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    Der Gastkommentar: Ermahnung und Gebet

    Präsident Bush wollte, jenseits der Gespräche und politischen Begegnungen, seinen Besuch im Heiligen Land auch dadurch charakterisieren, dass er einige Heilige Stätten aufsuchte. So lag ihm besonders an Bethlehem und der Geburtsbasilika, an Kapharnaum und am Berg der Seligpreisungen. Er schien bestens informiert über die Lage in der Region und speziell über die bedrängte Lage der Palästinenser.

    Präsident Bush wollte, jenseits der Gespräche und politischen Begegnungen, seinen Besuch im Heiligen Land auch dadurch charakterisieren, dass er einige Heilige Stätten aufsuchte. So lag ihm besonders an Bethlehem und der Geburtsbasilika, an Kapharnaum und am Berg der Seligpreisungen. Er schien bestens informiert über die Lage in der Region und speziell über die bedrängte Lage der Palästinenser.

    Ich durfte den Präsidenten in Bethlehem und in Kapharnaum begleiten. Die Sicherheitsvorkehrungen waren überwältigend, überall. Die Orte, die der Präsident aufsuchen wollte, waren schon am Tag zuvor von tausenden Polizisten abgeriegelt. Dieses gewaltige Aufgebot hat eigentlich an den Heiligen Stätten selbst die Einfachheit und den familiären Charakter der Präsidentenvisite ermöglicht. Bush wollte vor allem beten und dann auch kurz die Geschichte der Heiligen Stätten kennenlernen. Das darf nicht übersehen, wer – vielleicht vorschnell – politische Ergebnisse einfordert.

    In Betlehem waren die Begegnungen geregelt durch das starre Protokoll des Status Quo: mit den Griechisch-Orthodoxen, den Armeniern und in der Kirche der heiligen Katharina und bei den Grotten unter der Geburtsbasilika schließlich mit uns Franziskanern. In der Geburtsgrotte wollte der Präsident zum Gebet alleine verweilen.

    Für die Besichtigung von Kapharnaum waren 45 Minuten eingeplant. Hier gab es einen Augenblick des persönlichen Gebets bei der Gedenkstätte am Haus des Petrus. Dann hatten wir einen herrlich klaren Blick auf den See Gennesaret, bevor wir die Ausgrabungen der antiken Stadt und die Synagoge besichtigten und wir uns unter den wenigen Anwesenden über spirituelle und auch politische Dinge austauschen konnten. Was wollte und sollte Bush nach Annapolis mehr tun, als die verschiedenen Konfliktparteien im Nahen Osten zu ermutigen und zu ermahnen, den eingeschlagenen Weg konsequent weiterzugehen? Aber das hat er getan, und er ist dafür persönlich zu uns ins Heilige Land gekommen.

    Der Präsident gab sich an diesem Tag sehr gelassen und heiter und legte zum Abschluss noch Wert darauf, ein gemeinsames Foto mit den Mitbrüdern zu machen und sich persönlich von jedem zu verabschieden. Der erste Bürger der Welt ist als einfacher und guter Pilger im Heiligen Land gewesen, um demütig zu beten. Das ermutigt auch viele andere, die auf die Kraft des Gebetes für den Frieden vertrauen.

    Von Pierbattista Pizzaballa OFM