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    Warschau

    19. Oktober: Der Wochenheilige Der selige Jerzy Popieluszko

    Katholisch erzogen. Klarer Widerstand gegen das kommunistsche Unrecht. Durch brutalen Mord das Martyrium erlitten.

    19. Oktober: Der Wochenheilige Der selige Jerzy Popie³uszko
    19. Oktober: Der Wochenheilige Der selige Jerzy Popie³uszko Foto: KNA

    Am 7. Juni 2020 sollte der 1981 verstorbene Primas von Polen, Kardinal Stefan Wyszynski, seliggesprochen werden. Der Seligsprechungsprozess des „Jahrtausend-Primas“, der im Kalten Krieg zur Symbolfigur des Widerstands der Kirche in Polen gegen das kommunistische Regime wurde, war bereits 1989 von Johannes Paul II. eingeleitet worden. Papst Franziskus hatte 2019 ein für die Seligsprechung notwendiges Wunder anerkannt. Aufgrund der Coronakrise wurde die geplante Seligsprechung auf unbestimmte Zeit vertagt. In dieser Woche, am 19. Oktober, feiert die Kirche jedoch den Gedenktag des seligen Priesters Jerzy Popieluszko, der unter Wyszynski in dessen Erzbistum tätig war und 1984 als Märtyrer gestorben ist.

    Katholisch erzogen

    Als Wyszynski 1948 zum Erzbischof von Gniezno und Warschau geweiht und damit Primas von Polen wurde, war Jerzy Popieluszko erst ein Jahr alt. Der am 14. September 1947 geborene Bauernjunge lebte mit seinen Eltern und drei Geschwistern in dem kleinen Dorf Okopy im östlichen Polen unweit der Grenze zur Sowjetunion, die starken politischen und ideologischen Einfluss auf die angrenzende Volksrepublik ausübte. Der staatlich verordnete Atheismus stieß wie beim Großteil des polnischen Volkes auch bei Jerzys Eltern Wladislaw und Marianna auf Widerstand: Sie erzogen ihre Kinder im katholischen Glauben. Der Primas Wyszynski galt als Glaubensvorbild – vor allem als er 1953 durch Papst Pius XII. zum Kardinal erhoben und gleich darauf für drei Jahre inhaftiert wurde. Wyszynski selbst bezeugte später, dass die Gottesmutter ihm während der Haftzeit Kraft geschenkt habe; daher setzte er sich auf dem Zweiten Vatikanischen Konzil, an dem er ab 1962 teilnahm, dafür ein, der Marienverehrung in der Kirche einen zentraleren Platz einzuräumen.

    Priesterseminar und Wehrdienst

    1965, im letzten Konzilsjahr, trat Jerzy Popieluszko in das Warschauer Priesterseminar ein, musste die Ausbildung jedoch unterbrechen, um Wehrdienst zu leisten. Als ein Vorgesetzter ihn im Gebet mit dem Rosenkranz „erwischte“, befahl er ihm, diesen auf die Erde zu werfen und mit Füßen zu treten. Als Popieluszko sich weigerte, wurde er zusammengeschlagen und für einen Monat in eine Strafzelle gesperrt. Dieses Erlebnis festigte seinen Wunsch, sein Leben radikal in die Nachfolge Christi zu stellen.

    Am 28. Mai 1972 wurde er von Kardinal Wyszynski zum Priester geweiht und widmete sich in Warschau der Arbeiterseelsorge. Dadurch stand er mitten im Geschehen, als nach dem Besuch von Johannes Paul II. in Polen im Juni 1979 die katholischen Arbeiter begannen, gegen das Regime aufzustehen, und sich die Solidarnosc-Bewegung formierte. Während der Streikwelle im Jahr 1980 wurde Popie³uszko als Seelsorger der Warschauer Stahlarbeiter eingesetzt; seine Pfarrgemeinde wurde zum Treffpunkt von Regimekritikern.

    Offene Kritik

    Popieluszko nahm kein Blatt vor den Mund, sondern kritisierte in seinen Predigten offen das kommunistische Unrechtsregime, vor allem nach dem Verbot von „Solidarnosc“ und dem 1981 verhängten Kriegsrecht. Seine monatlichen „Messen für das Vaterland“ wurden über den Lautsprecher ins Freie übertragen, da nicht alle Menschen in der Kirche Platz fanden.

    Schnell geriet Popieluszko in das Visier der Behörden. Er wurde 1983 verhaftet, musste jedoch auf Druck der Kirchenoberen wieder freigelassen werden. Am 13. Oktober 1984 überlebte er einen vom polnischen Geheimdienst veranlassten Anschlag durch Steinwurf auf sein Auto. Daraufhin bot Wyszynskis Nachfolger Kardinal Józef Glemp Popieluszko an, zum Studium nach Rom zu gehen, aber dieser lehnte ab.

    Kaltblütig ermordet

    Nur wenige Tage später, am 19. Oktober, wurde Popieluszko vom polnischen Geheimdienst entführt. Am 30. Oktober fand man seinen Leichnam hundertfünfzig Kilometer von Warschau entfernt in einem Weichsel-Stausee: Er war geschlagen, misshandelt und mit Steinen an den Füßen ertränkt worden. Seine Beisetzung in Warschau wurde zu einer der größten Demonstrationen gegen die Unterdrückung durch das kommunistische Regime.

    Jerzy Popieluszko wurde am 6. Juni 2010 auf dem Warschauer Pilsudski-Platz im Beisein seiner Mutter seliggesprochen.

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