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    60 Jahre Israel

    Traditionell feiert Israel seinen Unabhängigkeitstag am 5. Tag des Monats Ijar nach jüdischer Zeitrechnung. Der 5. Ijar fiel in diesem Jahr 5 768 jedoch auf den 10. Mai 2008, einen Sabbat. Da der „Jom HaAtzmaut“ mit seinen Paraden, Flugshows und vor allem dem unerlässlichen Grillfest, vor dem Israels Einwohner keinen Quadratmeter Rasen verschonen, nur schlecht am Sabbat durchzuführen ist, wurde der offizielle 60. Unabhängigkeitstag des Staates Israel auf den 8. Mai 2008 vorverlegt. Weltweit feiern die Freunde Israels allerdings den 14. Mai als Geburtstag des jüdischen Staates und um dieses Datum herum kommen auch viele hochrangige Gratulanten nach Israel.

    Traditionell feiert Israel seinen Unabhängigkeitstag am 5. Tag des Monats Ijar nach jüdischer Zeitrechnung. Der 5. Ijar fiel in diesem Jahr 5 768 jedoch auf den 10. Mai 2008, einen Sabbat. Da der „Jom HaAtzmaut“ mit seinen Paraden, Flugshows und vor allem dem unerlässlichen Grillfest, vor dem Israels Einwohner keinen Quadratmeter Rasen verschonen, nur schlecht am Sabbat durchzuführen ist, wurde der offizielle 60. Unabhängigkeitstag des Staates Israel auf den 8. Mai 2008 vorverlegt. Weltweit feiern die Freunde Israels allerdings den 14. Mai als Geburtstag des jüdischen Staates und um dieses Datum herum kommen auch viele hochrangige Gratulanten nach Israel.

    Am 14. Mai 1948 deklarierte David Ben Gurion den jüdischen Staat Israel. Damit wurde „die jüdische Unabhängigkeit, zweitausend Jahre zuvor verloren, wieder hergestellt“, erklärt die Webseite des israelischen Außenministeriums. Somit feiert das jüdische Volk die Wiedererrichtung eines jüdischen Staates am Geburtsort des jüdischen Volkes. Doch bereits am Tag darauf marschierten sechs arabische Armeen ein, um den jungen Staat auszulöschen.

    Niemand hat die 60-jährige Geschichte des modernen Staates Israel so kontinuierlich begleitet und aktiv mitgestaltet, wie der amtierende Staatspräsident Schimon Peres. Er erinnert sich an die Doppelzüngigkeit der internationalen Gemeinschaft, die den jüdischen Staat seit seiner Gründung begleitet: „Am 29. November 1947 haben sie für uns gestimmt. Aber dann haben sie ein Einwanderungsembargo gegen uns verfügt. Als Schiffe mit Holocaustüberlebenden in Haifa ankamen, wurden sie beschossen.“ Die Länder, die zuvor für Israel gestimmt hätten, hätten sich geweigert, dem Land Waffen zur Verteidigung zu liefern. „Ich verstehe bis heute nicht, warum US-Präsident Harry Truman uns keine Gewehre geben wollte.“

    Nach dem Unabhängigkeitskrieg, der offiziell erst 1949 mit den Abkommen von Rhodos ein Ende fand, musste Israel praktisch alle zehn Jahre einen Krieg führen, bei denen immer wieder der erklärte Wille, die „Juden ins Meer“ zu treiben, als Kriegsgrund von den arabischen Gegnern Israels verbalisiert wurde.

    Die meisten Israelis blicken optimistisch in die Zukunft

    1948 lebten 806 000 Menschen im jüdischen Staat. 1949 erreichte der jüdische Staat die Bevölkerungsmarke „1 Million“ und 1958 die zweite Million. 1990 erreichte Israel die 5-Millionen-Marke und nach der massiven Einwanderungswelle der 90er Jahre gab es 1998 bereits sechs Millionen Israelis. Heute leben 7,3 Millionen Menschen in dem Staat, der sich darum bemüht „jüdisch“ und „demokratisch“ zu sein, womit sich seine Einwohnerschaft seit der Gründung mehr als verneunfacht hat. Das zentrale Statistikamt, das pünktlich zum 60. Jahrestag diese Zahlen veröffentlicht hat, erwartet, dass es im Jahr 2030 zehn Millionen Israelis geben wird.

