• aktualisiert:

    Balkan-Route nur mehr für Kriegsflüchtlinge

    Graz/Maribor (DT/sb/dpa) Die Ankündigung Sloweniens, „Wirtschaftsflüchtlinge“ künftig nicht mehr ins Land lassen zu wollen, sondern nach Kroatien zurückzuschicken, hat auf der sogenannten „Westbalkan-Route“ eine Kettenreaktion ausgelöst. Kroatien, Serbien und Mazedonien verstehen sich als Transitländer, die den Flüchtlingsstrom auf dem Weg nach Deutschland humanitär durch ihr Land begleiten. Sie folgten darum jetzt der slowenischen Entscheidung.

    Graz/Maribor (DT/sb/dpa) Die Ankündigung Sloweniens, „Wirtschaftsflüchtlinge“ künftig nicht mehr ins Land lassen zu wollen, sondern nach Kroatien zurückzuschicken, hat auf der sogenannten „Westbalkan-Route“ eine Kettenreaktion ausgelöst. Kroatien, Serbien und Mazedonien verstehen sich als Transitländer, die den Flüchtlingsstrom auf dem Weg nach Deutschland humanitär durch ihr Land begleiten. Sie folgten darum jetzt der slowenischen Entscheidung.

    Slowenien schiebt als erste Maßnahme 160 Marokkaner nach Kroatien ab, wie der slowenische Innenstaatssekretär Bostjan Sefic am Donnerstag erklärte. Seit den Anschlägen von Paris werden die in Slowenien ankommenden Flüchtlinge einer verschärften Sicherheitsüberprüfung unterzogen. Nach Regierungsangaben hat Slowenien bereits 40 Kilometer seiner Grenze zu Kroatien mit „physischen Barrieren“ gesichert. Das Flüchtlingshochkommissariat der Vereinten Nationen (UNHCR) gab am Donnerstag bekannt, dass Mazedonien und Serbien bereits Flüchtlinge zurückwiesen, die nicht aus Syrien, dem Irak oder Afghanistan kommen. Der Flüchtlingsbeauftragte der serbischen Regierung, Arbeits- und Sozialminister Aleksandar Vulin, sagte: „Wir werden niemanden nach Serbien lassen, der seine Reise nicht fortsetzen kann.“ Wirtschaftsmigranten, die nicht aus Kriegsgebieten kommen, dürften die Grenze Mazedoniens zu Serbien nicht mehr passieren. Lediglich Flüchtlinge aus Syrien, dem Irak und Afghanistan dürften weiter einreisen, so Vulin am Donnerstag.

    Dieselbe Linie verkündete für die kroatische Regierung am Donnerstag Innenminister Ranko Ostojic. Er sagte: „Wir wollen der Gefahr einer möglichen Abschiebungswelle von Wirtschaftsflüchtlingen vorbeugen. Wir können nicht zulassen, dass Kroatien von ihnen überflutet wird.“ Serbiens Behörden verweigerten laut UNHCR etwa 400 Flüchtlingen die Einreise. Zurückgewiesen wurden offenbar Flüchtlinge aus Algerien, Tunesien, Marokko, Bangladesch, Pakistan und Somalia. Das ist eine unmittelbare Folge der neuen Politik Sloweniens, nur mehr Flüchtlinge aus Ländern, in denen es bewaffnete Auseinandersetzungen gibt, ins Land zu lassen und nach Österreich zu leiten. Nach UNHCR-Informationen sitzen nun immer mehr Flüchtlinge im Niemandsland zwischen Griechenland und Mazedonien fest. Bei der Grenzstadt Gevgelija haben die mazedonischen Behörden am Donnerstag einen Zaun von mehreren Kilometern errichtet.

    Nach den Terroranschlägen in Paris hat Rumänien die Kontrollen an seiner Westgrenze verstärkt. Dies teilte die rumänische Grenzpolizei am Freitag mit. Ziel der ausführlicheren Überprüfung der Reisenden an der Grenze zu Ungarn sei es, zu verhindern, dass „Personen aus Konfliktgebieten“ die Grenze passieren, deren Aktivitäten „eine Gefahr für die innere und äußere Sicherheit“ darstellen könnten. Die vorübergehend geplanten Kontrollen würden sowohl die aus Ungarn Einreisenden als auch die Ausreisenden betreffen, hieß es.

    Unterdessen hält der Flüchtlingszustrom von den griechischen Inseln der Ostägäis zum griechischen Festland an. Fähren brachten auch am Donnerstag und Freitag tausende Flüchtlinge zum Hafen von Piräus. Das teilte die griechische Küstenwache mit. Die meisten wollten nach West- und Nordeuropa weiterreisen. Griechische Medien berichteten, dass in den vergangenen drei Tagen etwa 17 000 Migranten die griechisch-mazedonische Grenze erreicht hätten, während an der mazedonischen Seite bereits die ersten Bauarbeiten für einen Grenzzaun begonnen haben.