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    Wallfahrtsbasilika Marienweiher: Stilles Leuchten im Frankenwald

    Aus Franken, der Oberpfalz und manchmal auch von weit entlegenen Orten pilgern die Menschen nach Marienweiher. Ein Ort, an dem man still werden kann. Die dortige Basilika zählt zu den ältesten Marienwallfahrtsorten Deutschlands.

    Basilika Marienweiher
    Der heutige barocke Kirchbau der Basilia Marienweiher entstand im 18. Jahrhundert. Foto: Imago

    Es ist ein kleiner, beschaulicher Ort, abseits der großen Pilgerwege gelegen. Nur rund 300 Einwohner sind dort zuhause. Aber ein Vielfaches an Menschen pilgert in jedem Jahr nach Marienweiher. Sie kommen aus Franken, der Oberpfalz und manchmal auch von weit entlegenen Orten, um jenes „Stille Leuchten“ zu schauen, das von der Muttergottes ausgeht. Worum es bei der Begegnung mit Maria geht, wird deutlich, wenn man die Homepage der Basilika ansteuert. Dort finden sich nur wenige, gut gewählte Worte und ein Link zum Bamberger Priesterseminar.

    Den Ruf Gottes hören

    Kein Zufall. Denn Marienweiher ist ein Ort, an dem man still werden kann. So still, dass es möglich ist, den Ruf zu hören, den Gott an uns richtet. Lernen können die Pilger, die sich auf den Weg machen, um vor der gotischen Madonna, dem Gnadenbild der Basilika, das Ende des 15. Jahrhunderts entstand, zu beten, von Maria selbst. Sie, die so viel zu sagen hat und dafür so bemerkenswert wenig Worte braucht, kommt in der Heiligen Schrift an vier Stellen zu Wort. Eines der Worte, die sie spricht, lautet „fiat. Mir geschehe, wie Du es gesagt hast.“ Wie Du es gesagt hast, formuliert Maria. Nicht, wie ich es mir vorstelle. Wer diese geistliche Grundhaltung trainieren möchte, hat mit Marienweiher ein gutes Ziel. Denn hier liegen die in der Regel Benedikts von Nursia vermittelten Grundwerte des Bleibens bei Christus und der steten Bereitschaft, sich von ihm wandeln zu lassen, gewissermaßen in der Luft.

    Marienbild nach Rettung vor Räubern gestiftet

    Die Tradition verbindet die erste Kirche des Ortes mit dem heiligen Bischof Otto von Bamberg, jenem Hirten, aus dessen Händen die große Marienverehrerin Hildegard von Bingen den Schleier empfing. Urkundlich belegt ist Marienweiher seit 1189 durch ein Siegel Bischof Ottos II., der die Kirche den Zisterziensern von Kloster Langheim zum Geschenk machte. Die Zisterzienser haben seit jeher einen Sinn dafür gehabt, sich von Maria zu Christus führen zu lassen, und in Marienweiher konnten sie zudem an die Erfahrung des Gerettetwerdens anknüpfen, die im 12. Jahrhundert ein sächsischer Fuhrmann machte, der in dem kleinen, damals Vordersee genannten Ort übernachtete, von Räubern überfallen wurde und zur Gottesmutter rief. Als Dank für sein glückliches Entkommen stiftete er ein Marienbild, das schon bald immer mehr Pilger anzog. Ab 1480 entstand nicht nur das Gnadenbild, das noch heute im Zentrum des barocken Hochaltars zu sehen ist, sondern auch die Kreuzigungsgruppe rechts vom Kircheingang und ein nächster Kirchbau, der das im Zuge der Hussitenkriege zerstörte Gotteshaus ersetzte.

    Kurzes reformatorisches Gastspiel

    Die 1574 von Pfarrer Johann Hofmann durchgeführte Reformation erlebte in Marienweiher nur ein kurzes Gastspiel. Schon 1594 wurde der protestantische Pfarrer Johann Götz seines Amtes enthoben und die Rekatholisierung durch den Bamberger Bischof durch die engagierte Unterstützung des Wallfahrtswesens vorangebracht. Mit Erfolg. Die Pilger strömten so zahlreich herbei, dass die kleine gotische Kirche nicht mehr ausreichte und zwischen 1617 und 1620 ein neuer Bau errichtet wurde.

    Zum Erfolg der Wallfahrt trug auch die Geschichte vom Befreiungserlebnis des Marktleugaster Bürgers Drescher bei. Er war im Zuge der Türkenkriege in Gefangenschaft geraten und ihm drohte aufgrund seiner Weigerung, seinem katholischen Glauben abzuschwören, die Hinrichtung. Nach einem Gebet zur Gottesmutter aber fand er sich wunderbarerweise unversehrt in der Basilika wieder, wo während der Wandlung auch seine Fesseln von ihm abfielen. Ein Bild, das viele Menschen ansprechen kann.

