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    Bischof kritisiert Politik Merkels

    Erfurt (DT/KNA) Der Erfurter Bischof Ulrich Neymeyr bewertet die Grenzöffnung für Flüchtlinge durch Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) im Nachhinein auch als problematisch. „Aus heutiger Perspektive ist das nicht richtig, weil es Menschen dazu motiviert, sich jetzt erst recht auf den Weg zu machen“, sagte Neymeyr der „Thüringer Landeszeitung“ (Donnerstag). Den Balkanstaaten oder afrikanischen Staaten gehe dadurch eine „junge, agile Generation verloren“, die helfen könne, in ihren jeweiligen Heimatländern die Situation zu verändern. Zugleich betonte Neymeyr: „Aber wenn es so viele Asylbewerber gibt, denen zu Hause Gefahr für Leib und Leben droht, dann müssen wir sie bei uns aufnehmen, und wir müssen Möglichkeiten finden, damit fertigzuwerden.“ Der katholische Bischof warnte in diesem Zusammenhang vor zu hohen sicherheitspolitischen Forderungen: „Ich kann verstehen, dass es Sicherheitsbedenken gibt, wenn Flüchtlinge unregistriert ins Land kommen. Aber wir dürfen das auch nicht überdramatisieren.“ In Deutschland hätten sich „schon immer illegale Ausländer aufgehalten, und die stellten auch kein riesiges Sicherheitsproblem dar“. Neymeyr bedauerte, dass es unter den katholischen Bischöfen „keine europäische Einmütigkeit“ in der Flüchtlingsfrage gebe. „Wir diskutieren und streiten darüber, kommen aber nicht auf einen Nenner“, sagte der Erfurter Oberhirte mit Blick auf die restriktive polnische Flüchtlingspolitik, die von der dortigen katholischen Kirche mitgetragen wird. Im Interview äußerte sich der Bischof auch zur AfD. Trotz ausländerfeindlichen Äußerungen hält er sie für keine rechtsextreme Partei. „Was ich an den Kundgebungen der AfD auszusetzen habe, ist, dass Flüchtlinge da ausschließlich als Problem gesehen werden und nicht als hilfsbedürftige Menschen“, sagte Neymeyr. Während der AfD-Kundgebungen auf dem Erfurter Domplatz ließ er deshalb als Zeichen des Protestes die Beleuchtung von Mariendom und Severikirche abschalten. Neymeyr wandte sich dagegen, die Teilnehmer der AfD-Demonstrationen generell als rechtsradikal einzustufen. Das wisse er aus „vielen Zuschriften“. Viele Menschen hätten zu Unrecht den Eindruck, nur auf AfD-Kundgebungen könne Kritik an der Flüchtlingspolitik geäußert werden.

    Erfurt (DT/KNA) Der Erfurter Bischof Ulrich Neymeyr bewertet die Grenzöffnung für Flüchtlinge durch Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) im Nachhinein auch als problematisch. „Aus heutiger Perspektive ist das nicht richtig, weil es Menschen dazu motiviert, sich jetzt erst recht auf den Weg zu machen“, sagte Neymeyr der „Thüringer Landeszeitung“ (Donnerstag). Den Balkanstaaten oder afrikanischen Staaten gehe dadurch eine „junge, agile Generation verloren“, die helfen könne, in ihren jeweiligen Heimatländern die Situation zu verändern. Zugleich betonte Neymeyr: „Aber wenn es so viele Asylbewerber gibt, denen zu Hause Gefahr für Leib und Leben droht, dann müssen wir sie bei uns aufnehmen, und wir müssen Möglichkeiten finden, damit fertigzuwerden.“ Der katholische Bischof warnte in diesem Zusammenhang vor zu hohen sicherheitspolitischen Forderungen: „Ich kann verstehen, dass es Sicherheitsbedenken gibt, wenn Flüchtlinge unregistriert ins Land kommen. Aber wir dürfen das auch nicht überdramatisieren.“ In Deutschland hätten sich „schon immer illegale Ausländer aufgehalten, und die stellten auch kein riesiges Sicherheitsproblem dar“. Neymeyr bedauerte, dass es unter den katholischen Bischöfen „keine europäische Einmütigkeit“ in der Flüchtlingsfrage gebe. „Wir diskutieren und streiten darüber, kommen aber nicht auf einen Nenner“, sagte der Erfurter Oberhirte mit Blick auf die restriktive polnische Flüchtlingspolitik, die von der dortigen katholischen Kirche mitgetragen wird. Im Interview äußerte sich der Bischof auch zur AfD. Trotz ausländerfeindlichen Äußerungen hält er sie für keine rechtsextreme Partei. „Was ich an den Kundgebungen der AfD auszusetzen habe, ist, dass Flüchtlinge da ausschließlich als Problem gesehen werden und nicht als hilfsbedürftige Menschen“, sagte Neymeyr. Während der AfD-Kundgebungen auf dem Erfurter Domplatz ließ er deshalb als Zeichen des Protestes die Beleuchtung von Mariendom und Severikirche abschalten. Neymeyr wandte sich dagegen, die Teilnehmer der AfD-Demonstrationen generell als rechtsradikal einzustufen. Das wisse er aus „vielen Zuschriften“. Viele Menschen hätten zu Unrecht den Eindruck, nur auf AfD-Kundgebungen könne Kritik an der Flüchtlingspolitik geäußert werden.