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    Ansturm zur Amtseinführung

    Vatikanstadt (DT/sb/reg/KNA/KAP) Der Ansturm ist gewaltig. Hunderttausende wollen den neuen Papst Franziskus persönlich erleben. Zu seiner Amtseinführung an diesem Dienstag erwartet Rom 1,2 Millionen Menschen. Darunter zahlreiche Staatsoberhäupter und Regierungschefs. Laut Vatikansprecher Federico Lombardi werden 132 Delegationen anreisen. In einem Festgottesdienst am Dienstag um 9.30 Uhr auf dem Petersplatz erhält der Nachfolger von Benedikt XVI. die Insignien der päpstlichen Autorität, unter anderem das Pallium und den Fischerring. Franziskus wird als Papst sowohl den Wahlspruch als auch das Wappen beibehalten, die er bereits als Bischof führte. In der Mitte seines Wappenschildes ist das Symbol des Jesuitenordens zu sehen, darunter ein fünfzackiger Stern als Referenz an die Gottesmutter Maria sowie Trauben, die Lombardi mit dem heiligen Joseph in Verbindung brachte. An die Stelle des bisherigen Kardinalshutes tritt nun freilich eine Mitra, wie bei Benedikt XVI., sowie die Schlüssel als petrinisches Symbol. Seinen bischöflichen Wahlspruch wird Franziskus als Papst beibehalten: „Miserando atque eligendo“. Wie Lombardi am Montagnachmittag berichtete, traf Franziskus am Montagvormittag die Staatspräsidentin Argentiniens, Kirchner, zu einer rund 20-minütigen Unterredung sowie anschließend zum Mittagessen. Der Papst habe auch die gesamte argentinische Delegation begrüßt.

    Den Menschen nah: Heute wird Papst Franziskus offiziell in sein Amt eingeführt. Foto: KNA

    Vatikanstadt (DT/sb/reg/KNA/KAP) Der Ansturm ist gewaltig. Hunderttausende wollen den neuen Papst Franziskus persönlich erleben. Zu seiner Amtseinführung an diesem Dienstag erwartet Rom 1,2 Millionen Menschen. Darunter zahlreiche Staatsoberhäupter und Regierungschefs. Laut Vatikansprecher Federico Lombardi werden 132 Delegationen anreisen. In einem Festgottesdienst am Dienstag um 9.30 Uhr auf dem Petersplatz erhält der Nachfolger von Benedikt XVI. die Insignien der päpstlichen Autorität, unter anderem das Pallium und den Fischerring. Franziskus wird als Papst sowohl den Wahlspruch als auch das Wappen beibehalten, die er bereits als Bischof führte. In der Mitte seines Wappenschildes ist das Symbol des Jesuitenordens zu sehen, darunter ein fünfzackiger Stern als Referenz an die Gottesmutter Maria sowie Trauben, die Lombardi mit dem heiligen Joseph in Verbindung brachte. An die Stelle des bisherigen Kardinalshutes tritt nun freilich eine Mitra, wie bei Benedikt XVI., sowie die Schlüssel als petrinisches Symbol. Seinen bischöflichen Wahlspruch wird Franziskus als Papst beibehalten: „Miserando atque eligendo“. Wie Lombardi am Montagnachmittag berichtete, traf Franziskus am Montagvormittag die Staatspräsidentin Argentiniens, Kirchner, zu einer rund 20-minütigen Unterredung sowie anschließend zum Mittagessen. Der Papst habe auch die gesamte argentinische Delegation begrüßt.

    Amtseinführung ist symbolträchtige Feier

    Zur Amtseinführung gab Lombardi bekannt, dass der Papst vor den Feierlichkeiten durch die Menge fahren werde. Links vom Altar seien 250 Bischöfe und Erzbischöfe platziert, die nicht konzelebrieren werden, sowie Vertreter anderer christlicher Kirchen. Die Vertreter der Staaten nehmen auf der rechten Seite Platz. In den ersten Reihen seien die Repräsentanten des Judentums, des Islam und anderer Religionen sowie 1 200 Seminaristen vorgesehen. Lombardi rief in Erinnerung, dass die Amtseinführung symbolträchtig zwischen dem Grab und dem Ort der Hinrichtung des Apostels Petrus gefeiert werde.

