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    Christen sind in Lebensgefahr

    Herr Kauder, am Osterwochenende starben bei Anschlägen in Nigeria bisher 38 Menschen. Kann man dem islamistischen Terror in Nigeria noch Einhalt gebieten? Ich habe da große Sorgen und Zweifel. Die Regierung in Nigeria arbeitet an einer Lösung des Problems.

    Foto: cducsu.de Foto: cducsu.de

    Herr Kauder, am Osterwochenende starben bei Anschlägen in Nigeria bisher 38 Menschen. Kann man dem islamistischen Terror in Nigeria noch Einhalt gebieten?

    Ich habe da große Sorgen und Zweifel. Die Regierung in Nigeria arbeitet an einer Lösung des Problems. Aber offenbar gelingt es nicht, die Christen vor Ort zu schützen. Dennoch dürfen wir die Hoffnung nicht aufgeben. Wir müssen alles tun, was in unserer Macht steht, damit das Thema in der Öffentlichkeit groß diskutiert wird.

    Wie beurteilen Sie die Anstrengungen der nigerianischen Regierung. Bleibt Präsident Jonathan nichts anderes übrig als mit harter Hand zu reagieren oder müssen neue Wege gesucht werden?

    Jonathan ist Christ. Er versucht alles, um Christen in seinem Land zu schützen. Das scheint allerdings nicht auszureichen. Ich glaube, dass der Dialog eine Lösung sein könnte. Inwieweit dieser aber mit den Islamisten möglich ist, ist schwierig einzuschätzen. Zugleich sollte sich meiner Meinung nach der Sicherheitsrat der Vereinten Nationen mit der Lage in Nigeria befassen. Ich werde in den nächsten Tagen Außenminister Westerwelle darauf ansprechen und fragen, welche Möglichkeiten er sieht, dies zu tun. Es darf auf keinen Fall der Eindruck erweckt werden, man gehe zur Tagesordnung über.

    Glauben Sie denn, dass der Sicherheitsrat Schritte gegen die Verfolgung der Christen in Nigeria einleiten wird oder sie in Form einer eigenen Resolution verurteilt?

    Es ist wichtig, dass wir im Sicherheitsrat auf die besondere Situation hinweisen. Es wäre natürlich wünschenswert, wenn sich auch islamische Staaten von diesem Terror klar distanzierten. Ich würde mir daher wünschen, dass die Organisation für Islamische Zusammenarbeit die Geschehnisse verurteilt. In jedem Fall muss der Eindruck vermieden werden, dass die Terroristen in Nigeria Unterstützung für ihre brutalen Angriffe finden.

    Den Christen in Europa wirft man immer wieder vor, es fehle an Solidarität mit den Christen in Nahost. Sehen Sie das auch so?

    Das sehe ich nicht so. Gerade im letzten Jahr ist die Solidarität unglaublich gestiegen; das Thema Christenverfolgung ist zu einem wichtigen politischen Thema geworden. Dazu haben wir in der CDU/CSU-Bundestagsfraktion mit beigetragen. Wir müssen alle politischen Möglichkeiten nutzen, um den Menschen in Nigeria zu zeigen, dass wir sie nicht vergessen. Wir haben Kontakte zu Pfarrern und Priestern in Nigeria. Sie haben uns auch besucht und werden die Botschaft unserer Unterstützung in ihrer Heimat weitergeben.

    Was haben Ihnen diese Menschen erzählt? Leben die Christen in Nigeria in Angst und Furcht wie beispielsweise im Irak?

    Ich wollte ursprünglich in der Karwoche nach Nigeria reisen, um die bedrängten Christen zu besuchen. Aus Sicherheitsgründen ging dies nicht. Ein evangelischer Pfarrer aus dem Norden Nigerias war zuvor bei mir in Berlin und hat mich auch darauf hingewiesen, dass ein Besuch aufgrund der derzeitigen besonderen Sicherheitslage zu gefährlich sei. Das zeigt, dass die Christen Nigerias nicht nur bedroht, sondern wirklich in Lebensgefahr sind.

    Befürchten Sie, dass von Nigeria ein Flächenbrand ausgehen könnte, der die gesamte Region ins Chaos stürzt?

    Ich kann nicht erkennen, dass der Terror in Nigeria Auswirkungen auf andere Länder hat. Wir sehen aber an dem Beispiel Mali und auch an dem, was Religionsführer in der arabischen Welt formulieren, dass man tatsächlich die Christen in dieser Region vertreiben will. Das muss uns besonders alarmieren. Und wenn wir sehen, wie sich der arabische Frühling gestaltet und auch die koptischen Christen in Ägypten unter Druck geraten, müssen wir uns mit dem Thema Religionsfreiheit in diesem Jahrhundert in besonderer Weise beschäftigen. Wir sind von den Grundsätzen der Allgemeinen Erklärung der Menschenrechte aus dem Jahr 1948, in der auch die Religionsfreiheit als zentrales Menschenrecht festgeschrieben wurde, noch weit entfernt. Und ich sehe hier eher eine Verschlechterung der Lage als eine Verbesserung. Wir sollten uns deshalb überlegen, ob das Thema Religionsfreiheit nicht doch Gegenstand einer weltweiten Konferenz sein sollte. Denn wir dürfen nicht akzeptieren, dass Verletzungen der Religionsfreiheit und damit Menschenrechtsverletzungen zum Alltag werden.