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    Urlaub

    Familienferienstätten: Ferien für die ganze Familie

    Erholung, Begegnung und Bildung: All das bietet ein Urlaub in Familien-Ferienstätten.

    Auf die Sommerferien freuen sich alle Kinder. Für sie beginnt damit die schönste Zeit des Jahres, ohne lästige Hausaufgaben und laute Wecker. Während viele Familien nun gerne viel mit ihren Kindern unternehmen und Freunde treffen, bräuchten so manche Eltern – erschöpft durch den Alltag – eher eine Auszeit für sich.

    Ferien bedeuten aber für Eltern Hauptarbeitszeit ohne Urlaubsanspruch. Es wird oft übersehen, dass die Schule neben ihrer Bildungsaufgabe auch eine Familien entlastende Betreuungsfunktion wahrnimmt, die in den Schulferien wegfällt. Insofern können die langen Ferien etwa für Großfamilien oder beruflich stark eingespannte Eltern eine große Herausforderung darstellen.

    Bezahlbarer Urlaub für Familien

    Genau hier setzen die gemeinnützigen Familienferienstätten an. Sie ermöglichen Familien einen bezahlbaren Urlaub, in dem sowohl die Bedürfnisse der Eltern als auch jene der Kinder berücksichtigt werden. Durch die Begegnung mit anderen Familien finden die Kinder schnell Spielkameraden, und die Eltern treffen auf Gleichgesinnte. Zuweilen entstehen dauerhafte Freundschaften, denn wer einmal die belebende Luft der Familienerholung geschnuppert hat, kommt gerne wieder.

    Förderung seit 1956

    Familienferienstätten sind eine Einrichtung der Kinder- und Jugendhilfe. In Paragraf 16 SGB VIII ist der präventive Fördergedanke der gemeinnützigen Familienerholung gesetzlich verankert. Er regelt die allgemeine Förderung der Erziehung in der Familie, zu der neben Angeboten der Familienbildung und Familienberatung insbesondere Familienfreizeiten und Familienerholung zählen.

    Bereits 1956 hatte der Bund begonnen, bauliche Maßnahmen von gemeinnützigen Familienerholungsstätten zu fördern. Das Ziel war damals die Erholung der Familien nach den harten Kriegs- und Nachkriegsjahren. Gefördert wurden zunächst vor allem kinderreiche und junge Familien. Schon in den 1960er Jahren stand nicht mehr die Erholung allein im Fokus, vielmehr sollte auch die Erziehungskraft der Familien durch informelle Bildungsangebote gestärkt werden. Dabei ging es um gute Eltern-Kind-Beziehungen als Voraussetzung für die physische und psychische Gesundheit aller Familienmitglieder.

    Breitere Zielgruppen entdeckt

    In den 1970er Jahren wurden die Bedürfnisse von Familien mit behinderten Kindern stärker berücksichtigt. Zwei Drittel der Plätze waren für besonders belastete Familien zu reservieren. Nach der Wiedervereinigung wurde die Familienerholung auch in den neuen Bundesländern aufgebaut, wo es zuvor eine flächendeckende Versorgung mit Urlaubsmöglichkeiten gegeben hatte.

    Inzwischen sind weitere Zielgruppen mit spezifischen Anforderungen im Familienleben in den Blick geraten, wie Alleinerziehende oder Familien mit pflegebedürftigen Angehörigen.

    Neben konfessionellen Trägern werden die Häuser für die Familienerholung von der Arbeiterwohlfahrt, dem Deutschen Roten Kreuz, den Naturfreunden und dem Paritätischen Wohlfahrtsverband betrieben. In der Bundesarbeitsgemeinschaft Familienerholung (BAG) zusammengeschlossen, gestalten sie den Urlaub so, dass sich die Familien wohlfühlen.

    Eigene Qualitätsstandards der BAG

    Zu den Qualitätsstandards der BAG gehören eine kinder- und familienfreundliche Atmosphäre und Unterbringung sowie eine baby- und kindgerechte Ausstattung. Auf den Tisch kommt abwechslungsreiches, gesundes Essen. Die Familien verbringen eine entspannte Zeit miteinander, Eltern und Kinder können aber auch eigenen Interessen nachgehen und sich sportlich, musisch oder kreativ betätigen. Außerdem bieten die Familienferienstätten Information und Beratung zu Themen wie Erziehung, Gesundheit, Ernährung, Medien und Glauben an.

