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    Würzburg

    Spiele schaffen Gemeinschaft

    Noch sind die Tage kurz, die Abende lang. Davon sollten nicht nur die Fernsehmacher profitieren, sondern vor allem die Familien. Eine Möglichkeit sind Gesellschaftsspiele, vor allem mit christlicher Grundierung. Hier wird eine Auswahl vorgestellt.

    Elfenland de luxe
    Elfenland de luxe Foto: Alan R. Moon (Amigo)

    Schach“ und „Go“ sind nicht nur Klassiker, sie gelten für viele auch als die besten Spiele der Welt. Der Verlauf einer Partie ist mitunter recht komplex, kann aber berechnet werden, insofern man die möglichen Züge des Gegners in seine Überlegung einbezieht.

    „Gesellschaftsspiele sind vielschichtig und erzählen überdies eine Geschichte.“

    2006 gewann das Programm „Deep Fritz“ gegen den amtierenden Schachweltmeister Wladimir Kramnik; zehn Jahre später schlug „AlphaGo“ den weltbesten „Go“-Profi Lee Sedol. Wie brilliant diese Klassiker auch sein mögen, so verlieren sie doch an Faszination, wenn letztlich alles auf die Rechentiefe ankommt.

    Tatsächlich lassen sich Brettspiele als mathematische Formel darstellen, doch bei neueren Spielen kommen auch andere Faktoren wie Glück, Bluff, Merkfähigkeit, Kommunikation, Raumvorstellung, Kreativität und soziale Intelligenz zum Tragen. Heutige Gesellschaftsspiele sind vielschichtig und erzählen überdies eine Geschichte. Gerade dies macht ihren Reiz aus. Einige seien hier, als keineswegs erschöpfende Auswahl, vorgestellt.

    „Hol's der Geier“ (Amigo) von Alex Randolph

     

    Bei „Hol's der Geier“ (Amigo) von Alex Randolph kann jeder einmal gewinnen. Hier kommt es vor allem auf das Einfühlungsvermögen an, denn um Erdmännchen mit möglichst hohen Pluspunkten zu gewinnen, muss man eine höhere Zahl als die Gegner legen, keinesfalls aber die gleiche. Eine Partie ist schnell gespielt, so dass man gleich noch Zeit für eine weitere Runde hat. Empathie braucht man auch bei dem Detektivspiel „Heimlich & Co“ (Amigo) von Wolfgang Kramer, denn es gilt herauszufinden, welcher Spieler hinter welcher Figur steht. Reihum darf man die Detektive vorwärts bewegen, wobei man seinen eigenen Pöppel nicht zu offensichtlich bevorzugen sollte, da sonst seine Identität aufgedeckt wird. Dieses Familienspiel sollte in keiner Spiele-Sammlung fehlen.

    „Roam“ (Leichtkraft) von Ryan Laukat

    „Roam“ (Leichtkraft) von Ryan Laukat schlägt jeden Zocker ab zehn Jahren in seinen Bann. Hier dienen sechs Karten, unter denen man Verbündete findet, als Spielbrett: Während die Vorderseite eine Landschaft zeigt, die es mit Steinen zu besetzen gilt, ist auf der Rückseite ein Charakter abgebildet, der weitere Landschaften zu erobern hilft. Durch Artefakte kann man sehr dynamisch in den Verlauf einer Partie eingreifen. Gefordert sind sowohl räumliches Vorstellungsvermögen, als auch taktisches Geschick. Leider ist das überaus bemerkenswerte Spiel derzeit nur im Fachhandel oder über Internet erhältlich.

    Identitätsstiftend: Spiele zu Geschichte und Geografie

    Phantastische Welten wie in „Roam“ laden zum Träumen ein, die Auseinandersetzung mit der realen Geschichte stiftet Identität. Beim Gesellschaftsspiel „7 Wonders – Duell“ (Repors) streiten zwei Kontrahenten um die Vorherrschaft in der Antike. Wie der Name schon ahnen lässt, geht es um die sieben Weltwunder. Der Mechanismus ist gleichermaßen kompakt wie komplex: Wenn man ihn einmal verstanden hat, eröffnet sich eine Fülle von Möglichkeiten, die man von Partie zu Partie effektiver zu nutzen lernt. Mit jedem Zug muss man sich entscheiden, ob man in Handel, Produktion, Militär oder Wissenschaft investiert.