    Am Beginn der Feierlichkeiten wird der Papst mit den Patriarchen der katholischen Kirchen des Orients, vier von ihnen sind auch Kardinäle, zum Grab des Heiligen Petrus hinuntersteigen. Dort seien das Pallium und der Fischerring postiert, welche dann in einer Prozession durch die Basilika getragen werden. Das Pallium Benedikts XVI., dessen fünf rote Kreuze an die Wundmale Jesu erinnern, wird dem Papst vom Kardinaldiakon, Jean-Louis Tauran, auf die Schultern gelegt. Der Dekan des Kardinalskollegiums, Angelo Sodano, überreicht Franziskus den Fischerring.

    Unterdessen herrscht in Rom auch großes mediales Interesse an der politischen Prominenz. Besonders an US-Vizepräsident Joe Biden, dem autokratischen Staatschef von Zimbabwe Robert Mugabe sowie der argentinischen Präsidentin Cristina Fernandez de Kirchner. Auch EU-Kommissionspräsident Jose Manuel Barroso und EU-Ratspräsident Herman Van Rompuy werden an der Amtseinführung teilnehmen.

    Deutschland wird von Bundeskanzlerin Angela Merkel, Bundestagspräsident Norbert Lammert und Bundesratspräsident Winfried Kretschmann vertreten. Ferner werden der für die Kirchen zuständige Bundesinnenminister Hans-Peter Friedrich sowie Bundeswirtschaftsminister Philipp Rösler an der Delegation teilnehmen. Bundespräsident Joachim Gauck hält sich an diesem Tag zu einem länger geplanten Staatsbesuch in Äthiopien auf. Aus Österreich kommen Bundespräsident Heinz Fischer, Bundeskanzler Werner Faymann sowie Vizekanzler Michael Spindelegger. Brasilien wird von Präsidentin Dilma Rousseff und Mexiko von Präsident Enrique Pena Nieto vertreten. Der französische Ministerpräsident Jean-Marc Ayrault reiste am Montag an und führte Gespräche mit römischen Politikern, ebenso wie US-Vize Biden, zu dessen Delegation auch die Sprecherin des Repräsentantenhauses Nancy Pelosi gehört.

    Auch mehrere europäische Herrscherhäuser haben bereits ihre Teilnahme bei der Messe auf dem Petersplatz angekündigt. Aus Großbritannien wird Thronfolger Prinz Charles erwartet, aus Spanien Königin Sofia und Thronfolger Prinz Filipe. Der belgische König Albert II. und Königin Paola nehmen ebenfalls an der Amtseinführung teil, begleitet von Ministerpräsident Elio Di Rupo.

    Auch rund 150 Vertreter aus dem Bereich der Ökumene sowie von Judentum und Islam werden an der Messe teilnehmen. Diese 150 „Delegati fraterni“ werden am Mittwoch gemeinsam in einer eigenen Audienz von Papst Franziskus begrüßt. Unter ihnen sind das Ehrenoberhaupt der Orthodoxie, Patriarch Bartholomaios I. von Konstantinopel, und das armenische Kirchenoberhaupt Katholikos Karekin II. Die übrigen christlichen Kirchen entsenden hochrangige Delegationen mit insgesamt 90 Persönlichkeiten. Das gilt auch für die Anglikanische Gemeinschaft; freilich wird deren neuer Primas Justin Welby nicht anwesend sein, da er selbst am Donnerstag in Canterbury in sein Amt eingeführt wird.

    Von jüdischer Seite wird zum feierlichen Amtsbeginn des Papstes eine 20-köpfige Delegation erwartet. Zu ihr gehören der römische Oberrabbiner Riccardo Di Segni sowie die Führung der jüdischen Gemeinden Roms und Italiens. Das israelische Großrabbinat wird durch dessen Generaldirektor Oded Wiener vertreten, das Internationale Jüdische Komitee für Interreligiöse Beratungen (IJCIC) durch seinen Präsidenten David Rosen. Zudem werden der Präsident des Jüdischen Weltkongresses, Ronald Lauder, und dessen stellvertretender Generalsekretär Maram Stern erwartet. Für die Anti-Defamation-Liga will deren Präsident Abraham Foxman teilnehmen. Zudem werden 30 hochrangige Vertreter aus den islamischen Staaten erwartet. Unter anderen hat der türkische Vizepremier Bekir Bozdag seine Teilnahme angesagt.

