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    Cassano all'Ionio

    3. August: Der Wochenheilige - der selige Ricardo Gil Barcelón 

    Der Priester und Ordensgründer Ricardo Gil Barcelón 1936 von Revolutionären erschossen.

    Der selige Ricardo Gil Barcelón 
    Beato Ricardo Barcelón Foto: IN

    Am 4. Februar 1910 begab sich der spanische Priester Ricardo Gil Barcelón zur „Chiesa Nuova“ in Rom, um vor den Reliquien des heiligen Philipp Neri um Klarheit für seinen Lebensweg zu beten. In dem Wunsch, radikal nach dem Evangelium zu leben, hatte er nach einigen gescheiterten Versuchen im Ordensleben eine Fußwallfahrt von Spanien nach Rom unternommen – scheinbar ohne Erfolg: Das Vikariat hatte ihm nach sechsmonatigem Aufenthalt in der Ewigen Stadt sogar die Feier der heiligen Messe untersagt, so dass er sich mit Almosen über Wasser halten musste. An der „Chiesa Nuova“ angekommen, schien auch dieser Weg umsonst gewesen zu sein: Die Kirchentür war verschlossen. Trotzdem kniete er draußen auf den Stufen zum Gebet nieder. Plötzlich hörte er eine Stimme, die ihn fragte: „Wer bist du?“ Er blickte auf und sah einen anderen Priester neben sich stehen. „Ich bin ein Sohn der göttlichen Vorsehung“, antwortete er spontan. „Ich auch“, antwortete der Unbekannte, „dann gehörst du zu mir“: Es war der später heiliggesprochene Luigi Orione, Gründer der Kongregation der „Söhne der göttlichen Vorsehung“. Tatsächlich fand Ricardo Gil Barcelon hier seine Berufung, die ihn bis zur radikalsten Christusnachfolge führte: Er ist einer der 522 Märtyrer des Spanischen Bürgerkriegs, die am 12. Oktober 2013 seliggesprochen wurden. 

    Ein großes Herz

    Ricardo Gil Barcelón wurde am 27. Oktober 1873 in Manzanera im Nordosten von Spanien geboren, als eines von zehn Kindern einer wohlhabenden katholischen Familie. „Meine Mutter hat mich gelehrt, an die Armen zu denken, ein großes Herz zu haben, weit zu blicken“, schrieb der Selige später. Mit zwölf Jahren trat er in das Knabenseminar ein. Eine Lehrerausbildung musste er abbrechen, da er wegen Auseinandersetzungen mit dem Rektor, einem erklärten Glaubensgegner, von der Schule verwiesen wurde. 1893 wurde er zum Militärdienst auf den Philippinen einberufen, damals eine spanische Kolonie. In der Hauptstadt Manila absolvierte er auch sein Theologiestudium und empfing am 24. September 1904 die Priesterweihe. 

    Er begann seinen priesterlichen Dienst auf den Philippinen, empfand sein Leben aber als zu bequem. Im Ordensleben erhoffte er sich eine radikalere Christusnachfolge. So trat er 1907, nach Spanien zurückgekehrt, zunächst ins Noviziat der Dominikaner, dann neun Monate bei den Kapuzinern ein und zog sich anschließend als Eremit zurück. „Ich habe ein Wirrwarr aus Gedanken und Wünschen in mir, das ich nicht entwirren kann, um zu verstehen, was ich tun soll.“ 

    Wallfahrt nach Rom

    In diesem Zustand begab sich der mittlerweile 35-Jährige auf seine Fußwallfahrt nach Rom, um Klarheit zu gewinnen – und traf auf Luigi Orione. Dieser war ein Schüler von Don Bosco; seine 1903 approbierten „Söhne der göttlichen Vorsehung“ sind überall dort tätig, wo akute Not herrscht, etwa in Kriegs- und Katastrophengebieten. Pater Ricardo wurde nach seiner Ausbildung im Mutterhaus in Tortona zu seinem ersten Einsatz Messina gesandt: Die sizilianische Stadt war im Dezember 1908 von einem verheerenden Erdbeben heimgesucht worden. Anschließend blieb er bis 1923 Rektor eines Marienheiligtums im kalabrischen Cassano all'Ionio und wurde dann ins Mutterhaus zurückgerufen, um Mitbrüdern, die als Missionare nach Lateinamerika aufbrechen sollten, Spanischunterricht zu geben. Danach arbeitete er in Armenvierteln von Rom. 

    Zwei Monate Gefängnis

    Als Pater Ricardo 1928 nach Cassano all'Ionio zurückkehrte, erlebte er eine böse Überraschung: Er wurde angeklagt, ein Mädchen ermordet zu haben, und verbrachte zwei Monate im Gefängnis bis er schließlich von der Anklage freigesprochen wurde. 

    Ende 1930 sandte der Ordensgründer Pater Ricardo nach Spanien zurück, um dort das erste Haus der „Söhne der göttlichen Vorsehung“ zu eröffnen. Er wohnte und arbeitete in einem Armenviertel in Valencia und fand schon bald den ersten Kandidaten für das Ordensleben, der sich ihm anschloss. Als der Bürgerkrieg ausbrach, wurden beide Ordensmänner von anarchistischen Milizen verhaftet. Sie wurden an einen Strand gebracht, wo man sie aufforderte, ein Lob auf die Revolution auszurufen, um ihr Leben zu retten. Ricardo Gil Barcelón erhob das Kreuz und rief: „Es lebe Christus, der König!“ Daraufhin wurden beide erschossen; es war der 3. August 1936. 

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