• aktualisiert:

    Lebensrecht: Die Jusos und die Ungeborenen

    Was ist das eigentlich – Leben? Geht es nach den Jusos, hängt Lebensfähigkeit von Faktoren ab, die den Begriff des Lebens in Widersprüche überführen. Es erstaunt, dass ihnen dieses Problem nicht auffällt. Von Claudia Sperlich

    Baby in Klinik für Geburtshilfe - lebensfähig? Foto: Holger Hollemann/dpa Foto: Holger Hollemann (dpa)

    Die Feministin und Jungsozialistin Blaudszun schwätzt auf twitter über die Ewiggestrigen, die Frauen die Verfügungsgewalt über ihren Körper aberkennen wollen. (Kinder sind ja in keinem Fall schon Frauen, also muss man sie vorgeburtlich entsorgen dürfen – selbstverständlich ohne ihr Einverständnis einzuholen.) In der Diskussion fragt ein Mann: „Ab wann beginnt für dich menschliches Leben? Bis zu welchem Monat sollte abgetrieben werden dürfen?“ Darauf, dass das zwei verschiedene Punkte sind, geht sie nicht ein. Sie antwortet: „Bis die Grenze für die Lebensfähigkeit eines Kindes erreicht ist.“

    Lebensfähig heißt nicht, ohne jede Hilfe leben zu können

    Lebensfähig war es schon als Zweizeller, sonst wäre Abtreibung gar kein Thema geworden. Nur lebende und bis dato also lebensfähige Kinder werden abgetrieben. Aber so war es nicht gemeint. Lebensfähig außerhalb des Mutterleibes, das war gemeint. Wenn ich „lebensfähig“ definiere als „Fähig, ohne Hilfe eine Woche zu überleben“, muss ich das Schutzalter, vor dessen Ablauf man nicht getötet werden darf, auf mindestens sechs Jahre setzen. Dann wäre also, ganz im Sinne Peter Singers, die Beseitigung von bis zu fünfjährigen Kindern legitim. Aber ich verstehe immer alles falsch! Gemeint war, außerhalb des Mutterleibes und vor dem errechneten Geburtstermin mit medizinischer Hilfe lebensfähig.

    Mit der künstlichen Gebärmutter wären Abtreibungen verboten

    Jetzt hab ichs! Also, von dem Zeitpunkt an, wo ein Kind außerhalb des Mutterleibes durchkommen könnte, darf es auch innerhalb des Mutterleibes nicht behelligt werden. Wenn heute die medizinischen Möglichkeiten noch so wären wie vor hundert Jahren, dürfte man demnach bis zum siebten Monat abtreiben. Da aber heute bereits die Hälfte der in der 22. Woche Geborenen überleben, sind Kinder ab der 22. Woche geschützt. Die Neonatologie schreitet voran, und wenn es in einigen Jahren Möglichkeiten gibt, in der 12. Woche Geborene durchzubringen, wird Abtreibung nur in den ersten zwölf Wochen der Schwangerschaft erlaubt sein. Sollten die Versuche, künstliche Gebärmütter zu bauen, von Erfolg gekrönt sein, wird Abtreibung vollkommen verboten, denn man kann das Kind ja in eine solche verpflanzen.

    Frau Blaudszun meint es vermutlich anders. Allerdings kommt es zwischen uns leider zu keinem Gespräch, denn ich bin alt und katholisch und ihr damit ein Greuel. Ihre Meinung würde mich nicht weiter interessieren, wäre sie nicht bereits Politikerin, von ihren erwachsenen Kollegen ernstgenommen und ermutigt. Ich befürchte, sie hat eine große Karriere vor sich.

    Für die Inhalte der MeinungsMacher-Kolumnen sind die jeweiligen Autoren verantwortlich. Ihre Beiträge geben nicht unbedingt die Meinung der Tagespost-Redaktion wieder.

    DT (jobo)

    Die Hintergründe zu diesem Thema finden Sie in der Wochenausgabe der Tagespost. Kostenlos erhalten Sie die Zeitung hier.

    Weitere Artikel