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    Geseke / Berlin

    Wenn Politik die Kirche prägen will

    Die CDU-Vorsitzende Annegret Kramp-Karrenbauer (Mitglied des Zentralkomitees der deutschen Katholiken) tritt für die Weihe von Frauen zu Priesterinnen ein. Von Peter Winnemöller

    Stellt Forderungen an die Kirche: Annegret Kramp-Karrenbauer, Vorsitzende der CDU. Foto: Bernd von Jutrczenka (dpa)

    Mit der Forderung nach Priesterinnen reiht sich die CDU-Vorsitzende in den Reigen derer ein, die die Kirche in eine nützliche, politisch steuerbare NGO umgestalten wollen. In der katholischen Kirche geht das so einfach nicht. Bezüglich des Weiheamtes gilt auch für Frau Kramp-Karrenbauer, dass Ordinatio sacerdotalis Glaubensgut der Kirche ist. Der Missbrauchsskandal ist eine offene Flanke der Kirche. In diese rammen auch Politiker nur zu gerne die Lanzen ihrer Forderungen. Als Mitglied des ZdK sollte Frau Kramp-Karrenbauer mindestens so viel Ekklesiologie mitbekommen haben, um sich Formulierungen wie „Die Kirche hat Schuld auf sich geladen.“ zu verkneifen. Da schwingt sie wieder nur die Moralkeule, um politischen Einfluss zu stärken.

    Es ist nicht die Aufgabe der CDU, die Kirche zu prägen

    Umgestaltung der Kirche zu einer NGO ist der Traum vieler Politiker. Die Kirche kann dann nicht mehr Stachel im Fleisch des Staates sein. Die Kirche muss das sein, denn sie ist nicht von dieser Welt. Sie wechselwirkt mit der Welt, indem sie die Menschen in Fragen des Glaubens und der Sitten lehrt. Das wollen Politiker im ZdK natürlich nicht wahrhaben. Es ist nicht die Aufgabe der CDU, die Kirche zu prägen. Es wäre umgekehrt die Aufgabe der CDU ihr politisches Handeln aus der Moral- und Soziallehre der Kirche herzuleiten und konkret in Tagespolitik umzusetzen.

    Sozialen Medien: Reaktionen auf Übergriffigkeiten von CDU–Politikern

    Man liest nach derartigen Übergriffigkeiten von CDU–Politikern in den sozialen Medien, man könne diesen oder jenen jetzt nicht mehr wählen. So einfach ist es nicht. Bezüglich der Wählbarkeit zählt nicht das kirchenpolitische sondern das staatspolitische Programm. Während man also durchaus Einmischungen von Politikern in die Kirche entschieden zurückweisen muss, gilt es für die Wählbarkeitsentscheidung ganz nüchtern Parteiprogramme und Politikeraussagen zu prüfen. Und da gibt es genug zu prüfen.

    Forderungen an die Kirche bringen keine Sympathiepunkte

    Gerade vor Wahlen sollte die emotionale Komponente nicht unterschätzt werden. Bei vielen Katholiken hat die Vorsitzende der CDU mit ihren übergriffigen Forderungen an die Kirche, keine Sympathiepunkte gewonnen. Da ist man emotional geneigt, das Kreuz am Wahltag woanders zu machen. Bei aller Notwendigkeit rationaler Wahlentscheidungen sollte man nie vergessen, dass auch Katholiken ihre Gefühle nicht vor der Wahlkabine liegen lassen.

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    DT (jobo)

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