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    Mit Sonnenkraft nach Senftenberg

    „Mein Wecker klingelt morgens um sechs“, sagt Marianne Löwa. Mit einem Wischmopp geht die 33-Jährige noch einmal über den Boden im Oberdeck ihres neuen Schiffes, der Aqua Phönix. Alles soll glänzen. Denn gleich kommen die ersten Fahrgäste. Löwa nennt die Aqua Phönix liebevoll ihr „Baby“, was wohl auch daran liegt, dass die Geburt des hochmodernen Solar-Katamarans mehr als eineinhalb Jahre auf sich warten ließ. „Probleme administrativer Art“, wie es aus Kreisen ihrer Mitarbeiter heißt.

    Traumschiffe: Der Yachthafen von Senftenberg. Foto: Vallendar

    „Mein Wecker klingelt morgens um sechs“, sagt Marianne Löwa. Mit einem Wischmopp geht die 33-Jährige noch einmal über den Boden im Oberdeck ihres neuen Schiffes, der Aqua Phönix. Alles soll glänzen. Denn gleich kommen die ersten Fahrgäste. Löwa nennt die Aqua Phönix liebevoll ihr „Baby“, was wohl auch daran liegt, dass die Geburt des hochmodernen Solar-Katamarans mehr als eineinhalb Jahre auf sich warten ließ. „Probleme administrativer Art“, wie es aus Kreisen ihrer Mitarbeiter heißt.

    Löwa ist gelernte Schiffsführerin und hat wahrscheinlich den schönsten Arbeitsplatz, den es zurzeit in der Bundesrepublik zu vergeben gibt. Denn die junge Frau arbeitet auf dem Wasser, zwischen Berlin und Dresden. Dort entsteht durch die Flutung früherer Tagebaue eine spektakuläre Wasserwelt mit mehr als zwei Dutzend künstlichen Seen, die eine Landschaft einmaligen Ausmaßes formen werden. „Bis 2021 wird mit dem Altdöberner See wohl der letzte See geflutet sein“, sagt Katja Wersch, Pressesprecherin des Tourismusverbandes Lausitzer Seenland e.V. „Und schon in wenigen Jahren werden zehn Seen durch schiffbare Kanäle miteinander verbunden sein“, freut sich Marianne Löwa. Das Lausitzer Seenland ist eine Urlaubsregion, die sich immer mehr vom Braunkohlerevier zur größten, von Menschenhand geschaffenen Wasserlandschaft Europas entwickelt. Und wo auch der katholische Glaube in der von Sorben besiedelten Region noch immer eine wichtige Rolle spielt.

    Marianne Löwa stammt aus Brandenburg und hat den schulischen Teil ihrer Ausbildung in Duisburg absolviert, „als einzige in einer Klasse voller Jungs“, wie sie betont. Wer das durchgezogen hat, weiß sich im Leben durchzusetzen. Duisburg hat den größten Binnenhafen Europas und gilt allgemein als Kaderschmiede für angehende Seeleute und Binnenkapitäne. „Nach meiner Abschlussprüfung bin ich mehrere Jahre Fluss auf- und abwärts gefahren, zuletzt für ein Schweizer Unternehmen“, sagt Löwa, die fast alle Binnenwasserstraßen Europas kennt wie ihre Westentasche. Bis vor wenigen Jahren das Angebot aus der Niederlausitz kam, dort eine eigene Flotte aufzubauen. Dabei hätten auch private Motive eine Rolle gespielt, sagt sie. Zwar liebe sie das „Zigeunerleben“, doch zugleich sei sie auch sehr heimatverbunden. „Hier gibt es jetzt genug Wasser für dich“, soll ihre Mutter am Telefon gesagt haben.

