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    Das Militär soll helfen

    Es ist kein Durchbruch, aber doch ein Hoffnungsschimmer im Kampf gegen Ebola, denn endlich nimmt die internationale Hilfe Fahrt auf. Und siehe da, die USA strafen all jene Lügen, die am humanitären Gewissen Amerikas in den vergangenen Jahren oft und gern auch mit Inbrunst gezweifelt haben. Vor allen anderen Staaten hat Washington die Mittel für Westafrika drastisch aufgestockt: Rund 3 000 US-Soldaten sollen nach Liberia, Guinea und Sierra Leone geschickt werden und in Zusammenarbeit mit lokalen Behörden 17 Kliniken für Patienten bauen. Überdies will Washington in den kommenden sechs Monaten pro Woche bis zu 500 Pflegekräfte im Umgang mit Ebola schulen sowie Medikamente und Desinfektionsmittel an hunderttausende Haushalte verteilen. In der liberianischen Hauptstadt Monrovia soll eine Kommandozentrale errichtet werden und im Senegal ein Sammelpunkt. Eine Luftbrücke soll helfen, Ärzte, Hilfsarbeiter und Medikamente schneller nach Westafrika zu bringen. „Die Welt weiß, wie sie diese Krankheit bekämpfen kann. Es ist kein Rätsel“, sagte US-Präsident Barack Obama nach seinem Treffen mit Ärzten und anderen CDC-Mitarbeitern.

    Samantha Power, UN-Botschafterin der USA, mit Ban Ki Moon. Foto: dpa

    Es ist kein Durchbruch, aber doch ein Hoffnungsschimmer im Kampf gegen Ebola, denn endlich nimmt die internationale Hilfe Fahrt auf. Und siehe da, die USA strafen all jene Lügen, die am humanitären Gewissen Amerikas in den vergangenen Jahren oft und gern auch mit Inbrunst gezweifelt haben. Vor allen anderen Staaten hat Washington die Mittel für Westafrika drastisch aufgestockt: Rund 3 000 US-Soldaten sollen nach Liberia, Guinea und Sierra Leone geschickt werden und in Zusammenarbeit mit lokalen Behörden 17 Kliniken für Patienten bauen. Überdies will Washington in den kommenden sechs Monaten pro Woche bis zu 500 Pflegekräfte im Umgang mit Ebola schulen sowie Medikamente und Desinfektionsmittel an hunderttausende Haushalte verteilen. In der liberianischen Hauptstadt Monrovia soll eine Kommandozentrale errichtet werden und im Senegal ein Sammelpunkt. Eine Luftbrücke soll helfen, Ärzte, Hilfsarbeiter und Medikamente schneller nach Westafrika zu bringen. „Die Welt weiß, wie sie diese Krankheit bekämpfen kann. Es ist kein Rätsel“, sagte US-Präsident Barack Obama nach seinem Treffen mit Ärzten und anderen CDC-Mitarbeitern.

    UN-Generalsekretär Ban Ki Moon begrüßte die Initiative. Natürlich kann sie unter der Rubrik Selbstmarketing verbucht werden, zumal die US-Hilfe mit Liberia vor allem einem Land zugute kommt, das von früheren amerikanischen Sklaven gegründet worden war. Es zeigt aber eben auch, dass Washington handelt, während andere lamentieren. Auch Deutschland hat sich bisher nicht mit allzu großem Hilfseifer hervorgetan, auch wenn Bundeskanzlerin Angela Merkel jetzt ebenfalls zusätzliche Ebola-Hilfe in Form von Lufttransporten versprochen hat. Inwieweit die Bundeswehr eingesetzt wird, bleibt aber offen. Nicht ohne Grund rief Ban Ki Moon dazu auf, dem amerikanischen Beispiel zu folgen. Auch nach Ansicht von „Ärzte ohne Grenzen“ tut die Bundesregierung nicht genug zur Bekämpfung der Ebola-Seuche in Westafrika. „Ich bin mir nicht sicher, dass man sich hier in Berlin des Ausmaßes dieser Krise wirklich bewusst geworden ist“, sagte Geschäftsführer Florian Westphal am Donnerstag im „Deutschlandradio Kultur“.