    Dies tut den Familien so gut, dass bei der BAG regelmäßig Rückmeldungen wie die folgende eingehen: „Wir freuen uns am meisten, dass uns Essen kochen, aufräumen, Kinderbetreuung – das, was uns im Alltag am meisten belastet, abgenommen werden und wir uns wieder auf uns selber und die Kinder konzentrieren können, auf die Dinge, die wirklich zählen. Die Kraft, die wir in unserem Urlaub in der Familienferienstätte tanken, hilft uns durch das ganze Jahr hindurch.“

    Landschaftlich reizvolle Umgebung

    In landschaftlich reizvollen Gegenden Deutschlands von den Bergen bis zur See können die Familien unter mehr als 80 Familienferienstätten auswählen. Eine Liste aller Häuser und ein Buchungsportal befinden sich auf der Homepage der BAG.

    Ein Beispiel für einen kirchlichen Träger ist das Familienerholungswerk der Diözese Rottenburg-Stuttgart (FEW). Das FEW betreibt drei Feriendörfer mit unterschiedlicher Schwerpunktsetzung. Gemeinsam ist ihnen das freiwillige spirituelle Angebot und die zeitliche Beschränkung des Kinder- und Jugendprogramms, damit die Familien auch etwas miteinander unternehmen können.

    Eglofs im Allgäu hat sich das Motto „Der Natur so nah“ gegeben. Die weitläufige Anlage bietet viel Platz im Freien. Für die Jüngeren gibt es mehrere Spielplätze, während ältere Kinder und Jugendliche gerne den Fußball- und Beachvolleyball-Platz oder die Kletterwand nutzen. In den Ferienhäusern kommen bis zu acht Personen unter, in den sechs größten Häusern sogar bis zu 14 Personen. Einige Gäste schätzen besonders die Nähe zur Wallfahrtsstätte Wigratzbad.

    Dankbare Familien

    Das Feriendorf Schramberg liegt am Waldrand. „Erleben, entdecken, entfalten“, heißt es hier. Dazu laden der Hoch- und Niedrigseilgarten, verschiedene Feuerstellen und Grillplätze ein. Die Familien sind dankbar, dass das Feriendorf wieder geöffnet ist. So meint Familie P.: „Es war unser fünftes Mal in Schramberg und trotz der Coronavorschriften war es einer unserer schönsten Aufenthalte, tolle Angebote vom Feriendorf, tolle Umgebung, wo wir immer noch jedes Jahr was neues entdecken. Es fiel uns richtig schwer, heim zu fahren, weil Schramberg wie eine zweite Heimat ist.“ Eine Familie, die anonym bleiben will, lobt das gute Preis-Leistungs-Verhältnis: „Kein unnötiger Luxus und somit ein gutes Gefühl, etwas für die Nachhaltigkeit getan zu haben (gerade bei Anreise ohne Auto, wofür Handtücher usw. gestellt werden)!“

    Moderate Preisgestaltung

    Das Feriendorf Langenargen mit der besonderen Lage am Bodensee führt „Unsere Zeit am See“ als Motto. Neben den Familien-Freizeiten in den Ferienzeiten werden in Langenargen auch Weiterbildungen, Fasten nach der Heiligen Hildegard oder Veranstaltungen für Gästegruppen mit besonderen Bedürfnissen angeboten. Besonders gut kam eine Woche Erholung für Parkinson-Erkrankte an, denn diese Gruppe war im vergangenen Jahr durch die staatlichen Vorschriften extrem eingeschränkt. Eine Teilnehmerin hatte bei der Verabschiedung Tränen in den Augen, so gut hatte es ihr getan, wieder unter Menschen zu sein.

    Um vielen Familien diese besondere Art eines Urlaubs zu ermöglichen, achten die gemeinnützigen Träger auf eine moderate Preisgestaltung. Familien mit kleinen oder mittleren Einkommen erhalten ermäßigte Preise. Einige Bundesländer gewähren Zuschüsse, und in Thüringen und Nordrhein-Westfalen wurde im Zuge der Corona-Pandemie ein neues Sonderprogramm aufgelegt. Beim FEW bietet auch die katholische Stiftung „Lebensraum für die Familie und Soziales Wohnen“ Unterstützung an. Sie fördert Familien mit Wohnsitz innerhalb der Diözese Rottenburg-Stuttgart oder im Erzbistum Freiburg, wenn mindestens ein Familienmitglied katholisch ist.

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