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    Der Gastkommentar: Der Grundkonsens bröckelt

    Am 23. Mai 1949 trat das Grundgesetz für die Bundesrepublik Deutschland in Kraft. Damit begann nicht nur eine beispiellos lange Friedenszeit in unserem Land, sondern auch ein neues, fruchtbares Kapitel in den Beziehungen zwischen Kirche und Staat. Denn das im Grundgesetz den Kirchen garantierte Recht auf Mitgestaltung der Gesellschaft auf der Basis der freien Religionsausübung hat nach den schrecklichen Erfahrungen mit einer menschenverachtenden Diktatur zu einem neuen Miteinander geführt. Namhafte katholische Politiker, so der erste Bundeskanzler Dr. Konrad Adenauer, gestalteten das neue demokratische Staatswesen mit, das auch Millionen Deutsche zu integrieren hatte, die dem Unrecht der Vertreibung zum Opfer gefallen waren.

    Am 23. Mai 1949 trat das Grundgesetz für die Bundesrepublik Deutschland in Kraft. Damit begann nicht nur eine beispiellos lange Friedenszeit in unserem Land, sondern auch ein neues, fruchtbares Kapitel in den Beziehungen zwischen Kirche und Staat. Denn das im Grundgesetz den Kirchen garantierte Recht auf Mitgestaltung der Gesellschaft auf der Basis der freien Religionsausübung hat nach den schrecklichen Erfahrungen mit einer menschenverachtenden Diktatur zu einem neuen Miteinander geführt. Namhafte katholische Politiker, so der erste Bundeskanzler Dr. Konrad Adenauer, gestalteten das neue demokratische Staatswesen mit, das auch Millionen Deutsche zu integrieren hatte, die dem Unrecht der Vertreibung zum Opfer gefallen waren.

    Evangelische und katholische Christen kamen sich im neuen demokratischen Staat näher als je zuvor. Das Grundgesetz hat sich in 60 Jahren bewährt, und viele Befürchtungen, die die katholischen Bischöfe damals hatten, gerade in Bezug auf den konfessionellen Religionsunterricht, sind zumindest in den ersten Jahrzehnten nicht eingetreten.

    Nach 60 Jahren lässt sich heute leider ein gegenteiliger Trend ausmachen: In unserer Gesellschaft bröckelt der Grundkonsens über christliche Werte, die durch Grundgesetz und Länderverfassungen zu staatstragenden Werten geworden sind, immer mehr. Im Verteilungskampf der immer weniger werdenden finanziellen Mittel und der Arbeit spielen die Grundprinzipien der katholischen Soziallehre fast keine Rolle mehr. Im ethischen Bereich herrschen weit und breit Pragmatismus und Nützlichkeitsdenken. Das menschliche Leben an seinem Anfang und Ende steht immer mehr zur Disposition, und der himmelschreiende Skandal der Spätabtreibungen wird gesellschaftlich ganz einfach verdrängt, während Abtreibung selbst fast schon als etwas Normales angesehen wird.

    Wenn unsere demokratische Verfassung eines lehrt, so dies: der Staat beruht auf Grundlagen, die er selber nicht geschaffen hat und auch niemals schaffen kann. Auf diese vom christlichen Menschenbild herkommenden Grundlagen kann unser Gemeinwesen allein bauen, wenn es eine menschenwürdige Zukunft haben will, in der die Gewissensfreiheit und die Unversehrtheit des Einzelnen ebenso beachtet werden müssen wie das Gebot zu Solidarität und Nächstenliebe. Ohne das Christentum als Grundlage wären Deutschland und Europa nur leere Begriffe. Daher muss dem Staat auch in Zukunft daran liegen, die besondere Rolle der christlichen Kirchen für das Gemeinwesen wertzuschätzen. Dass der konfessionell profilierte Religionsunterricht zum Fächerangebot der öffentlichen Schulen in unserem Land gehört, verdanken wir ebenfalls dem Grundgesetz. Damit sind Religionsunterricht und kirchliche Mitverantwortung rechtlich verankert und dürfen keineswegs zugunsten anderer Formen aufgegeben werden, wie dies neuerdings von manchen politischen Kreisen geplant wird.

    Dankbar für das im Grundgesetz niedergelegte Zusammenwirken von Kirche und Staat zum Wohle der Menschen wünsche ich unserer Verfassung anlässlich ihres 60jährigen Jubiläums, dass sie auch künftig Frieden und Freiheit sichert.

    Von Bischof heinz Josef Algermissen