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    „Wahl ohne Auswahl“ in Ägypten

    Stephan Roll, Ägypten-Experte bei der Berliner Stiftung Wissenschaft und Politik, erklärt die Wahl in Ägypten bereits als entschieden. Wichtig für seinen Machterhalt seien auch die koptischen Christen.

    Präsidentenwahl in Ägypten
    HANDOUT - 26.03.2018, Ägypten, Kairo: Abdel Fattah al-Sisi (r), Präsident von Ägypten, füllt einen Stimmzettel für die P... Foto: --- (Egyptian Presidency)

    Für Stephan Roll, Ägypten-Experte der Berliner Stiftung Wissenschaft und Politik, ist die Präsidentschaftswahl in Ägypten eine „Wahl ohne Auswahl“. Für den amtierenden Präsidenten Abdel Fattah al-Sisi gebe es keine Konkurrenten, meint Roll im Gespräch mit der „Tagespost“. Mussa Mustafa, der auch bei der Wahl antritt, sei ein reiner Alibi-Kandidat, der in Stellungnahmen al-Sisi lobe und sich so als Anhänger des Präsidenten zu erkennen gebe. Eine Opposition existiere nur außerhalb des Parlaments, dessen Macht völlig ausgehöhlt worden sei, so Roll. „Da gibt es die islamistische Opposition, die sich um die Muslimbruderschaft gruppiert. Und es besteht eine säkulare Opposition, das sind liberale und linke Gruppen, sie besteht aus Menschenrechtlern und hat vor allem Anhänger bei den Intellektuellen und den Studenten.“ Diese sei aber sehr stark fragmentiert und massiver staatlicher Repression ausgesetzt.

    Wichtig für die Sicherung der Macht al-Sisis seien auch die koptischen Christen, da sie mehr als zehn Prozent der Bevölkerung ausmachen, meint der Ägypten-Experte Roll. Im Jahr 2016 habe al-Sisi demonstrativ als erster ägyptischer Präsident die Christmette in der Markuskathedrale in Kairo besucht. Die meisten Kopten empfänden den amtierenden Präsidenten als „eine Art Bollwerk vor der islamistischen Bedrohung“. Unter der Präsidentschaft des Muslim-Bruders Mohamed Mursi hatten viele Kopten Angst, so Roll. „Jetzt fühlen sie sich sicherer.“

    Das ausführliche Interview lesen Sie in der aktuellen Ausgabe der „Tagespost“ vom 29. März.
    DT

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