• aktualisiert:

    Christen erneut benachteiligt

    Brüssel/Würzburg (DT) Der Religionsunterricht an „Europäischen Schulen“ – einem offenen Angebot, das die Europäische Union an ihren Standorten den Kindern ihrer Bediensteten macht – soll drastisch beschnitten werden. Das geht aus einem Strategiepapier des „Obersten Rates“ der Europäischen Schulen hervor, das dieser Zeitung vorliegt.

    Schulen der EU, wie hier in Karlsruhe, künftig ohne Religionsunterricht? Foto: dpa

    Brüssel/Würzburg (DT) Der Religionsunterricht an „Europäischen Schulen“ – einem offenen Angebot, das die Europäische Union an ihren Standorten den Kindern ihrer Bediensteten macht – soll drastisch beschnitten werden. Das geht aus einem Strategiepapier des „Obersten Rates“ der Europäischen Schulen hervor, das dieser Zeitung vorliegt.

    Der „Oberste Rat“ ist das mit Vertretern der nationalen Bildungsministerien, der Europäischen Kommission sowie Eltern- und Lehrervertretern besetzte, höchste Entscheidungsgremium der Europäischen Schulen und als solches für die „Reform der Sekundarstufe“ verantwortlich.

    Bereits heute können die insgesamt 14 Europäischen Schulen den Religionsunterricht nach eigenem Ermessen stutzen, indem sie den Lernstoff reduzieren oder bis zu drei aufeinanderfolgende Jahrgänge im Unterricht zusammenziehen. Doch das reicht dem „Obersten Rat“ offenbar noch nicht. Wie es in dem Strategiepapier heißt, sollen in den Klassen 1 bis 3 der Sekundarstufe künftig „die Hälfte aller Religionsstunden entfallen“. In den oberen Jahrgängen soll der Unterricht sogar entfallen, wenn dafür im Geschichtsunterricht die Weltreligionen „angeschnitten werden“.

    In Deutschland gibt es Europäische Schulen an den EU-Standorten München, Frankfurt am Main, Karlsruhe und Bad Vilbel. Grund für die Pläne sind offenbar weitere Einsparungen. Wie der CSU-Europaparlamentarier Martin Kastler der „Tagespost“ sagte, seien die Haushaltsmittel der Europäischen Schulen bereits 2011 um sieben Millionen Euro und 2012 noch einmal um zwei Millionen Euro gekürzt worden.

    Pro Schüler sollen vier Prozent der Kosten entfallen

    Für das Jahr 2013 gelte es nun pro Schüler vier Prozent der Kosten einzusparen. Katholische Eltern und protestantische Lehrkräfte hatten sich mit einem Hilfegesuch an den CSU-Politiker gewandt. Der Franke, der auch Mitglied im Zentralkomitee der deutschen Katholiken (ZdK) ist, hat inzwischen offiziell Beschwerde bei der Europäischen Kommission eingereicht und angekündigt, das Thema auch auf die Agenda der Zdk-Vollversammlung Ende April bringen zu wollen. „Gerade in der anhaltenden Werte-Krise Europas ist es der vollkommen falsche Ansatz, am Religionsunterricht in den Europäischen Schulen zu sparen“, so Kastler. Der CSU-Politiker erinnert daran, dass die Europäische Charta der Grundrechte in Artikel 10 jeder Person „das Recht auf Gedanken-, Gewissens- und Religionsfreiheit zuspricht, sie die Freiheit, seine Religion oder Weltanschauung (…) durch Gottesdienst, Unterricht, Bräuche und Riten zu bekennen“ garantierte und die „Schüler der Europaschulen laut Satzung ein Anrecht auf Religionsunterricht in ihrer Muttersprache haben.“

    Mit den geplanten Kürzungen beim Religionsunterricht an den eigenen Schulen, „macht Europa klar, was ihm christliche Werte bedeuten – nämlich nahezu nichts“, meint der Europaparlamentarier, für den die geplanten Kürzungen ein neues, „trauriges Kapitel antichristlicher Tendenzen in den EU-Institutionen“ darstellen.

    Europas Wertefundament ist christlich

    Nachdem 2004 der Italiener Rocco-Buttiglione als designierter EU-Justizkommissar am Europäischen Parlament gescheitert war, drohte im vergangenen Jahr dem Malteser Antonio Borg ein ähnliches Schicksal. Borg war als Nachfolger des zurückgetretenen EU-Gesundheitskommissars John Dalli auserkoren worden. Linke und Laizisten suchten Borg, der in der Vergangenheit christliche Positionen vertreten hatte, daraufhin ebenso wie Buttiglione zu verhindern. Frankreich und Griechenland suchten 2012 zu verhindern, dass die Slowakei eine zwei Euro-Münze prägte, auf denen die Patrone Europas Kyrill und Method mit Heiligenschein zu sehen sein sollten.

    Kastler will im Gespräch mit dieser Zeitung nicht so weit gehen, hinter all diesen Fällen einen Zusammenhang zu sehen. Man solle nichts konstruieren. Doch fordert er klar: „Europas Wertefundament ist christlich – das muss auch in den Europaschulen gelehrt werden dürfen. Und wenn das auf eigens interkulturelle Verständigung ausgelegte ,Europäische Abitur‘ wirklich ein Vorzeigemodell für Europa sein soll, dann brauchen Wertevermittlung und soziales Lernen im Religionsunterricht ihren festen Platz im Lehrplan. Wenn Europa es wirklich ernst meint mit einem erhöhten Wertebewusstsein junger Menschen, dann muss es mit gutem Beispiel vorangehen und gerade in dieser Krise die Angebote des Religions- und Ethikunterrichts im Europäischen Lehrplan erhöhen – statt wild zu kürzen“, so Kastler.