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    Berlin

    Ethikrat: Stellungnahme zu Keimbahn-Eingriffen

    So interessant das Papier des Ethikrats ist: Langfristig wird es nichts an den Versuchen ändern, Gott zu spielen und gentechnisch veränderte Menschen zu erschaffen.

    Bundesforschungsministerin Anja Karliczek (CDU, 2.v.r.) nimmt in der Bundespressekonferenz die Stellungnahme des Deutsch... Foto: Paul Zinken (dpa)

    27 Seiten hat die Zusammenfassung, die der Deutsche Ethikrat seiner lesenswerten, 232 Seiten umfassenden Stellungnahme „Eingriffe in die menschliche Keimbahn“ vorangestellt hat. Im Abschnitt „Naturwissenschaftlicher und medizinischer Sachstand“ konstatiert er auf Seite 12: „Zusammenfassend lässt sich feststellen, dass Eingriffen in die menschliche Keimbahn schon auf der technischen Ebene derzeit zahlreiche hohe Hürden entgegenstehen, deren mögliche Überwindung noch weitgehend spekulativ ist.“ Da sind zunächst die unter dem Überbegriff „Genom-Editing“ subsumierten Techniken, mit denen sich die DNA von Lebewesen verändern lässt und die durch die Entdeckung der CRISPR/Cas-Technologie vor einigen Jahren erheblichen Aufwind erfahren haben.

    Ethikrat entwickelt acht "ethische Orientierungsmaßstäbe"

    Im Verlauf seiner Stellungnahme entwickelt der Ethikrat acht „ethische Orientierungsmaßstäbe“, die aus Sicht der Ratsmitglieder für eine ethische Beurteilung von Keimbahneingriffen „maßgeblich und unerlässlich“ seien und spielt diese an drei Anwendungsszenarien durch: Menschenwürde, Lebens- und Integritätsschutz, Freiheit, Natürlichkeit, Schädigungsvermeidung und Wohltätigkeit, Gerechtigkeit, Solidarität und Verantwortung.

    Auch wenn das dort Ausgeführte tatsächlich geeignet ist, dem Leser vor Augen zu führen, was bei einer ethischen Beurteilung von Eingriffen in die menschliche Keimbahn alles in Betracht gezogen werden kann, so zeigt doch schon ihre bloße Nennung, dass es sich bei ihnen um letztlich wenig bestimmte Begriffe handelt, die daher von unterschiedlichen Menschen unterschiedlich gefüllt werden können.

    Im Rat herrscht Uneinigkeit, was die Orientierungsmaßstäbe betrifft

    Und so wundert es denn auch nicht, dass die Münchner Ärztin und Medizinethikerin Alena Buyx, Leiterin der Arbeitsgruppe, die die Stellungnahme erarbeitete, bei deren Vorstellung bekannte: „Was uns diese Orientierungsmaßstäbe zu Eingriffen in die Keimbahn sagen, war und ist im Rat durchaus umstritten.“ Nichts spricht dafür, dass dies auf internationaler Bühne anders sein wird.

    Warum dem Ethikrat bei der Diskussion um Keimbahn-Eingriffe ein gemeinsamer Wille fehlt, erfahren Sie in der aktuellen Ausgabe der „Tagespost“ vom 16. Mai 2019. Kostenlos erhalten Sie diese Ausgabe hier.

    DT

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