    „1066 – Der Kampf um England“ von Tristan Hall (Schwerkraft)

    „1066 – Der Kampf um England“ von Tristan Hall (Schwerkraft) hat den Krieg zwischen Normannen und Angelsachsen zum Inhalt. Beide Kontrahenten treten in einen ebenso erbitterten wie spannungsreichen Zweikampf. Kein historisches Spiel verfügt über eine höhere Detailtiefe: Die bedeutsamen Schlachtfelder lernt man ebenso kennen wie die maßgeblichen Persönlichkeiten. Nachdem der Halleysche Komet gesichert wurde, tragen die Normannen das päpstliche Banner in den Streit, während sich die Angelsachsen dem Segen ihrer Bischöfe anvertrauen. Das exzellent gestaltete Material lädt zum Verweilen ein, der rasante Mechanismus fordert wieder und wieder Revanche.

    „Westfrankenreich“-Serie von Shem Phillips und S. J. Macdonald

    Ebenfalls im Schwerkraft-Verlag wurde die „Westfrankenreich“-Serie von Shem Phillips und S. J. Macdonald ediert, welche die Ära nach der Teilung des karolingischen Reichs 843 zum Inhalt hat. Bei den „Architekten des Westfrankenreichs“ gilt es, verschiedene Gebäude zu errichten und eine Kathedrale auszubauen, um sich so im Adelsstand zu etablieren. „Die Paladine des Westfrankenreichs“ hingegen müssen sich gegen die Bedrohung durch Moslems, Wikinger sowie Eindringlingen aus dem Osten wehren. Dies geschieht nicht nur durch Waffengewalt, sondern auch durch Bekehrung, das Entsenden von Mönchen und durch Glaubenspunkte. Unverkrampft wird das christliche Abendland thematisiert, mit einer an Comics angelehnten Illustration das Mittelalter für heutige Jugendliche greifbar gemacht. Wer bereit ist, sich intensiv mit Regeln auseinanderzusetzen und mehr auf Kampf, denn auf Kommunikation setzt, für den dürfte die „Westfrankenreich“-Serie genau richtig sein.

    „Orléans Stories“ (DLP-Games) von Reiner Stockhausen

    Profi-Zocker, die sich gerne in anspruchsvolle Anleitungen hineindenken, sei wärmstens „Orléans Stories“ (DLP-Games) von Reiner Stockhausen empfohlen. Die ursprüngliche Version von „Orléans“ wurde 2015 zum „Kennerspiel des Jahres“ nominiert und glänzt durch pfiffige Mechanismen, durch eine an die mittelalterliche Buchmalerei angelehnte Grafik sowie durch die christliche Thematik. Die Klöster mit ihren Mönchen bilden den Mittelpunkt in einer Welt von Rittern, Bauern, Gelehrten und Handwerkern. Wer schafft es, binnen 18 Runden seine Kultur auf verschiedenen Gebieten am weitesten auszubauen? Nach mehreren Erweiterungen liegt mit „Orléans Stories“ nun eine eigenständige Variante vor, welche auf Basis der bisherigen Regeln über mehrere Partien hinweg eine Geschichte erzählt. Die Spieler durchschreiten von Match zu Match mehrere Epochen und werden so selber ein Teil der Geschichte, wobei jeder Abschnitt eigene Regelergänzungen und eigene Herausforderungen bietet. „Orléans Stories“ ist ideal für Menschen, die sich zu zweit oder in Kleingruppen über mehrere Abende hinweg mit dem Abendland beschäftigen möchten.

    „Finden Sie Minden“ (Kosmos)

    Identität meint nicht nur Beheimatung in der Zeit, sondern auch im Raum. Bei „Finden Sie Minden“ (Kosmos) muss man Orte in Deutschland suchen. Bereits durch die Nennung der ungefähren Lage kann man punkten, doch je genauer die Koordinaten angegeben werden, desto schneller eilt man dem Sieg entgegen. Wenn man Gruppen bildet, ist das Spiel auch in großer Runde spielbar. Im „Geografie-Package“ wird gleich noch die Europa-Edition mitgeliefert. Erhältlich sind außerdem Varianten für einzelne Bundesländer und die wichtigsten Städte der Welt sowie Mini-Ausgaben als Mitbringsel-Box.

