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    Das Drama der Kindersoldaten

    „Wir lieben dich, Robert, komm zurück nach Hause! Zu Deinen Eltern und Geschwistern , so lauten die Botschaften, die im Kinderprogramm des katholischen Senders „Radio Wa“ in der Diözese Lira im Norden Ugandas gesendet werden. Sie richten sich an Kinder, die von den Rebellen der „Lord's Resistance Army“ (Widerstandsarmee des Herrn, LRA) entführt und als Kindersoldaten missbraucht worden sind. Viele der überlebenden Kinder wagen sich nicht mehr nach Hause, weil sie von den Rebellen gezwungen wurden, Menschen in ihren Heimatdörfern und sogar Familienangehörige zu verstümmeln oder zu töten oder Häuser niederzubrennen. Andere Kinder trauen sich nicht, ihren Peinigern zu entfliehen.

    Jung, missbraucht und beladen mit Schuldgefühlen: Ein Kindersoldat der ugandischen „Lord's Resistance Army“. Foto: dpa

    „Wir lieben dich, Robert, komm zurück nach Hause! Zu Deinen Eltern und Geschwistern , so lauten die Botschaften, die im Kinderprogramm des katholischen Senders „Radio Wa“ in der Diözese Lira im Norden Ugandas gesendet werden. Sie richten sich an Kinder, die von den Rebellen der „Lord's Resistance Army“ (Widerstandsarmee des Herrn, LRA) entführt und als Kindersoldaten missbraucht worden sind. Viele der überlebenden Kinder wagen sich nicht mehr nach Hause, weil sie von den Rebellen gezwungen wurden, Menschen in ihren Heimatdörfern und sogar Familienangehörige zu verstümmeln oder zu töten oder Häuser niederzubrennen. Andere Kinder trauen sich nicht, ihren Peinigern zu entfliehen.

    Katholischer Sender bietet Kindersoldaten Umkehr an

    Diesen Kindern will der Sender Mut machen, zu ihren Familien heimzukehren. So berichten im Kinderprogramm „Karibu“ („Willkommen“) auch ehemalige Kindersoldaten, denen die Flucht gelang, über ihr neues Leben, um ihre Leidensgenossen zu ermutigen. Im Laufe der Zeit flohen mehr als tausend Kindersoldaten aus der Gefangenschaft, weil „Radio Wa“ ihnen dabei half, an ein neues Leben zu glauben. Ein Ärgernis für die Rebellen unter der Führung von Joseph Kony. Sie setzten den Radiosender im September 2002 in Brand, doch der Sendemast blieb erhalten. Keine Funkstille, „Unser Radio“ – so lautet „Radio Wa“ übersetzt – sendet bis heute seine Programme, die zu Frieden und Versöhnung in Uganda beitragen wollen.

    Bislang ist der Radiosender mehr als bescheiden untergebracht. Das Gebäude erinnert eher an eine Garage. Da das Radio wichtig ist, wünscht Bischof Giuseppe Franzelli, ein aus Roccafranca bei Brescia in Italien stammender Comboni-Missionar, eine Erweiterung des Programms. Dazu aber ist mehr Platz notwendig. Zwei Studios und eine Kabine für Live-Übertragungen sollen entstehen. Außerdem werden auch weitere Büroräume benötigt. Mit finanzieller Unterstützung des Hilfswerkes „Kirche in Not“ soll dies ermöglicht werden.

