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    Berlin

    Menschliches Gehirn auf künstlichem Körper

    "The Beyond" überzeugt mit seiner Inszenierung und seinen ansprechenden Aufnahmen. Allerdings wirbt er auch für einen neuen Schritt zum Transhumanismus.

    Das Gehirn der Wissenschaftlerin Jessica Johnson (Noeleen Comiskey) wird in einen synthetischen Körper transplantiert, d... Foto: Studio Hamburg

    In dem gerade auf DVD erschienenen Science-Fiction-Film „The Beyond“ erzählt Drehbuchautor und Regisseur Hasraf Dulull von einer plötzlich auftretenden „Anomalie“ über der Erde. Es beginnt, indem es auf der Internationalen Raumstation unvermittelt zu einem Stromausfall kommt. Astronaut Jim Marcell wird vermisst. Über der Erde taucht ein mysteriöses Wurmloch auf, dem Wissenschaftler den Namen „The Void“ („Die Leere“) geben. Die Leiterin der Weltraumbehörde Gillian Laroux (Jane Perry) schickt Sonden in die Anomalie, die verloren gehen.

    Das ursprüngliche Vorhaben von Gillian Laroux, Astronauten dorthin zu entsenden, wird jedoch verworfen, nachdem Professor Jakob Brukiehm (David Bailie) darauf hinweist, dass sie den Druck der vom Wurmloch ausgehenden Gravitationswellen nicht standhalten könnten. Deshalb wird auf eine vom Militär entwickelte Robotertechnologie namens „Human 2.0“ zurückgegriffen: Ein menschliches Gehirn wird in einen synthetischen Körper transplantiert.

    Nachdem der Versuch mit dem ersten Kandidaten, dem Rollstuhlfahrer und Drohnenpilot Carl Roberts (Tom Christian), scheitert, fällt die Wahl auf die Kosmologie-Wissenschaftlerin Jessica Johnson (Noeleen Comiskey). Sie steht nun vor der Frage, ihr bisheriges Leben aufzugeben: Sie würde dann in einem ganz anderen Körper weiterleben, falls sie überhaupt aus der Mission zurückkehrt. Denn was in der „Leere“ des Wurmlochs oder an dessen Ausgang sein könnte, vermag niemand zu sagen.

    Inszenierung mit Off-Stimme und Interviews

    Interessant an Hasraf Dululls Film ist zunächst einmal die Inszenierung mit einer Off-Stimme und Interviews, die eine „Dokumentation“ suggerieren. Die Weltall-Bilder des Kameramanns Adam Batchelor bestechen ebenfalls durch deren Originalität, auch wenn sich etwa der Rollstuhlfahrer, der sich vom neuen „Körper“ die Überwindung seiner Verletzung erhofft, wenig originell ausnimmt: „Avatar – Aufbruch nach Pandora“ (DT vom 22.12.2009) lässt grüßen.

    Transhumanismus und Ökologie

    Die Einführung einer Verknüpfung von künstlichem Körper und einem menschlichen Gehirn wäre ein einschneidender Schritt in Richtung Transhumanismus: „Wir haben jetzt unseren ersten Human 2.0. Wir sind jetzt buchstäblich wie Gott“, heißt es. Dies geht natürlich von der zeitgeistigen Vorstellung aus, „alles, was mich ausmacht, ist in meinem Bewusstsein“. Transhumanismus ist aber nicht das einzige Zeitgeist-Thema im Film. Gegen Ende vermittelt „The Beyond“ eine überdeutliche Öko-Botschaft: Nachdem die Überbevölkerung und die immer knapper werdenden Ressourcen angesprochen werden, heißt es: „Wir sollen nicht dieselben Fehler machen, die wir seit Jahrhunderten machen.“

    „The Beyond“. Regie: Hasraf Dulull, Großbritannien 2017, 91 Minuten, EAN 4-05291297-227-8, EUR 11,69 (Amazon)

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