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    Ägypten: Große Sorgen vor koptischem Weihnachtsfest

    Kairo (DT/dpa/KNA) Nach einer Rede von Präsident Mohammed Mursi an das ägyptische Volk spekulieren die Medien des Landes über eine Regierungsumbildung. Die Zeitung „Al-Masry al-Youm“ ging in ihrer Donnerstagsausgabe davon aus, dass bis zu acht Minister ausgewechselt werden könnten. Das islamistische Staatsoberhaupt hatte am Vorabend von möglichen Veränderungen im Kabinett gesprochen, ohne konkret zu werden.

    Wandte sich nach dem umstrittenen Verfassungsreferendum in einer Fernsehansprache an das ägyptische Volk: Präsident Moha... Foto: dpa

    Kairo (DT/dpa/KNA) Nach einer Rede von Präsident Mohammed Mursi an das ägyptische Volk spekulieren die Medien des Landes über eine Regierungsumbildung. Die Zeitung „Al-Masry al-Youm“ ging in ihrer Donnerstagsausgabe davon aus, dass bis zu acht Minister ausgewechselt werden könnten. Das islamistische Staatsoberhaupt hatte am Vorabend von möglichen Veränderungen im Kabinett gesprochen, ohne konkret zu werden.

    Zu den neu zu besetzenden Ressorts gehört zumindest das Transportministerium. Ressortchef Mohammed Raschad al-Matini war nach einem schweren Zugunglück zurückgetreten, das im November 50 Kinder das Leben gekostet hatte. Kommunikationsminister Hani Mahmud hat seinen Rückzug angekündigt; auch sein Posten dürfte neu besetzt werden.

    Mursi hatte bei seiner ersten Rede nach dem umstrittenen Verfassungsreferendum auch die Einheit der Ägypter beschworen und Maßnahmen gegen die Wirtschaftskrise angekündigt. „Ich werde alle Anstrengungen unternehmen, um die ägyptische Wirtschaft anzukurbeln“, versprach er. Beobachter gehen deshalb davon aus, dass es gerade in den dafür zuständigen Ministerien Veränderungen geben könnte.

    In seiner Rede am Mittwochabend hatte der islamistische Präsident zum Dialog aufgerufen. „Ich wiederhole meinen Aufruf an alle politischen Parteien und Kräfte, sich am Dialog zu beteiligen“, sagte Mursi in einer Fernsehansprache. Es habe Fehler gegeben, sagte der Präsident. „Aber Gott weiß, dass ich jede Entscheidung zur Ehre Gottes und des Landes treffe.“ Das Verfassungsreferendum sei „transparent und unter voller Beobachtung der Zivilgesellschaft und der Justiz“ abgehalten worden. Vorrangig werde er sich um die Entwicklung der Wirtschaft kümmern, versprach der Präsident. Die stark am islamischen Recht ausgerichtete Verfassung war von einer Mehrheit von 63,8 Prozent der ägyptischen Wähler gebilligt worden. Allerdings hatten sich nur 33 Prozent der rund 52 Millionen Wahlberechtigten an dem Referendum beteiligt.

    Die erste Verfassung seit dem Sturz von Machthaber Husni Mubarak gibt den Islam-Gelehrten künftig mehr Einfluss und wird von Liberalen, Linken und Christen heftig kritisiert. Bis zuletzt hatte die Opposition versucht, die Abstimmung darüber zu verhindern. Die Opposition befürchtet durch die neue Verfassung eine strengere Auslegung des islamischen Rechts, der Scharia, die die wichtigste Quelle der Gesetzgebung bleibt. Sie sehen sich in dem Verfassungsentwurf nicht repräsentiert. Deshalb hatte es in den vergangenen Wochen immer wieder heftige Proteste und zum Teil tödliche Krawalle gegeben.

    Nach dem Verfassungsreferendum appellierte der koptische Bischof für Deutschland, Anba Damian, an die Bundesregierung, sich für die Religionsfreiheit und die Sicherheit der Christen in dem Land einzusetzen. Die ägyptische Regierung brauche klare Signale, dass sie die von ihr unterzeichneten internationalen Abkommen einhalten und die Menschen- und Minderheitenrechte garantieren müsse, sagte der Bischof am Mittwoch der Katholischen Nachrichten-Agentur (KNA). Damian sprach von gravierenden Wahlfälschungen. So seien Stimmzettel gefälscht und Christen am Wählen gehindert worden. Die Situation der koptischen Christen in Ägypten sei alles andere als hoffnungsvoll. Der Bischof verwies darauf, dass viele Ägypter Analphabeten seien. Entscheidend für das Klima in dem Land sei, was die Menschen in den Moscheen und in den Medien hörten. Diskriminierung von Christen sei an der Tagesordnung. Viele Kopten fühlten sich schutzlos und bekämen keine Arbeit; Familiengründungen junger Christen seien deshalb schwierig. Damian beklagte zugleich eine Hetzkampagne gegen Christen.

    Große Sorge habe er vor dem anstehenden Jahreswechsel und dem koptischen Weihnachtsfest am 7. Januar. In den vergangenen Jahren hatte es dabei mehrere Attentate gegen christliche Kirchen gegeben. Bei einem Bombenanschlag auf ein koptisches Gotteshaus in Alexandria waren zu Jahresbeginn 2011 mehr als 20 Menschen ums Leben gekommen. Bei einem Anschlag auf eine koptische Kirche am 7. Januar 2010 waren am koptischen Weihnachtsfest sieben Menschen getötet worden. „Die Täter von 2011 und 2010 sind immer noch nicht bestraft und die Familien der Opfer noch nicht entschädigt worden“, sagte der Bischof. Das ermuntere militante Muslime zu neuen Gewalttaten. Aufgabe der koptischen Christen in Deutschland ist es nach Darstellung des Bischofs, medizinische Behandlung von Gewaltopfern zu organisieren, die Ausbildung junger Kopten zu unterstützen und die Öffentlichkeit auf die Situation in Ägypten aufmerksam zu machen. Dazu gehöre auch ein Dialog mit den Muslimen in der Bundesrepublik.