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    Das Wandern ist des Müllers Lust

    „Das Wandern ist des Müllers Lust“. Dieser erste Vers des um 1820 von Wilhelm Müller verfassten Volksliedes hätte für die Westfälische Mühlenstraße geschrieben sein können. Schon von weitem leuchten die Flügel der Windmühle Strukhof am Rande eines Weizenfeldes. Vorsichtig löst Heinz Kröger die Bremse und schaltet den Elektromotor ein. Es knackt im Gebälk. Vier mächtige Segelflügel drehen ihre Runden. „Mein Vater hat die Müllerei bis 1970 betrieben“, berichtet Kröger: „Heute ist dieser Wall-Holländer eine von 42 Mühlen, die der Mühlenverein Minden-Lübbecke in den achtziger Jahren ins Mühlenerhaltungsprogramm aufnahm.“ Wie bei vielen anderen Mühlen auch, gibt es an verschiedenen Wochenenden im Jahr Mahl- und Backtage. „Dann mahlen wir wieder Mehl wie in alten Zeiten. Allerdings nur, um zu zeigen, wie es einmal war.“

    „Das Wandern ist des Müllers Lust“. Dieser erste Vers des um 1820 von Wilhelm Müller verfassten Volksliedes hätte für die Westfälische Mühlenstraße geschrieben sein können. Schon von weitem leuchten die Flügel der Windmühle Strukhof am Rande eines Weizenfeldes. Vorsichtig löst Heinz Kröger die Bremse und schaltet den Elektromotor ein. Es knackt im Gebälk. Vier mächtige Segelflügel drehen ihre Runden. „Mein Vater hat die Müllerei bis 1970 betrieben“, berichtet Kröger: „Heute ist dieser Wall-Holländer eine von 42 Mühlen, die der Mühlenverein Minden-Lübbecke in den achtziger Jahren ins Mühlenerhaltungsprogramm aufnahm.“ Wie bei vielen anderen Mühlen auch, gibt es an verschiedenen Wochenenden im Jahr Mahl- und Backtage. „Dann mahlen wir wieder Mehl wie in alten Zeiten. Allerdings nur, um zu zeigen, wie es einmal war.“

    Nur wenige Kilometer weiter im Mühlenstübchen der Wassermühle Bergkirchen bewirtet Eigentümerin Renate Haupt ihre Gäste mit Schmalzbroten und frisch gebackenem Kuchen. „Der Mühlenverein gründete sich 1978“, erzählt sie: „Er hat die einzelnen Mühlen gepachtet und ihre Restaurierung und Pflege übernommen.“ Nachdem in den fünfziger Jahren das große Mühlensterben einsetzte, begannen die Gebäude allmählich zu verfallen. „Für jede Mühle bildeten sich Mühlengruppen mit ehrenamtlichen Mitgliedern, die die einzelnen Mühlen betreuen und die unterschiedlichen Mahlwerke vorführen.“ So wie Herbert Hohmeier, der Interessierte in die Gewinnung von Walnussöl einweiht: „Für einen Liter Öl benötige ich fünf Pfund Walnüsse, die ausschließlich aus der Region stammen.“

    Die Mühlenroute verbindet auf einem Rundkurs von 320 Kilometern 42 Mühlen unterschiedlichen Typs zu einer Art Mühlenmuseum. An dem im Jahre 2001 eröffneten 65 Kilometer langen „Wanderweg der Müllerburschen“ stehen immerhin elf Mühlen, die besichtigt werden können. Neben verschiedenen Wind- und Wassermühlen gibt es eine Ross- und eine Schiffmühle. Da die meisten von ihnen nicht täglich geöffnet sind, empfiehlt es sich, den Besuch vorher anzumelden.

    Der Mühlensteig beginnt in Preußisch-Oldendorf an der Fachwerk-Gutswassermühle Holzhausen-Hudenbeck und verläuft in West-Ost-Richtung durchs Wiehengebirge zur Porta Westfalica. Dort trennt die Weser das Wiehen- vom Wesergebirge. Gut zu sehen ist dies vom 1896 von Kaiser Wilhelm II. eingeweihten Kaiser-Wilhelm-Denkmal, das an seinen Großvater Kaiser Wilhelm I. erinnert. Der „Wanderweg der Müllerburschen“ ist durch einen weißen Mühlenstein auf schwarzem Grund gekennzeichnet. Röckemanns Erd-Holländer-Windmühle in Eisbergen ist das letzte Etappenziel. Genausogut lässt sich der Mühlensteig auch entgegengesetzt laufen. Die vier Tagesetappen sind zwischen 15 und 20 Kilometer lang.

    Eine Besonderheit ist die Rossmühle Oberbauerschaft von Christopf Meyer zu Kniendorf. Es handelt sich um einen achteckigen Fachwerkbau aus dem Jahre 1797 mit rundem Reetdach. „Ungefähr bis 1920 war dies eine Flachsmühle“, berichtet der Mühleneigentümer: „Getrocknete Flachsstängel wurden in der ,Bokemühle‘ unter drei Stampfern weichgeklopft (gebokt).“ Danach hechelten (kämmten) die Frauen des Ortes die gebrochenen Stängel auf einem Nagelblock, um später die Fäden zu verspinnen. „Nicht nur der Flachs wurde durchgehechelt, sondern auch die eine oder andere Neuigkeit aus dem Dorf.“ Damit sich das Stampfwerk in Bewegung setzen konnte, drehten zwei bis sechs Pferde ein hölzernes Kammrad von 32 Metern Umfang. Seit 1985 wird die Mühle nur noch ein- bis zweimal im Jahr zu Vorführzwecken mit Pferden betrieben.

    Per Ausflugsdampfer oder über den Weser-Radwanderweg gelangt der Besucher zur Schiffmühle Minden. Ein mächtiges, unterschlächtiges Schaufelrad ächzt in der Weser hinter einem kleinen Hausschiff. Im 17. Jahrhundert gab es zwölf Mühlen dieser Art entlang des Flusses. Doch ihr Niedergang begann bereits ein Jahrhundert später. Der Grund waren der zunehmende Schiffsverkehr auf der Weser und die leistungsstärkeren Windmühlen. Und weiter geht es zur nächsten Mühle. Ganz nach dem Motto des letzten Verses des Volksliedes: „Herr Meister und Frau Meisterin, lasst mich in Frieden weiterziehn und wandern.“

    von Dagmar Krappe