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    Kirchliche Medien: Einseitige Berichterstattung

    Die umstrittene Aktion des Kirchenstreiks wäre mit einer kurzen Meldung hinreichend berücksichtigt. Die Gebetsaktion um geistliche Berufe sollte in kirchlichen Medien hingegen ein breites Echo finden. Das ist aber nicht so. Von Peter Winnemöller

    Kirchenstreik 'Maria 2.0' in Münster
    Mehrere Hundert Frauen und Männer protestieren vor dem Dom in Münster. Foto: Carsten Linnhoff (dpa)

    Was passiert, muss in den Medien passieren, sonst passiert es nicht. Das ist der erste Hauptsatz unserer Medienwelt. Was in den Medien passiert, kann in Wirklichkeit kleiner oder größer sein, als es erscheint. Das ist die Kehrseite. Die Kirchenstreikaktion „Maria 2.0“ wurde mit der vollen Breitseite kirchlicher PR bis hin zur Arbeitsstelle Frauenseelsorge befeuert. Trotz der im Verhältnis dafür geringen Teilnehmerzahl erweckte die Aktion den Eindruck einer Massenbewegung.

    Gebetsaktion war nicht weniger bedeutend als "Maria 2.0"

    Eine andere Aktion, die zeitgleich stattfand, war die Aktion „Werft die Netze aus!“. Es handelte sich um eine Einladung zu 24 Stunden Gebet um geistliche Berufungen. Es waren rund 400 Kirchen, Kapellen und Gruppen, die ihre Teilnahme an der Aktion auf der interaktiven Karte dokumentiert hatten. Von erheblich mehr - nicht internetaffinen - Teilnehmern ist auszugehen. Zu Recht kann man behaupten, dass die Gebetsaktion nicht weniger bedeutend war. Das Zentrum für Berufungspastoral, welches die Veranstaltung ins Leben gerufen hatte, ist eine Arbeitsstelle der Deutschen Bischofskonferenz, warum hier weniger PR-Power eingesetzt wurde, ist erklärungsbedürftig.

    Gebet um geistliche Berufe ist ein Kernanliegen der Kirche

    Bei kirchlichen Medien sollte man davon ausgehen, dass mindestens in gleichem Maße von der einen wie von der anderen Aktion berichtet wird. Eine umstrittene Aktion wie der umstrittene Kirchenstreik wäre auch mit einer kurzen Meldung hinreichend berücksichtigt. Die Gebetsaktion um geistliche Berufe sollte in kirchlichen Medien ein breites Echo finden. Immerhin ist das Gebet um geistliche Berufe ein Kernanliegen der Kirche. Es ist zudem ein Auftrag Jesu: „Bittet den Herrn der Ernte, dass er Arbeiter sende.“

    Das Drama kirchlicher Medien

    Hier zeigt sich das Drama kirchlicher Medien. Bistumszeitungen, Portale der Diözesen oder kirchliche Nachrichtenportale brachten Kirchenstreik auf allen Kanälen und eisiges Schweigen zur Gebetsaktion um geistliche Berufungen. Die Verhältnisse sind in ungesunder Weise verschoben. Der Mehrwert kirchlicher Medien liegt darin, über katholische Themen objektiv und offensiv zu berichten. Wer schreibt, was alle schreiben ist irgendwann über.

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    DT (jobo)

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