kamen die begehrten Arbeitskräfte aus einem muslimischen Land. Sie machten den Islam zu einem Teil der Lebenswirklichkeit in unserem Land.

    Jetzt endlich merken wir, wie Innenminister Schäuble es bei der deutschen Islamkonferenz formuliert hat, dass der Islam Teil der deutschen Gesellschaft ist. Dazu gehört ganz zentral der bekenntnisorientierte islamische Religionsunterricht. Warum sollte er muslimischen Kindern verwehrt bleiben? Sie sind Angehörige der drittgrößten Religion in Deutschland, die meisten sind hier geboren, und viele besitzen unsere Staatsbürgerschaft. Deutschland ist ihre Heimat. Zur Identität des Menschen gehört die Religion. Nicht Ethik oder unverbindliche, durch den Staat vermittelte Religionskunde, sondern bekenntnisorientierter Religionsunterricht ist das, was das Grundgesetz garantiert.

    Deshalb sollten wir das, was für Katholiken und Protestanten fast überall in unserem Land selbstverständlich ist, auch Muslimen ermöglichen. Dass die deutschen Bischöfe hinter diesem Anliegen stehen, gibt ihm einen starken Rückhalt. Und auch der interreligiöse Dialog des Heiligen Vaters mit dem Islam, ein Schwerpunkt des Pontifikats Benedikts, atmet diesen Geist.

    Doch leider ist der bekenntnisorientierte muslimische Religionsunterricht bislang in keinem Bundesland ordentliches Lehrfach. Dies liegt vor allem daran, dass es auf muslimischer Seite keinen geeigneten Ansprechpartner für den Staat gibt. Bei uns in Nordrhein-Westfalen, dem Land mit den meisten Muslimen in Deutschland, rund 1,5 Millionen, wollen wir uns nicht länger mit dieser Situation abfinden. Wir wollen, dass der bekenntnisorientierte islamische Religionsunterricht zu einem ordentlichen Schulfach wird. Als Zwischenschritt dorthin hat die Landesregierung im Konsens mit allen Landtagsfraktionen beschlossen, islamischen Religionsunterricht zum Schuljahr 2010 als verpflichtendes, versetzungsrelevantes Fach einzuführen – in deutscher Sprache, unter deutscher Schulaufsicht und mit in Deutschland ausgebildeten Lehrern. Wir sind überzeugt, dass dies die Integration der Muslime voranbringt und auch mit Blick auf die Herausbildung eines aufgeklärten europäischen Islam für einen wichtigen Impuls sorgen wird.

    Von Minister Armin Laschet