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    Missbrauch mit dem Missbrauch

    Was als „Aufstand von prominenten Katholiken“ durch die Medien geistert, sieht eher aus wie das Mosern eines kleinen Clübchens. Von Guido Horst

    Kardinal Reinhard Marx, Vorsitzender der Deutschen Bischofskonferenz
    Kardinal Reinhard Marx, Vorsitzender der Deutschen Bischofskonferenz. Foto: Arne Dedert (dpa)

    Ein Theologe, der das Publizieren von Büchern eingestellt hat, ein Ruhestandsphilosoph, der mit seiner Frau per Unterschrift dem Sankt Georgener Kollegen zu Hilfe kommt, ein Stadtdekan, ein Jesuit und Schulrektor, eine Politikerin der Grünen, die sich an der Lebensrechtsbewegung abarbeitet, eine Funktionärin des Zentralkomitees der Katholiken und eine Caritas-Direktorin: Das Listchen derer, die den Offenen Brief an Kardinal Reinhard Marx vom vergangenen Wochenende unterzeichnet haben, liest sich wie der Volkssturm, den die Alt-68er in der Kirche nochmals aufbieten, um im Geiste der alten „Kirche von unten“-Bewegung gegen das Katholische anzurennen.

    "Es muss alles anders werden" – Warum?

    Was da jetzt als „Aufstand von prominenten Katholiken“ durch die Medien geisterte, sieht eher wie das Mosern eines kleinen Clübchens aus. Dennoch: Wer böswillig ist, könnte vermuten, dass sich Kardinal Marx diesen Brief bestellt hat. Denn er passt in den Kurs, den das halboffizielle Nachrichtenportal der Bischofsskonferenz, „katholisch.de“, seit Wochen steuert. Die Brechstange, mit der die Sakramentenpraxis, die Weihetheologie, die Sexualmoral und die Verfasstheit der Kirche ausgehebelt werden sollen, ist die Missbrauchs-Studie. „Es muss alles anders werden“, ist der Schlachtruf, mit dem man dabei zu Werke gehen will.

    Die Ideologen haben das Wort

    Es läge auf der Hand, was in diesen Zeiten des Verfalls zu tun wäre: Katechese und Unterweisung im Glauben, Stärkung des sakramentalen Lebens, Initiative der Neuevangliserung und Bildung von geistlichen Zentren, die auf eine glaubenslos gewordene Umgebung ausstrahlen. Für diakonisches Wirken gäbe es Aufgaben genug: In einer Gesellschaft, in der sich viele nach Gemeinschaft, nach geistiger Orientierung und materieller Begleitung sehnen, hätte die Kirche ein weites Betätigungsfeld. Stattdessen haben die Ideologen das Wort.

    Inwieweit die Forderung nach Aufhebung des Zölibats und nach den „viri probati“ im Zusammenhang mit dem Thema Missbrauch jeder Logik entbehrt, wie echtes diakonisches Wirken wahrer Hirten stattdessen aussähe und weitere Einschätzungen zum offenen Brief „prominenter Katholiken“ an Kardinal Marx, erfahren Sie von Guido Horst in der aktuellen Ausgabe der „Tagespost“ vom 7. Februar. Kostenlos erhalten Sie diese Ausgabe hier.

    DT (jobo)

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