    „Adventure Games“-Reihe von Matthew Dunstan und Phil Walker-Harding (Kosmos)

    Die „Adventure Games“-Reihe von Matthew Dunstan und Phil Walker-Harding (Kosmos) ist eine verheißungsvolle Neuerscheinung. Gemeinsam wird „Das Verlies“, „Die Vulkaninsel“ beziehungsweise „Die Monochrome AG“ erforscht, indem Raumkarten aufgedeckt und erkundet werden, man Gegenstände findet und diese intelligent einsetzt, Rätsel löst und Kontakt zu anderen Personen aufnimmt. Nach und nach wird ein ganzes Labyrinth von Orten ausgelegt und mit Hilfe eines Begleitbuches erlebt man atemberaubende Abenteuer. Obwohl die „Adventure Games“ detailreich sind, kann das Spiel aufgrund der simplen Regeln sofort begonnen werden.

    „Elfenland de luxe“ von Alan R. Moon (Amigo)

    Mit verschiedenen Transportmitteln reist man in „Elfenland de luxe“ von Alan R. Moon (Amigo) über Gebirge, Seen und Flüsse, durch Wälder, Graslandschaften und Wüsten zu möglichst vielen Städten. Es gilt Routen zu planen, effektiv mit knappen Ressourcen umzugehen und geschickt die Züge der Gegner zu nutzen. Die „de luxe“-Edition enthält drei verschiedene Erweiterungen, welche immer neue Begeisterung aufkommen lässt.

    „Villagers“ von Haakon Gaarder (Kosmos)

    „Villagers“ von Haakon Gaarder (Kosmos) ist ein Spiel für Kenner, die verschiedene Produktionsketten in einem Dorf aufbauen wollen. Da es an Fachkräften mangelt, kann man nicht einfach stur durchplanen, sondern muss seine Strategie danach anpassen, was der Arbeitsmarkt hergibt. Nur wer die Handwerke sinnvoll ergänzen und auch Spezialisten gewinnen kann, darf sich Hoffnung auf den Sieg machen.

    „Cities Skylines“ von Rustan Hakansson (Kosmos)

    Auch „Cities Skylines“ von Rustan Hakansson (Kosmos) ist ein anspruchsvolles Spiel. Allerdings zockt man hier miteinander statt gegeneinander. Bei dem kooperativen Städtebau muss man gemeinsam die verschiedenen Viertel einer Metropole planen. Wohnblocks, Sportstätten, Geschäfte und Schulen sollten so aufeinander abgestimmt werden, dass Zufriedenheit der Bevölkerung, Arbeitsmarkt, Verkehr und Umweltbelastung ausgeglichen sind; weder Kriminalität noch der Müll dürfen zum Problem werden. Neben strategischem Geschick sind vor allem Kommunikation und Zusammenarbeit gefragt.

    Abenteuerspiele: Strategie und Kommunikation

    Spiele schaffen Gemeinschaft und können sogar Identität stiften. Deswegen sind Gesellschaftsspiele sinnvolle Geschenke – nicht nur zu Weihnachten. Echte Begegnung beim Spiel findet allerdings nur dort statt, wo alle aus der digitalen Welt ausgeloggt sind. Dies ist heute gar nicht so selbstverständlich. Selbst im Gottesdienst müssen manche Menschen darauf aufmerksam gemacht werden, ihr Smartphone auszuschalten. Wieso kämpfen wir für mehr Freizeit, wenn wir immer und überall verfügbar sind? Wer nichts verpassen möchte, ist nirgends richtig gegenwärtig.

    Gute Beziehung lebt davon, dass man zusammen seine Freizeit verbringt. Gemeinsam Feste feiern, Ausflüge und Wanderungen unternehmen, vielleicht sogar einen Urlaub, sich zum Tee treffen oder im trauten Kreis Essen gehen, zu einem Salon einladen, in der Gruppe Sport treiben, eine Ausstellung besuchen, miteinander musizieren oder singen, gemeinsam ein Konzert besuchen, ein Theaterstück, eine Ausstellung oder zusammen beten. Es gibt sehr viele Möglichkeiten, mit lieben Menschen etwas zu unternehmen. Spielen ist eine davon.

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