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    Assad ertränkt Proteste in Blut

    Damaskus/Riad/Kairo (DT/dpa/KNA) Der internationale Druck auf das Regime des syrischen Präsidenten Baschar al-Assad wird stärker. Nach UN-Generalsekretär Ban Ki Moon, Papst Benedikt XVI. und führenden westlichen Politikern hat nun auch der saudische König Abdullah zu raschen und radikalen Reformen in Syrien aufgerufen. „Die Todesmaschinerie und das Blutvergießen müssen gestoppt werden“, verlangte Abdullah in einer vom staatlichen Fernsehen übertragenen Rede am Sonntagabend.

    Assads Schergen reagieren weiter mit brutaler Härte gegen Demonstranten. Foto: dpa

    Damaskus/Riad/Kairo (DT/dpa/KNA) Der internationale Druck auf das Regime des syrischen Präsidenten Baschar al-Assad wird stärker. Nach UN-Generalsekretär Ban Ki Moon, Papst Benedikt XVI. und führenden westlichen Politikern hat nun auch der saudische König Abdullah zu raschen und radikalen Reformen in Syrien aufgerufen. „Die Todesmaschinerie und das Blutvergießen müssen gestoppt werden“, verlangte Abdullah in einer vom staatlichen Fernsehen übertragenen Rede am Sonntagabend.

    „Für Syriens Zukunft gibt es zwei Optionen: Weisheit oder Chaos“, mahnte Abdullah. Der Monarch kündigte an, den Botschafter seines Landes aus Damaskus zu Konsultationen einzuberufen. „Was in Syrien stattfindet, ist inakzeptabel“, sagte Abdullah.

    In den von der syrischen Armee überrannten Städten Deir al-Zor und Homs haben unterdessen massive Verhaftungswellen eingesetzt. Allein 1 500 Menschen seien im Wohnviertel Garagma in Homs von Geheimdienstbeamten oder Soldaten weggebracht worden, berichteten syrische Aktivisten am Montag. In der Regel würden die Truppen durch die Straßen ziehen und mit Lautsprechern die Namen der zu Verhaftenden ausrufen. Stellten diese sich nicht von selbst, werde ihr Haus oder ihre Wohnung vom Militär gestürmt.

    Die Sicherheitskräfte hatten am Wochenende in Syrien fast 100 Menschen getötet. Die Protesthochburgen Deir al-Zor im Nordosten und Homs im Zentrum des Landes hatten im Mittelpunkt der blutigen Militäraktionen gestanden.

    UN-Generalsekretär Ban und der Papst (siehe Seite 5) forderten in ähnlich lautenden Botschaften ein Ende des brutalen Vorgehens des Regimes gegen die eigene Bevölkerung. Ban konnte sich erstmals direkt an Assad wenden. In einem Telefonat, das nach mehreren Anläufen zustande kam, forderte er ihn auf, das gewaltsame Vorgehen der Sicherheitskräfte umgehend zu stoppen. Assad wiederum habe auf die vielen Toten unter den Sicherheitskräften verwiesen. Zuletzt hatte Assad den UN-Generalsekretär Mitte Juni abblitzen lassen, als Ban ihn ans Telefon zu bekommen versuchte. Auch die Golfstaaten riefen das arabische Bruderland Syrien dringend zu Reformen auf. Das Blutvergießen müsse enden und die Bestrebungen der Menschen müssten anerkannt werden, verlangte der Golf-Kooperationsrat (GCC) am Samstag in Riad. In der Organisation sind Saudi-Arabien, die Vereinigten Arabischen Emirate, Bahrain, Katar, Kuwait und Oman zusammengeschlossen.

    In Damaskus führten Männer in Zivil in der Nacht zum Sonntag den Oppositionsführer und Arzt Walid al-Bunni ab. Er sei zusammen mit seinen beiden Söhnen an einen unbekannten Ort verschleppt worden, teilten syrische Aktivisten im Libanon mit. Al-Bunni saß wegen seines Einsatzes für Menschenrechte schon mehrfach im Gefängnis.

    Angsichts der Lage in Sysrien hat die Bundesregierung Präsident Assad dringend zu einem Ende der Gewalt aufgefordert. „Sollte sich Präsident Assad fortwährend dem Dialog mit der syrischen Bevölkerung verweigern und weiterhin auf Gewaltanwendung setzen, so gibt er nach Ansicht der Bundesregierung seine Legitimation auf, die Geschicke seines Landes künftig weiter zu lenken“, sagte der stellvertretende Regierungssprecher Christoph Steegmans am Montag in Berlin. Kanzlerin Angela Merkel (CDU) „stellt mit zunehmender Sorge fest, dass die geschlossene Haltung und klare Sprache des Sicherheitsrats der Vereinten Nationen zu den Vorgängen in Syrien Präsident Assad zu keinerlei Änderung seiner Politik veranlasst hat“, ergänzte Steegmans.

    Der Vatikan und Kirchenvertreter in Syrien fürchten, dass sich die Spirale der Gewalt und die aufgebrachte Stimmung im Land gegen die Christen wenden und einen Keil in das bisher friedliche Zusammenleben der Religionen treiben könnte. Die christliche Minderheit spüre, dass sie sich auf Messers Schneide bewegt, berichtete der Apostolische Nuntius in Syrien, Erzbischof Mario Zenari, am Wochenende im Interview mit „Radio Vatikan“. Er beobachte eine zunehmende Sorge unter den Christen; „die Angst um ihre Zukunft nimmt von Monat zu Monat zu“. Syrien sei immer ein Modell des friedlichen Zusammenlebens verschiedener Religionen gewesen, hob Zenari hervor. Doch inzwischen spürten viele Christen, „dass diese Atmosphäre durch die jüngsten Ereignisse kippt“. Es wäre schrecklich, wenn der Dialog und die guten Beziehungen der Religionen beschädigt würden. Viele Syrer, darunter auch Christen, seien bereits vor der Gewalt in die Türkei und in den Libanon geflohen.

    Der Nuntius beklagte, dass er viele Christen im Land nicht mehr erreichen könne. Dies sei jedoch eine der wichtigsten Aufgaben eines päpstlichen Vertreters. Bis vor wenigen Monaten habe er die kleinen und im Land verstreuten Gemeinschaften noch besuchen können. Heute aber, so Zenari, „muss man vorsichtig sein, kann sich nicht mehr frei bewegen und einige Orte nicht mehr besuchen“. Der islamische Fastenmonat droht sich nach den Worten des Vatikan-Diplomaten in Syrien „mehr und mehr in einen blutigen Ramadan zu verwandeln“. Die Opposition, der überwiegend sunnitische Muslime angehören, hat weitere Demonstrationen gegen das Regime in Damaskus angekündigt. Ob und in welchem Ausmaß sich auch Christen an den Kundgebungen beteiligen, ist nicht bekannt. Wie zuvor bereits Papst Benedikt XVI. appellierte Zenari an alle Verantwortlichen im Land, das Blutergießen umgehend zu beenden. Seit Beginn der Proteste in Syrien haben die Sicherheitskräfte nach Angaben von Menschenrechtlern mindestens 1 600 Zivilisten getötet und mehr als 12 000 Regierungsgegner festgenommen.