• aktualisiert:

    Benedikt: Amerikaner Volk der Hoffnung

    Washington (DT/KNA) Die Skandale um den sexuellen Missbrauch waren das beherrschende Thema zu Beginn der Reise von Papst Benedikt XVI. in die Vereinigten Staaten. „Keines meiner Worte kann den Schmerz und das Leid beschreiben, das solcher Missbrauch zufügt“, sagte das Kirchenoberhaupt am Donnerstag (Ortszeit) beim ersten großen Gottesdienst seiner Reise im „Nationals Stadium“ in Washington. Unbeschreiblich sei auch der Schaden innerhalb der Kirche. Positiv vermerkte der Papst Fortschritte im Umgang mit der „tragischen Situation“ und zum Schutz der Kinder. Bereits am Vorabend hatte Benedikt in der Basilika des National Shrine erneut „tiefe Scham“ über die Vorfälle bekundet und vor rund 350 US-Bischöfen ihr zum Teil schwaches Krisenmanagement gerügt.

    Washington (DT/KNA) Die Skandale um den sexuellen Missbrauch waren das beherrschende Thema zu Beginn der Reise von Papst Benedikt XVI. in die Vereinigten Staaten. „Keines meiner Worte kann den Schmerz und das Leid beschreiben, das solcher Missbrauch zufügt“, sagte das Kirchenoberhaupt am Donnerstag (Ortszeit) beim ersten großen Gottesdienst seiner Reise im „Nationals Stadium“ in Washington. Unbeschreiblich sei auch der Schaden innerhalb der Kirche. Positiv vermerkte der Papst Fortschritte im Umgang mit der „tragischen Situation“ und zum Schutz der Kinder. Bereits am Vorabend hatte Benedikt in der Basilika des National Shrine erneut „tiefe Scham“ über die Vorfälle bekundet und vor rund 350 US-Bischöfen ihr zum Teil schwaches Krisenmanagement gerügt.

    Am Donnerstagnachmittag traf der Heilige Vater mit einer Gruppe von Opfern sexuellen Missbrauchs zusammen. Die Begegnung habe in der Kapelle der Nuntiatur stattgefunden, heißt es in einem Vatikan-Kommunique. Der Papst habe mit den Besuchern gebetet, ihren persönlichen Schilderungen zugehört und Worte der Ermutigung und der Hoffnung an sie gerichtet. Er habe ihnen versichert, für sie und für alle Missbrauchsopfer und deren Familien zu beten. Opferorganisationen hatten in den vergangenen Wochen wiederholt ein Treffen mit dem Papst gefordert.

    In seiner Predigt im Nationals Stadium ging Benedikt XVI. auch auf die Situation der katholischen Kirche in den Vereinigten Staaten insgesamt ein. Er würdigte die Rolle der Einwanderer und dankte den spanischsprachigen Katholiken in deren Muttersprache für ihr Zeugnis. In dem Baseballstadion waren 46 000 Menschen versammelt. 250 Bischöfe, 14 Kardinäle und 1 300 Priester nahmen an der Messe teil.

    Benedikt XVI. nannte die Amerikaner ein Volk der Hoffnung. Zugleich erinnerte er an Ungerechtigkeiten, die die Ureinwohner und die ins Land gebrachten afrikanischen Sklaven hätten ertragen müssen. Die Gegenwart beschrieb der Papst als eine Zeit großer Verheißungen. Es gebe aber auch Zeichen für einen Zusammenbruch der gesellschaftlichen Fundamente: Zorn, wachsende Gewalt, ein schwindendes moralisches Bewusstsein, eine Verrohung sozialer Beziehungen und eine wachsende Gottvergessenheit. Hoffnung auf die Zukunft sei aber ein Teil des amerikanischen Wesens.

    Der Papst war begeistert begrüßt worden, als er im Papamobil in das nagelneue Stadion des Washingtoner Traditionsclubs „Nationals“ einfuhr. Die Messe war für ihn das erste Bad in der Menge, und er freute sich sichtlich über die herzliche Aufnahme. Für viele war es aufgrund der scharfen Sicherheitsvorkehrungen die erste und einzige Gelegenheit, das Kirchenoberhaupt live zu erleben. Die Zugangskarten waren mehrfach überzeichnet.

    Ein Dutzend Chöre mit 570 Sängern gestaltete die Messe multikulturell und in unterschiedlichsten Stilrichtungen: Traditionelle Osterlieder folgten auf Spirituals oder auf von Flöten und Trommeln begleiteten Gregorianischen Choral. Applaus und einen Händedruck des Papstes erhielt der Tenor Placido Domingo, als er nach dem Kommuniongang das „Panis angelicus“ sang. Der Gottesdienst von Washington war auch eine Jubiläumsmesse: Vor genau 200 Jahren wurden im Nordosten des Landes die ersten Kirchenstrukturen aufgebaut.

    Gestern Nachmittag hielt der Heilige Vater seine mit Spannung erwartete Rede am Sitz der Vereinten Nationen in New York (ausführliche Berichterstattung folgt).