    Franziskanische Seelsorger

    1644 übernahmen Franziskanerbrüder die Wallfahrtsseelsorge. Sie stehen den Pilgern auch heute als Ansprechpartner zur Seite. Was das bedeutet, wird klar, wenn man einen Gottesdienst in der Basilika besucht. Jede Pilgergruppe wird persönlich begrüßt und dann kündigt der Pater an, dass er nun im Beichtstuhl all jenen zur Verfügung steht, die das Sakrament der Versöhnung empfangen möchten. Die Selbstverständlichkeit, mit der dieses Angebot gemacht wird, wirkt öffnend und manch einer findet hier wieder den Weg zurück in die Arme des barmherzigen Vaters. Was die Menschen bewegt, die nach Marienweiher kommen, ist an den zahlreichen Kerzen, Bildern und dem Dank ablesbar, der seine Spuren in der Kirche hinterlassen hat.

    Der heutige barocke Kirchbau entstand im 18. Jahrhundert. Das 1718/19 erbaute Langhaus wurde 1720 vom Bamberger Weihbischof Werner Schnatz eingeweiht. In den Jahren 1743 bis 1745 wurde der Turm errichtet und 1177 das Kloster der Franziskaner erweitert. Die Pläne für die Gesamtkirchenanlage stammen vom bambergischen Hofarchitekten Johann Jakob Michael Küchel – ein Zeichen der hohen Wertschätzung des Wallfahrtsortes.

    Neubelebung nach Säkularisation

    So wie die Reformation war auch die Säkularisation nur ein kurzes Intermezzo. Der 1802 erfolgten Auflösung des Klosters folgte 1828 die von König Ludwig I. von Bayern erlaubte Wiedererrichtung und die Neubelebung des Ordenslebens, das eine so wichtige Funktion für die Wallfahrt hat. Die Wallfahrtssaison beginnt am 1. Mai, an dem traditionell die Gemeinde aus Oberwarmensteinach nach Marienweiher pilgert. Viele Pfarreien des Erzbistums Bamberg haben die Pilgerfahrt zur Gottesmutter im Frankenwald zu einer festen Tradition werden lassen und manch eine Gemeinde ist, wie beispielsweise die Gläubigen aus St. Marien in Hof, zu deren Dekanat die Basilika gehört, schon über 100 Mal dort gewesen.

    Wer sich ein Bild von dem Lichtnetzwerk des Glaubens machen will, das so im Laufe der Jahrhunderte rund um Marienweiher entstanden ist, findet im Internet eine Landkarte, auf der all jene Orte verzeichnet sind, die durch eine regelmäßige Wallfahrt mit dem Gnadenort verbunden sind. Aber natürlich gibt es auch über diesen organisierten Wallfahrtsbetrieb hinaus eine steigende Anzahl von Menschen, die in der Stille des Frankenwaldes darauf hören möchten, was Maria uns heute zu sagen hat.

    Raum der Hoffnung

    Wer sich auf den Weg in den kleinen Ort macht, findet dort neben der Basilika auch den Raum der Hoffnung. Er kann, ebenso wie die Kirche und die Klosteranlage, auch virtuell besichtigt werden. Die gelungene Verbindung aus modernem Andachtsraum mit einem zentralen Rundfenster, in das ein Kreuz eingelassen ist, wird von einer Pieta und einer Figur des Herrn im Grab flankiert. Beide Skulpturen sind jeweils von Lichtkreisen überstrahlt, die auf das Licht der Auferstehung verweisen. Der 360 Grad Blick, den man auch in die Basilika selbst werfen kann, dient nicht nur der Vorfreude auf den Besuch in Marienweiher, sondern ermöglicht es auch, manch ein Detail des Kirchraumes im Nachklang der Pilgerreise noch einmal genauer zu betrachten.

    Der Besuch, ob im Internet oder vor Ort, lohnt sich. Denn die Basilika Marienweiher – zusammen mit dem Bamberger Dom, Vierzehnheiligen und der Basilika Gößweinstein eine der vier basilicae minores des traditionsreichen Erzbistums, zählt zu den ältesten Marienwallfahrtsorten unseres Landes.

    Eigene Stiftung zum Erhalt

    Von der langen und traditionsreichen Geschichte künden auch die Glocken der Basilika, die aus den Jahren 1716 bis 1958 stammen und so nicht nur ein klangliches, sondern auch ein historisches Spektrum zum Klingen bringen. Die in den historischen Barockprospekt eingebaute Orgel des Kirchenraumes stammt aus der Orgelbauwerkstatt der Gebrüder Mann in Marktbreit am Main und wurde 1988 konzipiert. Seit 2010 gibt es ein aus Mitteln des EU-Förderprogramms Leader, des Landkreises Kulmbach, der Marktgemeinde Marktleugast, der Kirchenstiftung Marienweiher und des Fördervereins finanziertes Pilgerbüro. Um die Pflege und die bei historischen Bauten stets notwendigen Restaurierungsarbeiten kümmert sich seit 2014 die Stiftung der Wallfahrtsbasilika.

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