• aktualisiert:

    Warschau

    10. August: Der selige Franciszek Drzewieki

    Franciszek Drzewieki ist einer der 108 polnischen Märtyrer des Zweiten Weltkriegs, die 1999 von Papst Johannes Paul II. seliggesprochen wurden.

    Der selige Franciszek Drzewieki
    Der polinische Märtyrer Franciszek Drzewieki wurde 1999 von Papst Johannes Paul II. seliggesprochen.

    In Simmern im Westerwald liegt das Gäste- und Tagungshaus „Berg Moriah“ des Schönstatt-Instituts Diözesanpriester. Dort steht der Altar aus dem „Pfarrerblock“ des Konzentrationslagers Dachau, an dem gefangene Priester ab Januar 1941 die heilige Messe feierten. Insgesamt 2 579 katholische Priester waren in Dachau inhaftiert, darunter 1 780 Polen. Täglich durfte jedoch nur ein Priester zelebrieren, und zum Austeilen der Kommunion war kaum Zeit, so dass die meisten nur selten die Kommunion empfangen konnten. Ein Überlebender, der spätere Weihbischof von Wocawek, Franciszek Korszynski, erinnerte sich, dass deshalb „eine einmalige Praxis eingeführt wurde, die es wahrscheinlich noch nie in unserer Kirche gab: Die mitfeiernden Priester versteckten in ihren gefalteten Händen zwei bis drei Hostien, die bei der Wandlung mitkonsekriert wurden. So konnten alle Priester aus eigener Hand kommunizieren und anderen Nichtpriestern die Hostie reichen. Wir hatten ein bisschen Angst, wir waren uns nicht sicher, ob das den liturgischen Vorschriften unserer Kirche entsprach. Aber der Hunger und die Sehnsucht nach der heiligen Kommunion waren sehr groß und wir waren glücklich, den Heiland so empfangen zu dürfen.“

    Ab dem 19. September 1941 durften nur noch deutsche Priester die Kapelle betreten; die Polen wurden ausgeschlossen. Fast die Hälfte von ihnen – 868 polnische Priester – überlebten die Lagerhaft nicht, darunter der selige Franciszek Drzewieki, einer der 108 polnischen Märtyrer des Zweiten Weltkriegs, die 1999 von Papst Johannes Paul II. seliggesprochen wurden. Er trug während der Lagerhaft immer eine geweihte Hostie in einer kleinen Kapsel bei sich und lebte so in ständiger Anbetung.

    Tiefe Liebe zur Eucharistie

    Franciszek Drzewieki gehörte zur Kongregation der „Söhne der Göttlichen Vorsehung“, deren Gymnasium der am 26. Februar 1908 im polnischen Zduny geborene Bauernsohn besuchte. 1934 legte er die ewige Profess in die Hände des Ordensgründers, des heiligen Luigi Orione, ab. Er studierte Theologie in Venedig und wurde 1936 zum Priester geweiht.

    Zunächst war er als Religionslehrer an seinem alten Gymnasium in Zdunska Wola tätig und wechselte zwei Jahre später an ein Institut in Wocawek für behinderte und psychisch kranke Menschen.

    Am 1. September 1939 überfielen deutsche Truppen Polen; zwei Monate später wurde Pater Franciszek zusammen mit 43 weiteren Priestern verhaftet und am 14. Dezember 1940 in das Konzentrationslager Dachau eingeliefert. Hier verrichtete er harte Arbeit auf einer Plantage – in eisiger Kälte ebenso wie in der prallen Sonne, ohne angemessene Bekleidung und Verpflegung. Trotz der unmenschlichen Lebensumstände behielt er sein freundliches Wesen. Ein Mitgefangener sagte später über ihn: „Franciszek war ein Mann des Enthusiasmus, ein guter Priester, ein frommer Mann im wahrsten Sinne des Wortes, ein besorgter Freund. Er war fröhlich und bescheiden. In seiner Demut verbarg sich seine Größe. Er klagte nie, er ertrug alle Demütigungen heldenhaft und sprach nie negativ über seine Verfolger.“

    Tod in der Gaskammer

    Im Sommer 1942 war Pater Franciszek am Ende seiner Kräfte: Er konnte einige Gliedmaßen, die im Winter erfroren waren, nicht mehr bewegen, war erschöpft und ausgemergelt. In diesem erbärmlichen Zustand wurde er ausgesondert und am 10. August zusammen mit anderen Invaliden nach Schloss Hartheim in Österreich transportiert, um dort ermordet zu werden. Vor dem Abtransport am frühen Morgen konnte er mit letzter Kraft an das Fenster der Baracke eines mitgefangenen Priesters klopfen, der später berichtete: „Ich sprang aus dem Bett und lief zum Fenster und hörte: ,Joziu lebe wohl. Wir fahren fort!‘ Ich war erschrocken und konnte kein einziges Wort des Schmerzes aussprechen. Dann sagte er: ,Joziu leide nicht. Heute wir, morgen du.‘ Und mit großer Ruhe sagte er noch: Wir gehen weg … aber als Polen opfern wir unser Leben Gott, für die Kirche und die Heimat.‘ Das waren sein letzten Worte.“

    Pater Franciszek, der von einem weiteren Mitgefangenen als „eine wunderschöne demütige, bescheidene und fröhliche Persönlichkeit, deren ,Helligkeit‘ nicht den geringsten Verrat zugelassen hat“ beschrieben wurde, starb wahrscheinlich am 13. August 1942 qualvoll in der Gaskammer.

    Die Printausgabe der Tagespost vervollständigt aktuelle Nachrichten auf die-tagespost.de mit Hintergründen und Analysen. Kostenlos erhalten Sie die aktuelle Ausgabe hier.

    Weitere Artikel