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    „Bitte helft uns!“

    Auch für dieses Jahr hat das Auswärtige Amt in Berlin eine ernste Reisewarnung für Mali ausgesprochen. Große Landesteile stehen nicht unter Kontrolle malischer Sicherheitskräfte. Vielerorts kommt es zu Kampfhandlungen. Das Risiko, Opfer von Entführungen oder anderen Gewaltverbrechen zu werden, ist groß. In Gebieten, in denen dschihadistische Gruppen aktiv sind, werden vor allem Menschen aus dem Westen als Geiseln genommen, um Gesinnungsgenossen freizupressen oder um durch hohe Lösegeldzahlungen die eigene Organisation zu finanzieren. Der Menschenhandel mit Geiseln ist der lukrativste Wirtschaftszweig der Region.

    Auch für dieses Jahr hat das Auswärtige Amt in Berlin eine ernste Reisewarnung für Mali ausgesprochen. Große Landesteile stehen nicht unter Kontrolle malischer Sicherheitskräfte. Vielerorts kommt es zu Kampfhandlungen. Das Risiko, Opfer von Entführungen oder anderen Gewaltverbrechen zu werden, ist groß. In Gebieten, in denen dschihadistische Gruppen aktiv sind, werden vor allem Menschen aus dem Westen als Geiseln genommen, um Gesinnungsgenossen freizupressen oder um durch hohe Lösegeldzahlungen die eigene Organisation zu finanzieren. Der Menschenhandel mit Geiseln ist der lukrativste Wirtschaftszweig der Region.

    Der Ort Karangasso, 300 Kilometer entfernt von der Hauptstadt Bamako, befindet sich im Südwesten Malis, eigentlich weit entfernt von den Einflussgebieten radikal-islamischer Gruppen wie Al Kaida, die im Norden wüten. Karangasso zählt etwa 3 000 Einwohner und ist Zentrum einer mehrere Dörfer umfassenden Pfarrei mit 12 320 Einwohnern. Vor einigen Jahren wurden die Missionsfranziskanerinnen von Maria Immakulata aus dem im St. Galler Rheintal gelegenen Oberriet um Mithilfe in Karangasso – vor allem in der Krankenstation – gebeten. Sie sagten zu, lernten Französisch und reisten in ein für sie völlig fremdartiges Land. Die Missionsfranziskanerinnen hatten in Karangasso vor einigen Jahren von einer anderen Gemeinschaft ein Kloster übernommen, das Nachwuchsprobleme hatte. Unter der Führung der Schwestern wurden 700 Frauen alphabetisiert, zudem gründeten die Missionsschwestern ein Waisenhaus sowie eine Praxis für Schwangere. Außerdem halfen sie bei medizinischen Problemen.

    Leitende Schwester dieses Projekts war Gloria Cecilia Narváez Argoti. Glücklich berichtet sie in der Zeitschrift „WeltWeit“, einer Zeitschrift für Mission, Entwicklung und Kultur: „Während der Jahre 2011 und 2012 konnten wir in 16 Zentren 589 Frauen unterrichten. Sie können bereits kleine Texte lesen, ihren Namen und Worte schreiben sowie die Unterschrift geben. Sie lernten die Zahlen bis 100 und können Summen zusammenzählen. Die nächsten Schritte sind das Dividieren und Multiplizieren. Die Frauen mussten um drei Uhr früh aufstehen, um Essen für die Familie vorzubereiten, damit sie zwischen neun Uhr morgens und 14 Uhr nachmittags die Kurse besuchen konnten. Da hatten sie meistens ihre Babys und Kleinkinder mit dabei. Zudem gab es in den Nachmittagsstunden Näh- und Kochkurse, welche die Frauen wenn immer möglich auch besuchten.“ Schwester Gloria Cecilia Narváez Argoti stammt aus Kolumbien, lebte von 2002 bis 2004 in Oberriet, wo im Franziskusheim heute acht Ordensschwestern leben, und war seit zwölf Jahren in Mali stationiert. In der Nacht zum 7. Februar wurde sie von bewaffneten Männern entführt. „Vier Männer einer dschihadistischen Gruppe betraten am Abend das Ordenshaus in Mali, verlangten nach Geld und packten die vier Computer ein. Zudem nahmen sie die Pässe und den Krankentransportwagen an sich“, berichteten die Missionsschwestern dem „Rheintaler Boten“. Die Entführer wollten zudem eine der vier Missionsschwestern mitnehmen, weshalb sich Gloria Cecilila stattdessen anbot und mit den Männern mitging. „Wir wissen nicht, ob Schwester Gloria noch lebt, ob sie verkauft wurde oder etwa nach Burkina Faso verschleppt wurde“, sagte die Oberin des Franziskusheims in Oberriet, Schwester Martha Eugenia der „Tagespost“. Die Entführer hätten den Auftrag gehabt, alle vier Ordensfrauen zu töten. Inzwischen ist nach den Worten von Schwester Martha Eugenia die Provinzoberin nach Benin gereist, wo es zwei Häuser der Missionsfranziskanerinnen gebe, um sich von dort für die Freilassung der Entführten einzusetzen. Das Kloster in Mali müsse man wegen der Gefährdungslage aufgeben.

    Mehrfach haben die Bischöfe Malis sich für die Freilassung der Entführten eingesetzt. „Die Bischöfe suchen nach weiteren möglichen Wegen, damit Schwester Gloria Cecilia freikommt“, erklärte der Generalsekretär der Bischofskonferenz, Pfarrer Edmond Dembele, dem Nachrichtendienst „Fides“. Über Appelle in den Medien versuche man in Kontakt mit den Entführern zu gelangen. Über die Motive der Entführer sei offiziell nichts bekannt, betonte der Geistliche. „Entweder handelt es sich um Banditen aus der Region, die es auf eine Ordensfrau abgesehen hatten, weil sie glaubten, ein Lösegeld zu bekommen und nun nicht wissen, wie sie mit der Situation umgehen sollen. Andere vertreten hingen die Ansicht, dass es sich auch um Dschihadisten handeln könnte, die sich still verhalten, bis die Lage sich wieder beruhigt hat. Doch solange es keinen Kontakt gibt, wissen wir nicht, wer die Entführer sind“. Unterdessen ist, wie auch Oberin Schwester Martha Eugenia dieser Zeitung bestätigt, eine Sondereinheit der kolumbianischen Polizei den Behörden in Mali bei der Suche nach der entführten Ordensschwester behilflich. Die Sondereinheit soll auf die Suche nach Entführten spezialisiert sein.

    „Zum Glück liegt Karangasso im Süden. Trotzdem bekommen die Menschen die Auswirkungen zu spüren. Es herrscht eine große Hungersnot, welche durch Ernteausfall noch verstärkt wurde. Wie immer trifft es wieder die Ärmsten der Armen. Kinder sterben förmlich, weil sie verhungern,“ schrieb Schwester Gloria in der Zeitschrift „WeltWeit“. Ihr Bericht endet mit dem Appell: „Bitte helft uns!“. Jetzt braucht sie selbst Hilfe. Die Missionsfranziskanerinnen beten seit der Entführung von Oberin Gloria Cecilia weltweit für ihre Befreiung. Sie haben eine 24-Stunden-Gebetskette eingerichtet. Mehr als beten können sie nicht.