    Nach der Messe zu seiner Amtseinführung wird Franziskus am Dienstagmittag die Leiter der anreisenden offiziellen Delegationen im Petersdom begrüßen. Der Vatikan hatte keine offiziellen Einladungen zum feierlichen Amtsbeginn des Papstes ausgesprochen. Der Heilige Stuhl hatte jedoch über seine diplomatischen Verbindungen über das Ereignis informiert. Lombardi stellte klar, dass der Heilige Stuhl keine Einladungen an Staaten oder Regierungen ausspreche: „Niemand wird privilegiert, sondern wer kommen will, ist willkommen.“

    Papst Franziskus möchte nicht, dass seine argentinischen Landsleute eigens zu seiner Amtseinführung nach Rom reisen. Bei einem Telefonat mit dem Vatikanbotschafter in Buenos Aires, Erzbischof Emil Tscherring, habe er gebeten, die Argentinier sollten das eingesparte Geld stattdessen für karitative Aufgaben spenden, berichtete Lombardi.

    Unterdessen veröffentlichte der argentinische Lokalradiosender La 96 am Wochenende in Buenos Aires das letzte Radiointerview, das der vormalige Kardinal Bergoglio vor dem Konklave gegeben hatte. Anlass war einer seiner regelmäßigen Besuche in dem Arbeiterviertel Villa 21–24 y Zabaleta de Barracas im Süden der Hauptstadt an Allerheiligen gewesen. Auf die Frage, was ihn am meisten an Christus beeindrucke, hatte Bergoglio geantwortet: „seine Zärtlichkeit und Barmherzigkeit“. Wie der Vater im Gleichnis vom verlorenen Sohn warte Christus mit unablässiger Vergebungsbereitschaft auf die Menschen: „Wir sollen nicht nachlassen, Jesus um Vergebung zu bitten, denn er wird nicht müde, uns zu verzeihen.“ Die Barmherzigkeit Christi habe ihn zu seinem bischöflichen Wahlspruch inspiriert: „Erwählt aus Erbarmen“. In diesem Sinne wolle er mit der von ihm häufig gebrauchten Formulierung „das heilige, treue Volk Gottes“ daran erinnern, dass Christen durch Christi Blut erlöst worden seien und daraus eine Verpflichtung zur Treue erwachse. Diese zeige sich etwa in der Bedeutung der Kindertaufe. Der vormalige Erzbischof sprach sich dagegen aus, Kindertaufen hinauszuzögern. Gleichzeitig wolle er sich mit seinem Sprachgebrauch gegen die inflationäre Verwendung des Wortes „Volk“ abgrenzen, das zeitweise in Politiker- und Intellektuellenkreisen eher undifferenziert benutzt worden sei.

    Papst: Schönste Stunden als Seelsorger verbracht

    Darüber hinaus, so der vormalige Erzbischof von Buenos Aires denke er dankbar an die Zeit mit den Gläubigen: „Meine schönsten Stunden habe ich als Seelsorger mit den Leuten verbracht.“ Auf drei Weisen sei der Priester heute mit dem Volk Gottes unterwegs: Im Voranschreiten zeige der Priester den richtigen Weg. An der Seite der Menschen halte er die Herde zusammen und achte darauf, dass kein Durcheinander entsteht. Beim Umkehren wende sich der Priester den unterwegs verloren gegangenen Schafen zu. Mit Blick auf die Kinder in Arbeitervierteln unterstrich er die bedeutende Rolle der Großeltern. Insbesondere die Großmütter seien „die moralische und religiöse Reserve“ in vielen Familien, so der Erzbischof wörtlich. Von ihnen erführen Kinder die Familiengeschichte. Wie in vielen Arbeiterfamilien hatten auch im Hause Bergoglio die Großeltern einen beträchtlichen Teil der Erziehungs- und Betreuungsarbeit übernommen. Als prägende Figur seiner Kindheit würdigte der Erzbischof seine aus dem Piemont stammende Großmutter. Mit ihr habe er viel Zeit verbracht, und ihr Glaube habe ihn tief geprägt. „Meine Großmutter brachte mir das Beten bei“, erinnerte sich der vormalige Kardinal. „Sie erzählte mir von den Heiligen und bereitete mich auch auf den Weißen Sonntag vor“.