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    Das gefährliche Spiel der Verschwörungstheoretiker

    Hartnäckig hält sich das Gerücht bei amerikanischen Verschwörungstheoretikern, dass die Mondlandung inszeniert und insgeheim im Studio gedreht worden sei. So wie zahlreiche Menschen an der Mondlandung zweifeln, so gibt es auch zum 11. September die wildesten Verschwörungstheorien. Über jenen Tag, an dem um 8.46 Uhr das erste Flugzug in das World Trade Center stürzte, und später weitere von islamistischen Terroristen gekaperten Flugzeuge die Zwillingstürme und das Pentagon in Washington trafen.

    Zahlreiche Amerikaner glauben, dass die Zerstörungen am Pentagon nicht von einem Flugzeug, sondern einer Rakete verursac... Foto: dpa

    Hartnäckig hält sich das Gerücht bei amerikanischen Verschwörungstheoretikern, dass die Mondlandung inszeniert und insgeheim im Studio gedreht worden sei. So wie zahlreiche Menschen an der Mondlandung zweifeln, so gibt es auch zum 11. September die wildesten Verschwörungstheorien. Über jenen Tag, an dem um 8.46 Uhr das erste Flugzug in das World Trade Center stürzte, und später weitere von islamistischen Terroristen gekaperten Flugzeuge die Zwillingstürme und das Pentagon in Washington trafen.

    Wurden die Türme gesprengt? Bücher wie „Operation 9/11“, „Die CIA und der elfte September“ oder „Fakten, Fälschungen und unterdrückte Beweise des 11.9.“ wurden Bestseller. Ihre Thesen sind zwar längst widerlegt, aber in vielen Köpfen nährt sich immer wieder der Zweifel, wer die Drahtzieher sind. Zweifel, die in der Vorstellung gipfeln, die Amerikaner hätten die Attentate selbst inszeniert, um damit die Kriege gegen den Irak und Afghanistan zu rechtfertigen. Auch die Theorie einer jüdischen Verschwörung wird immer wieder mit den Anschlägen in Verbindung gebracht. So kursierten im Internet Gerüchte, viertausend im WTC beschäftigte Juden seien am 11. September nicht zur Arbeit erschienen. Also hätten die Juden Bescheid gewusst, weil der israelische Geheimdienst Mossad den Anschlag wohl geplant hatte.

    Der 11. September: eine Inszenierung der Amerikaner? Ein Drittel der Amerikaner glaubt, dass amerikanische Regierungsstellen den Terroristen geholfen oder sie zumindest wissentlich nicht gestoppt haben. In Großbritannien sind 14 Prozent der Menschen der Ansicht, dass die US-Regierung des damaligen Präsidenten George W. Bush bei den Terroranschlägen vom 11. September 2001 in New York und Washington ihre Finger im Spiel hatte. Das ergab eine Umfrage im Auftrag des Fernsehsenders BBC 2, die kürzlich veröffentlicht wurde. An eine „größer angelegte Verschwörung unter Beteiligung der amerikanischen Regierung“ glauben sogar 24 Prozent der jüngeren Befragten im Alter zwischen 16 und 24 Jahren. 68 Prozent der Befragten sagten, es habe überhaupt keine Verschwörung gegeben.

    Das ist allerdings kein neues, an den 11. September 2001 und die Regierung Bush gebundenes Phänomen. Auch um den Mord an John F. Kennedy und den japanischen Angriff auf Pearl Harbour ranken sich bis heute zahlreiche Verschwörungstheorien. Und so melden sich kurz vor dem zehnten Jahrestag der Terroranschläge wieder die sogenannten „Truther“ zu Wort. Verschwörungstheoretiker, die nichts als „die Wahrheit“ – ihre Wahrheit, wollen. Das sogenannte „9/11 truth movement“ besteht darauf, dass es offene Fragen gibt: Stürzten die Wolkenkratzer in New York (nicht zuletzt der dritte Turm, das WTC 7) aufgrund der Flugzeugabstürze ein oder handelte es sich um eine geplante Sprengung? Wurde das Pentagon tatsächlich von einem Flugzeug beschädigt oder gab es auch hier andere Ursachen? Weder der Abschlussbericht der 9/11 Commission noch der des National Institute of Standards and Technology konnte die Zweifler zufriedenstellen.

    Im Schatten der Zwillingstürme war das dritthöchste Gebäude des WTC-Komplexes Stunden nach den Türmen kollabiert, obwohl kein Flugzeug hineingeflogen war. In dem Gebäude befanden sich unter anderem das größte CIA-Büro außerhalb der Zentrale, der Secret Service, die Börsenaufsicht sowie die Kommandozentrale der Stadt New York zur Abwehr von Terrorangriffen und Katastrophen. Verschwörungstheoretiker haben daraus die These aufgestellt, dass im Gebäude 7 die Planung der Anschläge stattgefunden habe und das Gebäude zur Zerstörung von Beweismaterial vernichtet wurde. In Wirklichkeit waren brennende Teile der Zwillingstürme in das Hochhaus geflogen und konnten so tragende Stahlkonstruktionen zum Schmelzen bringen.

    Zahlreiche Verschwörungstheorien befassen sich auch mit dem Anschlag auf das Pentagon. Nicht ein Flugzeug habe die Zerstörungen dort verursacht, sondern eine Rakete, heißt es. Videoaufnahmen des amerikanischen Verteidigungsministeriums, Aufzeichnungen zweier Überwachungskameras außerhalb des Gebäudes, zeigen, wie das American-Airlines-Flugzeug mit der Flugnummer 77 mit einer geschätzten Geschwindigkeit von etwa 850 Kilometern in das Erdgeschoss des Gebäudes rast und explodiert. Bei dem Anschlag wurden 125 Menschen in dem Gebäude, die 59 Passagiere und Besatzungsmitglieder sowie die fünf Terroristen getötet.

    Die meisten Zweifler tummeln sich im Internet. Die Thesen dort sind ebenso wirr wie vielfältig. Das Internet indes beschleunigt und verstärkt die Entstehung von Verschwörungstheorien, unbewiesene Behauptungen werden oft in Sekundenschnelle zu vermeintlichen Beweisen. In dieser Öffentlichkeit finden schrille Vorwürfe oft mehr Gehör als sachliche Argumente. Letztlich aber schüren derartige Verschwörungstheorien Ressentiments und bedienen Feindbilder – ein gefährliches Spiel.