    Die Zeit eilt. So steigt die Zahl der Patienten und Toten weiter ungebremst. Nach Daten der Weltgesundheitsorganisation (WHO) waren bis 14. September in Liberia, Sierra Leone, Guinea, Nigeria und dem Senegal 5 357 Patienten registriert, 2 630 davon sind gestorben. Unter den Erkrankten sind auch 318 Ärzte und andere Helfer – 151 von ihnen starben. Im betroffenen Sierra Leone gilt seit gestern bis Sonntag eine landesweite Ausgangssperre. „Wir müssen die Bewegungsfreiheit für alle Bürger einschränken, um direkten Körperkontakt zu vermeiden“, sagte Regierungssprecher Abdulai Baratay der dpa.

    Ein ganzes Volk in Quarantäne – sinnvoll oder eher eine Verzweiflungstat? Das Auswärtige Amt stockte am Donnerstag zumindest finanziell auf: Es stellte weitere fünf Millionen Euro zur Bekämpfung der Epidemie bereit – die Finanzhilfen der Bundesregierung steigen damit auf 17 Millionen Euro. Es sei die Verantwortung Deutschlands, gemeinsam mit der internationalen Gemeinschaft umfassende Hilfe zu leisten, sagte Außenminister Frank-Walter Steinmeier (SPD) in Berlin. „Ärzte ohne Grenzen“ kritisiert aber gerade die bislang ausbleibende Hilfe direkt in Westafrika. „Die Verzweiflung nimmt jeden Tag zu. Wir schaffen das nicht mehr allein“, sagte Vorstandsvorsitzender Tankred Stöbe dem Radiosender „Bayern 2“. Die Hilfskräfte, die vor allem in den Ebola-Krisenländern Guinea, Liberia und Sierra Leone eingesetzt werden, seien mit ihren Kräften am Ende. Geld allein reiche nicht. Der Einsatz von militärischen Anti-Seuchen-Einheiten würde helfen. Auch das EU-Parlament forderte am Donnerstag dazu auf, den internationalen Kampf gegen das Virus mit Luftbrücken und militärischen Mitteln zu verstärken. Der UN-Sicherheitsrat solle mit den USA einen Einsatz prüfen.

    Auch wenn die reichen Industrienationen sich nicht gerade darin überbieten, Westafrika in dieser schweren Krise zur Seite zu stehen, so gewinnt die in Sonntagsreden vielfach beschworene internationale Solidarität endlich Kontur. Es besteht die Chance auf ein globales Bündnis der Menschlichkeit. Auch kirchliche Hilfsorganisationen wie die Caritas helfen. Am Zustandekommen eines solchen Bündnisses wird sich zeigen, ob es der wohlhabende Norden ernst meint mit seinen oft wiederholten Bekenntnissen, Afrika als Partner zu betrachten.

    Spontane Hilfsbereitschaft kann allerdings nicht darüber hinwegtäuschen, dass langfristige Veränderungen erforderlich sind, um gegen Katastrophen wie Ebola künftig besser gewappnet zu sein. So zeigt sich, dass die Daseinsvorsorge in der Entwicklungszusammenarbeit vor wirtschaftlichen Interessen wieder eine größere Rolle spielen sollte. Dazu gehört ganz zentral die Gesundheitsversorgung. Was bringen Investitionen in die Wirtschaft vor Ort, wenn ein elementares Grundbedürfnis vernachlässigt wird? So wichtig wirtschaftliche Entwicklung ist, so sehr ist sie abhängig von Leistungen, die menschliches Leben auch dann absichern, wenn die Bedingungen immer schlechter werden und die Grenzen des medizinischen Fortschritts und der technischen Machbarkeit sichtbar werden.

    Eine wirkliche Verbesserung der Lebensbedingungen in Afrika ist letztlich auch im Interesse des Nordens. Zum einen liegt Westafrika nur wenige Flugstunden von Berlin, Paris, London und Brüssel entfernt. Niemand kann mit Sicherheit ausschließen, dass Ebola angesichts seiner rasend schnellen Ausbreitung und möglicher Mutationen nicht auch bis zu uns vordringt. Zum anderen ist es ein weiter anwachsender Flüchtlingsstrom aus dem Süden, der Europa blüht, wenn nicht vor Ort, in den Ländern des Südens, gegengesteuert wird.