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    Aus für einen Hoffnungsträger

    Die Abtei Mariawald schließt: Das „heilige Experiment“ der Tradition bei den Trappisten ist gescheitert. Von Regina Einig

    Nördlich der Alpen kämpfen so viele Klöster ums Überleben, dass die Krisensymptome einer einzelnen Abtei nicht weiter auffallen. Dass die Trappisten von Mariawald auf Beschluss der römischen Religiosenkongregation ihre Pforten nun wegen Nachwuchsmangel schließen müssen, ist nicht nur für die Region ein immenser Verlust. Mariawald war mehr als einer von vielen überalterten Konventen in Deutschland: Die Mönche waren Hoffnungsträger, seitdem Abt Josef Vollberg mit Erlaubnis Benedikts XVI. 2008 ein „heiliges Experiment“ wagte und den überlieferten römischen Ritus sowie die vorkonziliare Trappistenregel wieder einführte. Die Hoffnung, traditionsverbundene junge Männer mit Interesse am Ordensberuf davon abzuhalten, ins Ausland zu gehen, schien begründet. Auch die Eintrittszahlen französischer Traditionalistenklöster beflügelten die Erwartungen.

    Auf der Dozentenliste des Mariawalder Hausstudiums standen bald vielversprechendere Namen als auf den Internetseiten katholisch-theologischer Fakultäten in Deutschland. Der Päpstliche Kommissar Abt Bernardus Peeters OCSO, der Mariawald im Auftrag der Religiosenkongregation schließen soll, hob hervor, dass viel dafür getan worden sei, die Gemeinschaft neu zu beleben. Die Einführung des außergewöhnlichen Ritus sei ein guter Versuch gewesen, das Kloster zu revitalisieren, wenn auch ohne den gewünschten Erfolg. Ein derzeit zehnköpfiger Konvent mit einem Durchschnittsalter von 84 Jahren lässt wenig Spielraum für Zukunftspläne. Die Mönche sollen in andere Abteien oder in ein Seniorenheim umziehen. Erste Alarmzeichen gab es 2016, als Abt Josef Vollberg ins Amt des Priors wechselte und ein neuer Abt eingesetzt wurde. Gescheitert ist das Experiment der Tradition in Mariawald nicht zuletzt an der fehlenden inneren Geschlossenheit der Mönche. Eine hohe Fluktuation im Noviziat und negative Erfahrungen von Bewerbern im gespaltenen Konvent blieben nicht hinter Klausurmauern verborgen. Allein die strenge Disziplin filterte Interessenten in Mariawald auf überschaubare Zahlen: Liebe zur traditionellen Liturgie, gepaart mit einer monastischen Berufung bedeuten noch nicht, dass jemand der vorkonziliaren Lebensweise der Trappisten lebenslang gewachsen ist.

    Dass die Tradition der Tradition in Mariawald keine Überlebenshilfe leisten konnte, hat mehrere Ursachen. Darum ist Vorsicht geboten mit einseitigen Schuldzuweisungen an die Religiosenkongregation, mit denen enttäuschte Traditionalisten ihrer Frustration nun Luft machen. Der Glanz französischer Klöster wie Le Barroux oder Fontgombault war in Mariawald ohnehin nie zu erwarten: Tradition funktioniert in Frankreich milieugebunden: Es sind überwiegend Sprößlinge einer spirituell eng zusammengeschweißten gesellschaftlichen Schicht, die sich nach Pfadfinderlager und Privatschule im geistlichen Stand wiedersehen. Man suche in Deutschland erst einmal die dazu gehörenden Familien, die unter großen persönlichen Opfern sechs bis acht Kinder im Glauben erziehen und es als Ehre betrachten, einen der ihren im Kloster zu wissen. Ein vergleichbares Milieu existiert hierzulande nicht. Daher sind auch die Erfolgskriterien französischer Traditionalistenklöster nicht übertragbar. Dass es in Mariawald nicht gelang, den Konvent vom Sinn des heiligen Experiments zu überzeugen, wiegt gerade im familiär-geschlossenen Kreis eines Klausurklosters schwer. Nicht jeder, der gern Traditionalist sein will, weiß schon, wie das geht. Der monastischen Tradition wäre kaum damit gedient gewesen, die pädagogischen Sünden der nachkonziliaren Ära nun seitenverkehrt zu begehen, indem man vertraute Formen abschafft und im Pochen auf den gelobten Gehorsam andere durchsetzt.