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    "Marsch für das Leben" mobilisiert Hunderttausende

    Zum 45. Mal gehen US-Aktivisten beim "Marsch für das Leben" am Freitag auf die Straße. Mit Donald Trump spricht erstmals ein US-Präsident live per Video-Schalte. Selten zuvor war das Abtreibungsthema politisch so aufgeladen.

    Ein eindrucksvolles Bild: Lebensschützer in den Straßen der US-Hauptstadt beim "March for Life" vor zwei Jahren. Foto: E... Foto: Jim Lo Scalzo (EPA)

    Jeanne Monahan Mancini hat in den wenigen Jahren ihrer Präsidentschaft beim "March for Life" Entscheidendes bewirkt. Der traditionsreiche US-Protestmarsch gegen Abtreibung, eine ursprünglich von Katholiken dominierte Organisation, ist unter ihrer Führung eine ökumenische Bewegung geworden. Vor allem öffnete sie den "Marsch für das Leben" für die Evangelikalen, die bis vor wenigen Jahren in nur geringer Zahl vertreten waren.

    An diesem Freitag stellen sie einen großen Teil der mehreren hunderttausend Teilnehmer in Washington und noch mal so viele überall im Land. Der jährliche Demonstrationszug der Pro-Life-Aktivisten erinnert an das "Roe vs. Wade"-Urteil des Verfassungsgerichts von 1973, mit dem Abtreibung in den USA legalisiert wurde. Der Marsch von der National Mall zur Abschlusskundgebung am Supreme Court ist bis heute eine der größten politischen Protestaktionen der Vereinigten Staaten.

    Dennoch war das Echo der Demonstrationen in den US-Medien meist eher gering. Das hat sich mit der Amtsübernahme Donald Trumps verändert. Das Thema Abtreibung rückt stärker in den Fokus. In diesem Jahr spricht der Präsident per Live-Videoübertragung zu den Teilnehmern. Trump sei der erste amtierende Präsident, der sich in dieser Form an dem "historischen Ereignis" beteilige, hieß es vom Weißen Haus. Er wolle sich dafür einsetzen, ungeborenes Leben zu schützen.

    Erst recht haben die Pro-Life-Aktivisten nun die Hoffnung, das Supreme-Court-Urteil von 1973 könnte aufgehoben werden. Damals hatte das Höchstgericht mit sieben zu zwei Richterstimmen ein Recht auf Schwangerschaftsabbrüche zugebilligt - und damit landesweit bestehende Gesetze in den Bundesstaaten und auf Bundesebene außer Kraft gesetzt.

    Beim "Marsch für das Leben" 2017 sprach US-Vizepräsident Mike Pence und machte das Anliegen der Abtreibungsgegner zur Sache des Weißen Hauses. In diesem Jahr will auch Paul Ryan, Sprecher der Republikaner im Repräsentantenhaus, dabei sein. Der Katholik Ryan sei, so die Pro-Life-Anführerin Mancini, ein "unerschütterlicher Vorkämpfer" für die Lebensrechtler. Er nutze seine politischen Position, um die "Würde des Menschen in allen Lebensphasen zu verteidigen".

    Die Demokraten haben dagegen eher Berührungsängste mit der "Pro Life"-Bewegung. "Unsere Partei hat mehr ein Problem mit sich selbst als mit dem Marsch", meint die Geschäftsführerin der kleinen Gruppe "Demokraten für das Leben", Kristen Day. Tatsächlich wünschten sich viele Demokraten in eher ländlichen Gebieten eine größere Offenheit der Partei für das Lebensschutzthema.

    Bemerkenswert: Immer mehr unter 30-Jährige engagieren sich für den Lebensschutz. Laut der "Washington Post" gehört die Hälfte der "Pro Life"-Marschierer dieser Altersgruppe an. Über die Sozialen Netzwerke tragen die Jungen das Thema in eine breitere Öffentlichkeit. So gingen zum Beispiel die Studenten der "University of Mary" in North Dakota mit ihren Erfahrungen in Washington in den Sozialen Netzwerken in die Offensive.

    Facebook, Twitter, Snapchat und SMS helfen nach Ansicht katholischer Netzwelt-Experten, das Anliegen Lebensschutz von der nationalen auf die lokale Ebene herunterzubrechen. Sarah Yaclic, Direktorin des "Grotto Network", einer digitalen Medienplattform für junge Katholiken, sagt, sie beobachte, wie viele am Ende tatsächlich offline gingen, um im alltäglichen Leben etwas zu dem Thema beizutragen. Die lokale Präsenz von Kommilitonen an der "University of Mary" habe letztlich einer jungen Schwangeren geholfen, sich gegen den Rat ihrer Familie, ihres Freundes und Nachbarn zu entscheiden. Sie habe das Kind bekommen.

    "Marsch für Leben"-Organisatorin Mancini hofft, dass es in fünf Jahren nicht mehr zu einem 50-Jahr-Jubiläum des umstrittenen "Roe vs. Wade" kommt. "Ich wünsche mir, dass wir dann nicht mehr marschieren müssen, weil wir bis dahin unsere Aufgabe erledigt haben." Abtreibung solle dann undenkbar und illegal sein.

    KNA - Bernd Tenhage / jbj

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