    Immer deutlicher entwickelt sich das Grenzgebiet zwischen Sachsen und Brandenburg zur führenden Freizeit- und Tourismusregion in Europa. Und doch ist die Gegend noch immer ein Geheimtipp, der den Vergleich mit Bayern, Berlin oder der Côte d'Azur schon längst nicht mehr scheuen muss. Nach dem Zusammenbruch der DDR war die Niederlausitz eine Kraterlandschaft, die an Fotos vom Mond oder Mars erinnerte. Und wo niemand ahnte, dass sich die ruinierte Natur so schnell und nachhaltig vom Raubbau erholen würde. „Wo früher Bagger, Fließbänder und Fördertürme standen, um Tag und Nacht die Erde zu durchwühlen, blüht heute der Tourismus, sind Seegrundstücke fast schon so teuer wie in Saint Tropez oder auf Sylt“, sagt Alexander Max Kraß, Jurist und Immobilienexperte aus Berlin. Ganz zu schweigen vom Senftenberger Hafen, der locker als Kulisse für einen Werbefilm aus der Yachtbaubranche herhalten könnte. Ein Wirtschaftszweig, der nach wie vor von Männern bestimmt wird. „Und mit denen ich besser klarkomme als mit Meinesgleichen“, sagt Marianne Löwa augenzwinkernd über ihre für Mädchen eher ungewöhnliche Berufswahl. Seit zwei Jahren ist die zierliche Frau mit den rot gefärbten Haaren und blauem Tattoo auf dem linken Unterarm nun stolze Reederin, betreibt in der neu geschaffenen Seenlandschaft zwischen Senftenberg, Niemtsch und Großkoschen ihre eigene Flotte, deren Schiffe im Eineinhalbstundentakt die schönsten Strandabschnitte befahren und den Gästen den Wind um die Nase wehen lassen. „Weitere Wasserfahrzeuge sind in Planung“, sagt Marianne Löwa.

    Das alte Schiff, die Santa Barbara, hat Marianne Löwa von ihrem Vorgänger übernommen, der heute als Angestellter für sie arbeitet, das andere, die Aqua Phönix, ist eine Spezialanfertigung für die Gewässer der Niederlausitz, bei dem die örtliche Sparkasse als Kreditgeber mit im Boot sitzt. In wenigen Jahren wird die Aqua Phönix wohl sämtliche Seen der Niederlausitz ansteuern und damit voll ausgelastet sein.

    „Zurzeit werden die letzten Verbindungskanäle geflutet, was aber naturgemäß nicht von heute auf morgen geschieht“, erklärt Katja Wersch, die PR-Frau des Tourismusverbandes. Immerhin ist das Leben an Bord der Aqua Phönix schon jetzt ein kleiner Gaumenschmaus. „Wir servieren auch Speisen und kalte Getränke“, sagt Löwa mit Hinweis auf die Fahrgastordnung, nach der das Essen und Trinken aus dem Rucksack an Bord untersagt ist. Später wolle sie auch Partys und andere Events anbieten.

    „Denn allein von den Fahrpreisen könnte sich das Unternehmen kaum tragen“, sagt Löwa. Das Bordbistro ist daher nicht nur ein Spiegel der sächsischen Küche, sondern auch ein Pfeiler im Finanzierungskonzept des High-Tech-Katamarans. Von Mai bis Oktober muss die Reederin damit so viel Geld einnehmen, dass sie den Rest des Jahres davon leben kann, sagt sie. Als Schwertransport deklariert und auf robusten Lkws verladen wurde die Aqua Phönix erst Anfang Juli an ihren künftigen Bestimmungsort in Großkoschen, im Süden Brandenburgs gebracht, dort getauft und zu Wasser gelassen. 15 Jahre läuft der Vertrag, den Marianne Löwa mit ihren Partnern für die befahrbaren Strecken in der Lausitzer Seenlandschaft geschlossen hat. Für die Zukunft sei sie gut gewappnet, zeigt sich die ambitionierte Reederin optimistisch. „Immer vorausgesetzt, der Tourismus entwickelt sich bei uns so gut wie bisher“.

    www.lausitzerseenland.de