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    Bodenoffensive im Gaza-Streifen

    Jerusalem (DT) Die Lage in Nahost steht vor einer weiteren Eskalation. Nachdem Israels Premierminister Benjamin Netanjahu am Donnerstagabend eine „begrenzte“ Bodenoffensive in den Gaza-Streifen befohlen hatte, schloss das Sicherheitskabinett am Freitagmorgen eine Ausweitung der Operation nicht mehr aus. „Wir haben die israelischen Streitkräfte angewiesen, sich auf die Möglichkeit einer ernsthaften Ausweitung der Bodenaktivitäten einzustellen“, so Netanjahu am Freitag. Ziel der Operation sei es, die Infrastruktur der Hamas weitestmöglich auszuschalten und die Ruhe wiederherzustellen. Am Donnerstag drangen ab etwa 23 Uhr Soldaten von der Land- wie der Seeseite in das Gebiet ein.

    Ein neunjähriger Palästinenser aus Shuja'iyya im Gaza-Streifen hält seine eineinhalbjährige Schwester, die von Granatspl... Foto: dpa

    Jerusalem (DT) Die Lage in Nahost steht vor einer weiteren Eskalation. Nachdem Israels Premierminister Benjamin Netanjahu am Donnerstagabend eine „begrenzte“ Bodenoffensive in den Gaza-Streifen befohlen hatte, schloss das Sicherheitskabinett am Freitagmorgen eine Ausweitung der Operation nicht mehr aus. „Wir haben die israelischen Streitkräfte angewiesen, sich auf die Möglichkeit einer ernsthaften Ausweitung der Bodenaktivitäten einzustellen“, so Netanjahu am Freitag. Ziel der Operation sei es, die Infrastruktur der Hamas weitestmöglich auszuschalten und die Ruhe wiederherzustellen. Am Donnerstag drangen ab etwa 23 Uhr Soldaten von der Land- wie der Seeseite in das Gebiet ein.

    Schwerer Beschuss aus der Luft und Artilleriefeuer begleitete den Einmarsch. Dabei starb ein israelischer Soldat. Bei dem Tod des 20-Jährigen handelt es sich um das erste militärische Opfer auf israelischer Seite seit Beginn der Operation „Schutzrand“ zu Beginn vergangener Woche. Auf palästinensischer Seite kamen beim den Einmarsch begleitenden Bombardement mehr als 20 Personen ums Leben. Insgesamt stieg die Zahl palästinensischer Opfer auf über 260, so das palästinensische Gesundheitsministerium am Freitag. Der Großteil der Opfer sind Zivilisten. Die Zahl der Verletzten wird auf über 2 000 geschätzt. Bei der Bodenoffensive handelt es sich um den ersten Einsatz größerer israelischer Einheiten seit der Operation „Gegossenes Blei“, die Israel Ende 2008 durchführte.

    Der Einmarsch war nach dem Scheitern einer von Ägypten vermittelten Waffenruhe befohlen worden. Israel hatte dem Vorschlag aus Kairo am Dienstag zugestimmt. Die Hamas lehnte den ägyptischen Vorstoß hingegen ab, weil sie nach eigenen Angaben von Kairo nicht konsultiert und ihre Forderungen für einen Waffenstillstand nicht in Betracht gezogen worden seien. Die Hamas forderte ein Ende der Blockade des Gebiets und die Freilassung in Israel einsitzender Gefangener. Den unmittelbaren Auslöser für die Offensive hatte der Versuch von 13 Hamas-Kämpfern gegeben, die am Donnerstagmorgen schwer bewaffnet über einen unter der Grenze zwischen Gaza und Israel verlaufenden Tunnel nach Israel eingedrungen waren. Sie wurden unmittelbar nach ihrem Auftauchen auf israelischer Seite von Israels Armee entdeckt. In seiner Erklärung zur Bodenoffensive bezog sich Netanjahu ausdrücklich auf die Zerstörung der Hamas-Tunnel, deren Zahl nach israelischen Schätzungen im zweistelligen Bereich liegen soll. „Diese Tunnel machen der israelischen Bevölkerung mehr Angst als die Raketen“, sagte Uri Rosset, Hamas-Experte vom israelischen Sapir-College nahe dem Gazastreifen, dieser Zeitung am Freitag. „Netanjahu war spätestens da gezwungen zu handeln.“ Der Premierminister war aus den Reihen der eigenen Partei für seine Zurückhaltung gegenüber der Option einer Bodenoffensive kritisiert worden. Der stellvertretende Verteidigungsminister Danny Danon war am Mittwoch von Netanjahu gar entlassen worden, nachdem er ihm in Medien in scharfer Form vorgeworfen hatte, zu sehr von der israelischen Linken beeinflusst zu sein. Außenminister Avigdor Lieberman und Wirtschaftsminister Naftali Bennett hatten mehrmals öffentlich auf eine Wiederbesetzung des 2005 von Israel geräumten Gaza-Streifens gedrängt. Beobachter gehen davon aus, dass Netanjahu trotz der Ankündigung einer Ausweitung eine begrenzte Operation wünscht.

    Die Hamas zeigte sich vom israelischen Vorgehen unbeeindruckt und ließ ausrichten, Israel werde diesen Schritt noch bereuen. „Es ist nicht ganz klar, was die Hamas derzeit erreichen will“, so Rosset. „Sie konnten die letzten Wochen über den großen Coup nicht landen. Weder ist ihnen durch den Raketenbeschuss ein spektakulärer Schlag gegen Israel gelungen noch sind ihre Terroraktionen geglückt“, so der Experte. „Die Entführung oder Tötung wäre so ein Propagandaerfolg gewesen. Möglicherweise verspricht sich die militärische Führung jetzt von einem Nahkampf viele tote israelische Soldaten. Das ist nicht auszuschließen, wenn sie auch mit massiven eigenen Verlusten rechnen muss. Die Logik der Hamas ist keine konventionelle.“

    Papst Franziskus versicherte Israels Präsident Schimon Peres am Freitag in einem Telefongespräch seiner Anteilnahme. Einer Mitteilung des israelischen Präsidialamtes zufolge sagte der Heilige Vater zu Peres: „Ich bete für eine schnelle Lösung und eine politische Lösung.“ Trotz Fanatismus und unschuldig Leidender müsse man auf dem Weg des Gebets für den Frieden fortfahren, so der Papst. Franziskus hatte sich am Donnerstag in einem Brief an den Pfarrer von Gaza gewandt: „Ich bin bei euch, den Ordensschwestern und der ganzen katholischen Gemeinde, begleite euch mit meinem Gebet und meiner Nähe.“