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    „Das ganz auf Gott Verwiesensein“

    Exzellenz, was beeindruckt Sie persönlich am meisten am Leben Georg Häfners? Es ist seine Schlichtheit, mit der er als Priester seinen Glauben zumal im Konzentrationslager Dachau gelebt hat. Er hat, wie wir mit wenigen Stichworten zusammenfassen wollten, einfach, gläubig, konsequent gelebt.

    Friedhelm Hofmann, Würzburgs Bischof, setzt große pastorale Hoffnungen auf die Seligsprechung. Foto: KNA

    Exzellenz, was beeindruckt Sie persönlich am meisten am Leben Georg Häfners?

    Es ist seine Schlichtheit, mit der er als Priester seinen Glauben zumal im Konzentrationslager Dachau gelebt hat. Er hat, wie wir mit wenigen Stichworten zusammenfassen wollten, einfach, gläubig, konsequent gelebt. Er hatte genauso Angst wie wir. Er hat in Dachau fürchterlich gelitten und Todesqualen erduldet. Dennoch hat er seine Peiniger nicht verdammt, sondern wie er aus Dachau heraus schreibt: „Keinem Menschen wollen wir fluchen, keinem etwas nachtragen, mit allen wollen wir gut sein.“ Das Unauffällige in seinem Leben, das ganz auf Gott Verwiesensein, das sich in seinem intensiven Gebetsleben verankert, beeindruckt mich. Gerade in der Hölle von Dachau gewinnt seine innige, tiefe Gottesbeziehung Leuchtkraft.

    Inwiefern können sich Priester heute von dem Zeugnis des neuen Seligen inspirieren lassen?

    Wir leben heute in anderen Herausforderungen als zur Zeit des Nationalsozialismus. Wir sind frei und können ohne jeden Abstrich unseren Glauben bekennen. Wir sind aber angefochten durch die immer säkularer werdende Gesellschaft. Unsere Versuchung besteht darin, die Anforderungen des Glaubens herabzuschrauben und zu minimalisieren. Georg Häfner zeigt, dass das intensive Gebetsleben, das Verweilen vor dem Allerheiligsten die persönliche Gottesbeziehung ermöglicht und verlebendigt. Ohne dieses Verweilen bei Gott, ohne dieses bei Ihm Aufgehobensein, hätte er nicht die Kraft zum Bekenntnis des Glaubens mit allen Konsequenzen gehabt. Für uns Christen, und da erst recht für uns Priester und Ordensleute, bedeutet dies: Pfarrer Georg Häfner verweist uns mit seiner Glaubenshaltung auf die eigentlichen Lebensquellen. Es ist sehr gut, wenn wir Priester auch heute als betende Menschen erlebt werden: Etwa beim Breviergebet oder während der Anbetung vor dem Allerheiligsten in einer Kirche.

    Sie verehren die heilige Edith Stein sehr. Erkennen Sie Parallelen zwischen diesen beiden unterschiedlichen Menschen?

    Die heilige Edith Stein war eine bedeutende Wissenschaftlerin, Phänomenologin und auch Theologin. Sie hat aufgrund ihrer intellektuellen Begabung Wege zur Gottesbegegnung gefunden, die auf analytischem und diskursivem Denken Zugänge zur Gegenwart Gottes eröffnet haben. In ihren vielen Schriften hat sie uns davon beeindruckende Zeugnisse hinterlassen. Das war bei Pfarrer Georg Häfner sicherlich anders: Bei ihm ist – wie die Religionsphilosophin Gerl-Falkovitz auf dem diesjährigen Oasentag der Priester und Diakone in Würzburg focussierte – die Sprachlosigkeit Beleg für die Wahrheit. Statt tiefschürfender Texte sind gerade seine schlichten Briefe Zeugnisse seiner Gottverbundenheit. Aber beide, Edith Stein und Georg Häfner, verweilten oft und lange im betrachtenden Gebet bei Gott. So fanden beide Gestalten zum selben Ziel.

    Hat sich die Seligsprechung Johannes Pauls II. auf das Fest in Würzburg ausgewirkt?

    Die Seligsprechung von Papst Johannes Paul II. war für uns in Würzburg so etwas wie ein internationaler ,,Türöffner“. Gerade sein weltweiter Bekanntheitsgrad, seine allen präsente Persönlichkeit, ließ in einem großen medialen Echo die Fragen nach Selig- oder Heiligsprechungen zu. Hier wurde das Thema nach Seligsprechungsverfahren, nach Sinn und Ziel behandelt und damit viele Fragen beantwortet, die sich auch auf die Seligsprechung im Würzburger Dom stellten.

    Welchen Impuls erhoffen Sie sich von der Seligsprechung für das Bistum Würzburg?

    Ich erhoffe mir, dass nach unserem Jahresleitsatz: Jetzt ist die Zeit der Gnade, der an den zweiten Korintherbrief angelehnt ist, auch für unser Bistum und darüber hinaus für unsere Kirche in Deutschland neue Impulse erkannt werden, die ebenfalls im angestoßenen Gesprächsprozess die richtigen Schwerpunkte setzen. Georg Häfner lehrt uns, dass aus der gelebten Nähe zu Gott die anstehenden Probleme aufgegriffen und gelöst werden müssen. Nur wenn wir aus der Gottesbegegnung heraus denken und handeln, wird uns vertiefte Einsicht und Glaubensfreude fruchtbare Wege in die Zukunft bahnen.