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    „Das ist so unwirklich“

    Die erste Prognose des Wahlabends ist gerade eine halbe Stunde alt, als der Chef der dänischen Rechtspopulisten, Kristian Thulesen Dahl, mit breitem Grinsen vor seine Anhänger tritt und „You'll never walk alone“ ins Mikrofon schmettert. Dies sei ein Festtag für die Demokratie, sagt er. Vor allem ist er es für seine Dänische Volkspartei. Während Ministerpräsidentin Helle Thorning-Schmidt stundenlang um ihre Macht zittert – und sie dann trotz Zugewinnen für ihre Sozialdemokraten verliert, kann der 45-Jährige schon kurz nach Schließung der Wahllokale die Champagnerkorken knallen lassen. Nie waren seine Rechtspopulisten so stark. Am Ende sind sie zweitstärkste Partei im Parlament.

    Wird trotz herber Verluste wohl der neue Regierungschef: Loekke Rasmussen. Foto: dpa

    Die erste Prognose des Wahlabends ist gerade eine halbe Stunde alt, als der Chef der dänischen Rechtspopulisten, Kristian Thulesen Dahl, mit breitem Grinsen vor seine Anhänger tritt und „You'll never walk alone“ ins Mikrofon schmettert. Dies sei ein Festtag für die Demokratie, sagt er. Vor allem ist er es für seine Dänische Volkspartei. Während Ministerpräsidentin Helle Thorning-Schmidt stundenlang um ihre Macht zittert – und sie dann trotz Zugewinnen für ihre Sozialdemokraten verliert, kann der 45-Jährige schon kurz nach Schließung der Wahllokale die Champagnerkorken knallen lassen. Nie waren seine Rechtspopulisten so stark. Am Ende sind sie zweitstärkste Partei im Parlament.

    Für den früheren dänischen Ministerpräsidenten Loekke Rasmussen geriet die Parlamentswahl dagegen zur großen Enttäuschung. Seiner liberalen „Venstre“ verpassten die Wähler eine schmetternde Ohrfeige. Künftig muss die Partei mit 13 Mandaten weniger im „Folketing“ auskommen. Trotzdem stellt sie mit Loekke wohl den nächsten dänischen Ministerpräsidenten. „Wir haben keine besonders gute Wahl gehabt“, gestand Loekke Rasmussen in der Wahlnacht ein. Trotz herber Verluste habe seine Partei nun „eine Möglichkeit bekommen, in Dänemark die Führung zu übernehmen“. Wie die aussehen soll, war angesichts des überragenden Ergebnisses der Dänischen Volkspartei aber zunächst noch unklar. „Das ist so unwirklich“, kommentierte deren Chef Kristian Thulesen Dahl.

    Die Wähler haben die „Dansk Folkeparti“ (DF) endgültig in dieselbe politischen Liga wie Sozialdemokraten und Liberale katapultiert. Mehr als jeder fünfte Däne stimmte am Donnerstag für die Dänische Volkspartei. Ein so deutlicher Erfolg hatte sich in den Umfragen vor der Wahl nicht abgezeichnet.

    „Wir sind auf dem Weg dahin, die Volkspartei zu werden, die wir all die Jahre werden wollten“, sagt Thulesen Dahl. Dahin gekommen sind die Rechtspopulisten unter seiner Führung nicht nur mit Rufen nach Grenzkontrollen, einem Aufnahmestopp von Flüchtlingen und „Mehr Dänemark – weniger EU“. Gleichzeitig versprach der dauer-besonnene Lehrersohn den Dänen eine bessere Altenpflege und „ordentliche Krankenhäuser“. Wie keine andere Partei schaffte die DF es, den Mix aus strenger Ausländerpolitik und starkem Sozialstaat zu verkörpern.

    Während die DF im neuen Parlament auf 37 Sitze (+15) kommt, stehen den Liberalen künftig nur 34 Sitze (-13) zu. Mit 19,5 Prozent der Stimmen ist sie nur drittgrößte Partei. Die Sozialdemokraten legten im Vergleich zur Wahl vor vier Jahren zwar ordentlich auf 26,3 Prozent der Stimmen (47 Mandate) zu. Die Regierungsmacht musste die Partei trotzdem abgeben. „Heute Abend hat unser gemeinsamer Einsatz nicht so weit gereicht, wie wir gehofft haben“, sagte Thorning-Schmidt, die in der Nacht zum Freitag auch ihren Rücktritt als Vorsitzende der Sozialdemokraten verkündete.

    Den Wahlkampf über hatte der Fokus auf dem Rennen um das Amt des Regierungschefs zwischen Helle Thorning-Schmidt und Lars Loekke Rasmussen gelegen. In den vielen Debatten hatten die beiden sich scharf angegriffen. Wenn zwei sich streiten, freut sich der Dritte. In diesem Fall ist es Thulesen Dahl.

    Auf die Frage, ob er Teil der nächsten dänischen Regierung sein wolle, hatte der Rechtspopulist bislang immer abgewiegelt und nur gesagt: „Wir wollen genau dahin, wo unser politischer Einfluss am größten ist.“ Jetzt, wo seine Partei die Größte unter den Bürgerlichen ist, dürfte er kaum darum herumkommen.

    Zu den großen Wahlverlierern in Kopenhagen gehörten die Koalitionspartner der Sozialdemokraten: Die Sozialliberalen sackten auf 4,6 Prozent der Stimmen (8 Sitze) ab. Auch die Volkssozialisten schnitten mit 4,2 Prozent (7 Sitze) deutlich schlechter ab als 2011. Etwas besser als bei der vergangenen Wahl schlug sich die linke Einheitsliste mit 7,8 Prozent (14 Sitze). Die neue Partei „Die Alternative“ des früheren dänischen Kulturministers Uffe Elbaek, die etwa einen grünen Wandel, einen „Veggie-Day“ und eine 30-Stunden-Woche fordert, konnte mit 4,8 Prozent der Stimmen (9 Mandate) ins „Folketing“ einziehen. Im bürgerlichen Block feierte die liberale Allianz Zugewinne (7,5 Prozent/13 Mandate), während die Konservativen auf 3,4 Prozent (6 Mandate) zurückfielen. Die Christdemokraten verpassten die Zwei-Prozent-Hürde für den Einzug ins „Folketing“ deutlich (0,8 Prozent). Die Wahlbeteiligung lag mit 85,8 Prozent unter der der Parlamentswahl 2011 (87,7 Prozent).

    Ministerpräsidentin Thorning-Schmidt hatte vor vier Jahren als erste Frau den Sprung an die Regierungsspitze geschafft und den damaligen Staatsminister Loekke Rasmussen abgelöst. „Ich bin Dänemarks erste Ministerpräsidentin. Aber ich werde nicht die letzte sein“, sagte die 48-Jährige nach ihrer Niederlage in der Nacht zum Freitag mit Tränen in den Augen.