    Viel Versöhnungsarbeit und Wiederaufbau sind nötig. Denn der lange Konflikt in Uganda zählt zu den schlimmsten Bürgerkriegen Afrikas. Seit mehr als 25 Jahren sind die Rebellen der „Lord's Resistance Army“ in der Region aktiv. Die Rebellenbewegung hat kein politisches Programm. Ihr Gründer und Führer Joseph Kony behauptet von sich, er sei von machtvollen Geistern beherrscht, die ihn als ihr Medium benutzen. Entflohene LRA-Kämpfer bezeichneten den Rebellenchef als einen „geisteskranken Fanatiker“, dem es um die Errichtung eines Gottesstaates auf vorgeblich alttestamentlich-biblischen Grundlagen geht. Das wirre Weltbild, von dem er sich leiten lässt, besteht aus einer Mischung falsch verstandener christlicher, islamischer und traditionell afrikanischer Glaubenssplitter. Durch Gehirnwäsche und unter Drogen gesetzt werden sollen viele seiner jungen Kämpfer glauben, dass der „Heilige Geist“, der Gebrauch „Heiliger Öle“ und „Heiligen Wassers“, die richtige Anzahl von Kreuzzeichen und Gebeten, sie im Kampf unverwundbar machen. Joseph Kony ist die Nummer Eins auf der Liste mutmaßlicher Kriegsverbrecher des Internationalen Strafgerichtshofs. Gesucht wird er wegen vorsätzlicher Angriffe auf die Zivilbevölkerung und Versklavung. Dazu gehört die Rekrutierung von Kindersoldaten. Bereits seit 2005 liegt ein Haftbefehl gegen Kony und zwei seiner Kommandeure vor. Wo aber steckt der Rebellenführer? Kony finden und festsetzen – das sollte die Mission einer neu gegründeten Militäreinheit unter dem Kommando der Afrikanischen Union (AU) sein. Die Soldaten aus Uganda, der Demokratischen Republik Kongo, aus dem Südsudan und der Zentralafrikanischen Republik sollten einen etwa 5 000 Mann starken Fahndungstrupp bilden. Es geht darum, eine kleine Anzahl von Menschen in einem riesigen Gebiet zu finden, das sich über mehrere Staaten erstreckt: neben Uganda auch die Demokratische Republik Kongo, die Zentralafrikanische Republik und Südsudan. Kein leichter Job. In dem Gebiet, das so groß ist wie Frankreich, gibt es nur wenige Straßen und schlechte Kommunikationsmöglichkeiten.

    An der Jagd auf Joseph Kony beteiligen sich auch 100 amerikanische Spezialkräfte, die vom US-Regionalkommando für Afrika (Africom) befehligt werden. Das Africom ist seit 2008 in den Kelley-Barracks in Stuttgart-Möhringen beheimatet und koordiniert alle militärischen Aktivitäten der Vereinigten Staaten in Afrika. Von Stuttgart aus unterstützen die USA die Afrikaner mit Schulungen und mit kleinen Teams von Spezialeinheiten, die als Militärberater fungieren. Offiziell haben die USA in Afrika nur einen Stützpunkt: Camp Lemonier in Dschibuti am Horn von Afrika, strategisch gut gelegen nördlich von Somalia und nicht weit entfernt vom Jemen, auf der anderen Seite des Roten Meeres. Kleinere Stützpunkte gibt es im Kongo und in Äthiopien, in Kenia und Mali, im Südsudan und auf den Seychellen. Insgesamt sind derzeit etwa 5 000 Amerikaner in Afrika im Einsatz: Militärpersonal und zivile Mitarbeiter des Verteidigungsministeriums. Ein wichtiger Stützpunkt für Überwachungsmissionen liegt in Ouagadougou, der Hauptstadt von Burkina Faso. Das Land liegt südlich von Mali und westlich von Nigeria, wo die radikalislamische Sekte Boko Haram mit Anschlägen von sich reden macht.

    Sicherer Unterschlupf bei den Putschisten Zentralafrikas

    Die Suche nach dem Rebellenführer Joseph Kony verläuft stockend. Ein weiterer Grund neben dem unzugänglichen Gelände ist der jüngste Putsch in der Zentralafrikanischen Republik. Die neue Regierung des Landes arbeitet nicht mit der Militärmission aus verschiedenen afrikanischen Staaten zusammen. Zunächst soll das grundsätzliche Verhältnis der neuen Machthaber zur Afrikanischen Union geklärt werden. Auch wenn die USA inzwischen ein Kopfgeld von fünf Millionen Dollar auf seine Ergreifung ausgesetzt haben: Kony kann sich offenbar auf die neuen Herrscher in der Zentralafrikanischen Republik verlassen.