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    München

    Spannend und brandaktuell: Zweite Jugendakademie Bioethik in München

    Tagespost-Korrespondent und Bioethik-Experte Stefan Rehder spricht auf Bioethik-Tagung zu Lebensrecht versus Selbstbestimmung sowie Therapie versus Verbesserung und skizziert den Stand der Debatte.

    Tagung macht deutlich: CSU setzt wichtige Impulse beim Lebensschutz. Foto: Armin Weigel (dpa)

    Die zweite Jugendakademie Bioethik der Christdemokraten für das Leben und Hanns-Seidel-Stiftung in München macht deutlich: Die CSU setzt wichtige Impulse beim Lebensschutz; die Entwicklungen bei Abtreibung und der Selektion menschlicher Embryonen bis hin zum Genom-Editing verlaufen dramatisch – die jungen Teilnehmer sehen die Problematik und die Herausforderung: Die Schwächsten unserer Gesellschaft brauchen mehr „Anwälte für das Recht auf Leben“!

    Etwa 40 hochmotivierte Teilnehmer konnten Referatsleiter Artur Kolbe von der Hanns-Seidel-Stiftung und Christiane Lambrecht, Landesvorsitzende der CDL Bayern am 27. April 2019 in München zur Kooperationsveranstaltung „Aktuelle Brennpunkte der Bioethik“ begrüßen: Artur Kolbe betonte, dass die Hanns-Seidel-Stiftung sich schon immer für die Auseinandersetzung mit ethischen Grundfragen auch beim Lebensschutz stark gemacht habe und begründete dieses Engagement mit einem Zitat des britischen Premierminister William Ewart Gladstone (1809-1898): „Politisch kann niemals richtig sein, was moralisch falsch ist.“

    Warnung vor einer "eugenischen Gesellschaft"

    Christiane Lambrecht begrüßte die Teilnehmer mit den Worten: „Das Schutzhaus für die Würde jedes Menschen und das Recht des Lebens brennt! So lichterloh wie die Kathedrale Notre Dame. Der ethische Brand ist dabei, unsere Werte, ja unsere Grundwerte und gesellschaftliche Solidarität im Namen des Fortschritts zu zerstören.“

    Der Arzt und Münchner CSU-Bundestagsabgeordnete Stephan Pilsinger nahm sich viel Zeit, um die Fragen der Teilnehmer zu beantworten. Zuvor hatte er ihnen einen Einblick in die politischen Auseinandersetzungen um die Reform des § 219a StGB gegeben. Beim aktuellen Streit um die Aufnahme molekulargenetischer Bluttests in den Leistungskatalog der Krankenkassen müsse verhindert werden, dass diese in eine „eugenische Gesellschaft“ führten. Medizinischer Fortschritt müsse auch in die ethisch richtige Richtung weisen. Deshalb wolle die CSU zum Beispiel die Elternzeit verlängern, wenn ein Kind mit einer Behinderung oder dem Down-Syndrom geboren werde und solche Familien mit weiteren Maßnahmen unterstützen. Daraus entwickelte sich eine lebhafte Diskussion mit den jungen Teilnehmern, die den Gesundheitspolitiker ermunterten, seine klare christliche Haltung auch beim Lebensschutz beizubehalten.

    Bioethik-Experte Stefan Rehder gibt Einblick in aktuelle Debatten

    Anschließend vermittelte Tagespost-Korrespondent und Bioethik-Experte Stefan Rehder den Teilnehmern in zwei Vorträgen wichtige Fakten. Unter dem Titel „Lebensrecht versus Selbstbestimmung“ zeichnete er ausgehend von der Stern-Kampagne „Wir haben abgetrieben!“ des Jahres 1971 zunächst die Entwicklung der Abtreibungsgesetzgebung in Deutschland nach und erläuterte deren „fragile Architektur“. Besondere Bedeutung maß er dabei der Einführung der Kassenfinanzierung von Abtreibungen bei, die er für das mangelnde Unrechtsbewusstsein in Teilen der Gesellschaft mitverantwortlich machte.

    In einem weiteren Vortrag führte er unter der Überschrift „Therapie versus Verbesserung“ in die internationale Debatte um das Genom-Editing und die Forschung mit Embryonen ein. So erfuhren die Teilnehmer etwa, dass Wissenschaftler mit menschlichen Embryonen forschten, die sie zuvor entwicklungsunfähig gemacht hätten, weshalb sie sie als „Artefakte“ betrachteten, die kein Lebensrecht besäßen. Ausführlich ging Rehder auch auf die CRISPR/Cas-Technologie ein, mit welcher der chinesische Biophysiker He Jiankui das Erbgut von zwei Zwillingsmädchen verändert hatte, deren Geburt er im November 2018 verkündete. Thematisiert wurde auch die Forderung von Spitzenforschern nach einem Moratorium für Keimbahneingriffe mit dieser Technologie, die der Journalist und Sachbuchautor als die „gefährlichste Erfindung seit der Atombombe“ bezeichnete.

    Der Mensch darf nicht alles tun, wozu er technisch in der Lage ist

    In der anschließenden Diskussion wurde deutlich, dass der Mensch nicht alles tun dürfe, wozu er technisch in der Lage sei. Andernfalls würden Menschen künftig Menschen nach bestimmten Qualitätskriterien entwerfen und erzeugen, was weder dem christlichen Menschenbild, noch den Menschenrechten, noch dem Grundgesetz entspräche. Angesichts der Tatsache, dass niemand wisse, wie gesund oder krank er am nächsten Tag aufwache (Lambrecht), wurde auch die Frage aufgeworfen, ob es den „optimalen Menschen“ überhaupt geben könne.

    Zum Ende der Jugendakademie Bioethik kündigten die Kooperationspartner an, die Themen im kommenden Jahr in einer zweitägigen Veranstaltung in Kloster Banz vertiefen zu wollen. Zu dieser sollten dann auch Politiker und Wissenschaftler geladen werden.

    DT (jobo)

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