    Dreiviertel aller Israelis, genau 5,5 Millionen, sind Juden. 1,5 Millionen oder 20 Prozent der israelischen Bürger sind Araber. Dem ständigen Kriegszustand und allen sozialen, politischen und gesellschaftlichen Problemen zum Trotz erklärten in der alljährlich vor dem Unabhängigkeitstag durchgeführten Umfrage 91 Prozent der Israelis, dass sie mit dem Leben in Israel zufrieden seien. 48 Prozent würden ihr Land „sicher nicht“ verlassen und ein Gros der Israelis blickt optimistisch in die Zukunft.

    Auf die Frage, was er für die größten Errungenschaften des Staates Israel hält, nennt Peres die Beziehungen mit Frankreich, die Operation Kadesch, die Israel Aerospace Industries, den Reaktor in Dimona, die Verteidigungsforschung, Entebbe, die Rehabilitation der Armee nach dem Jom-Kippur-Krieg, die Überwindung der Inflation in den 80er Jahren, den Frieden mit Jordanien, die Abkommen von Oslo und den Aufbau von Städten wie etwa das Obere Nazareth.

    Interessanterweise taucht im Resümee des Staatspräsidenten der Sechstagekrieg nicht auf. Der siegreiche Präventivschlag Israels über Syrien, Jordanien und Ägypten wurde 1967 zwar weltweit bewundert, ist aber im Rückblick der Wendepunkt in der Geschichte, der den jüdischen Staat zum Besatzer des palästinensischen Volkes gemacht und ihm damit eine Problematik verschafft hat, aus der heute niemand einen Ausweg sieht. So nennt Peres auch als größten diplomatischen Fehler in der Geschichte Israels, dass Premierminister Jitzchak Schamir 1987 das Londoner Abkommen blockierte, das die Übergabe des Westjordanlandes an Jordanien vorsah. „Hätten wir uns damals für die jordanische Option entschieden, hätten nicht wir, sondern die Jordanier heute das Palästinenserproblem. Und König Hussein hätte palästinensische Aufständische behandelt, wie er das schon 1970 im „Schwarzen September“ getan hat“, meint der Friedensnobelpreisträger bedauernd im Rückblick.

    Überhaupt äußert Präsident Peres im Blick auf die Palästinenser seine größte Frustration: „Wir sind flexibler geworden. Sie wurden extremer.“ Den Glauben an eine politische Lösung scheint er aufgegeben zu haben. Dagegen treibt er seine Vision einer wirtschaftlichen Lösung des palästinensisch-israelischen Konflikts umso hartnäckiger voran. Peres' Verhandlungspartner Jassir Arafat kommt im Rückblick des Politprofis übrigens erstaunlich gut weg: „Er hat Israel öffentlich anerkannt. Er hat schwierige Entscheidungen getroffen. Er war der Führer einer nicht-existenten Nation und hat sich 30 Jahre lang gehalten.“ Schimon Peres ist überzeugt: Ohne Arafat wären Verhandlungen mit den Palästinensern nie zustande gekommen.

    Doch wenngleich er im Laufe seiner politischen Karriere bei den Verhandlungen mit seinen Feinden zum Äußersten bereit war, bleibt der in den 30er Jahren aus Weißrussland nach Palästina eingewanderte Peres doch ein Israeli, den die Geschichte lehrte, sich auf niemanden als sich selbst zu verlassen. „Wir müssen uns darauf einstellen, dass sich die Verhältnisse verändern, zum Guten und zum Schlechten“, betont er im Blick auf die Verteidigungsforschung Israels. Und: „In diesem Augenblick arbeiten 30 oder 40 Wissenschaftler an neuen Mitteln zur Kriegführung. Sie haben keine Vorstellung davon, wie stark die israelische Armee ist. Bislang haben wir nicht auf diese Mittel zurückgegriffen. Aber sie existieren.“

    Von Johannes Gerloff