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    Mörder des Priesters Jacques Hamel war polizeiüberwacht

    Laut der Zeitung "Canard enchaine" verfassten die Behörden unmittelbar vor der Tat im Juli 2016 Notizen über den Attentäter und warnten vor dessen Drohungen in einem Kurznachrichtendienst.

    Jacques Hamel
    Jacques Hamel wurde am 26. Juli 2016 bei einem Gottesdienst in seiner Kirche im nordfranzösischen Saint-Etienne-du-Rouvr...

    In Frankreich sind neue Details zu mutmaßlichen Sicherheitspannen vor dem Terroranschlag auf den Priester Jacques Hamel im Juli 2016 bekanntgeworden. Medienberichten vom Mittwoch zufolge lagen den Sicherheitsbehörden und Geheimdiensten bereits vor dem Anschlag Informationen über die Gefährlichkeit des Attentäters Adel Kermiche vor. Sowohl der Geheimdienst der Polizeipräfektur Paris (DRPP) als auch der Militärische Nachrichtendienst (DRM) und der Zentrale Territoriale Nachrichtendienstes (SCRT) hätten Kermiche überwacht. Unter anderem sei sein E-Mail-Verkehr verfolgt worden.

    Bereits Anfang Januar hatte das französische Onlineportal "Mediapart" berichtet, den Behörden in Paris hätten im Juli 2016 Informationen über einen geplanten Terroranschlag vorgelegen. Kermiche habe via Kurznachrichtendienst "Telegram" ein Attentat in einer Kirche und die Stadt Saint-Etienne-du-Rouvray erwähnt. Nach dem Anschlag habe die DRPP-Direktion bei zwei Dokumenten nachträglich das Datum entfernt, hieß es.

    Die Wochenzeitung "Le Canard enchaine" berichtet nun, dass DRM-Mitarbeiter am 22., 25. und 26. Juli 2016 Notizen verfasst und vor Kermiches Drohungen auf Telegram gewarnt hätten. Der SCRT habe fünf Tage vor dem Anschlag zudem eine Notiz mit einem Foto Kermiches an alle Polizeidienststellen verschickt und vor einem Angriff gewarnt. Beide Geheimdienste hätten aber nicht das vorgesehene Notfallverfahren genutzt, um die Generaldirektion für Innere Sicherheit (DGSI) einzuschalten.

    Der Priester Jacques Hamel (85) war am 26. Juli 2016 bei einem Gottesdienst in seiner Kirche im nordfranzösischen Saint-Etienne-du-Rouvray von zwei Islamisten brutal getötet worden. Papst Franziskus setzte fast unmittelbar nach seinem Tod die vorgeschriebene Fünf-Jahres-Frist bis zum möglichen Beginn eines Seligsprechungsverfahrens aus; im April 2017 wurde das Verfahren offiziell eröffnet.

    KAP/KNA/jbj

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