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    Huehuetenango / Guatemala

    13. Februar: Der selige James Alfred Miller

    James Alfred Miller war einer der zahlreichen Kirchenmänner, die sich für die Rechte der indigenen Bevölkerung Guatemalas einsetzten und dafür mit dem Leben bezahlen mussten.

    James Alfred Miller
    Der selige James Alfred Miller. Foto: IN

    Am Nachmittag des 13. Februar 1981 wollte der 36-jährige Ordensbruder James Alfred Miller eine Außenlampe an der Missionsschule in Huehuetenango im Hochland von Guatemala reparieren. Er stieg auf eine Leiter und schickte einen Schüler in das Gebäude, um ihm ein fehlendes Werkzeug zu holen. Plötzlich fuhren drei vermummte Männer vor und schossen auf den Ordensmann, der vor den Augen einiger erschrockener Schüler tot von der Leiter zu Boden fiel. Die Mörder wurden nie gefasst.

    James Alfred Miller war einer der zahlreichen Kirchenmänner, die sich in jenen Jahren für die Rechte der indigenen Bevölkerung Guatemalas einsetzten und dafür mit dem Leben bezahlen mussten. Er wurde am 7. Dezember 2019 seliggesprochen.

    Mit seinem schallenden Gelächter konnte er andere anstecken

    Am 21. September 1944 als Sohn eines Farmerehepaars im US-Bundesstaat Wisconsin geboren, wuchs James Alfred Miller im ländlichen Custer auf und besuchte dann die von den „Brüdern der Christlichen Schulen“ geführte „Pacelli High School“ in Steven Points. Bereits mit 15 Jahren schloss er sich als Kandidat den Schulbrüdern an. Nachdem er ein Diplom in Spanischer Sprache und Literatur erworben hatte, wurde er 1962 in das Noviziat aufgenommen. Er war ein fröhlicher junger Mann, der mit seinem schallenden Gelächter andere anstecken konnte. Er lehrte zunächst Spanisch und Englisch an der ordenseigenen Schule in St. Paul im Bundesstaat Minnesota und legte 1969 die ewigen Gelübde ab.

    Auf seinen Wunsch hin, in die Mission zu gehen, sandten seine Ordensoberen ihn noch im selben Jahr nach Nicaragua, wo er ein Jahrzehnt lang an der Karibikküste beim indigenen Volk der Miskitos als Lehrer tätig war, zunächst in Bluefields und dann in Puerto Cabezas. Hier half er beim Aufbau einer Schule, die Priesterberufungen aufnahm und deren Direktor er wurde, sowie weiterer Schulen im ländlichen Raum.

    Als 1979 die linksradikale „Sandinistische Befreiungsfront“ in Nicaragua die Macht übernahm, schickten die Oberen Miller zurück in die Vereinigten Staaten, als sie erfuhren, dass der engagierte Lehrer auf der Todesliste der Revolutionäre stand. Miller wollte Nicaragua nicht verlassen, fügte sich aber im Gehorsam und lehrte zwei Jahre lang wieder in Minnesota. Aufgrund seines handwerklichen Geschicks führte er gerne kleinere Reparaturen im Haus durch, was ihm den Spitznamen „Brother-Fix-It“ einbrachte. Oft sah man ihn mit dem Schraubenschlüssel in der Hand.

    Das Leben in den Vereinigten Staaten erfüllte ihn nicht

    Das Leben in den Vereinigten Staaten erfüllte ihn jedoch nicht, und er wünschte sich sehnlichst, in die Mission zurückzukehren. 1981 wurde er in die alte Maya-Siedlung Huehuetenango in Guatemala gesandt. Hier unterrichtete er an der ordenseigenen Schule, die von Nachfahren der Maya aus dem indigenen Volk der Mam besucht wurde. Die Befreiung der Mam aus Elend und Unterdrückung lag Miller sehr am Herzen.

    In Guatemala herrschte damals ein Bürgerkrieg, der sich bereits über fast zwei Jahrzehnte hinzog. Der Ordensmann und seine Mitbrüder setzten sich besonders dafür ein, ihre Schüler vor dem Militärdienst zu bewahren. Obgleich die staatlichen Gesetze die Rekrutierung von Schuljungen verboten, wurde dies bei Angehörigen der indigenen Völker oft missachtet und Schüler aus der Missionsschule entführt, um sie zum Militärdienst zu zwingen. Der tödliche Anschlag, dem Bruder James Alfred Miller zum Opfer fiel, ist wahrscheinlich auf seinen Einsatz zum Schutz der indigenen Jungen zurückzuführen.

    Bruder Robert Schieler, der Generalobere der „Brüder der christlichen Schulen“, schrieb in einer Botschaft zu Millers Seligsprechung: „Das Attentat auf ihn war ein sinnloser Versuch, das Licht Christi zu löschen, und ist für uns ein Aufruf dazu, uns an die zahllosen anderen zu erinnern – Katecheten, Bauern, Viehzüchter –, deren Leben beendet wurde, weil sie versuchten, die Menschen auf die Würde aller Kinder Gottes aufmerksam zu machen. Bruder James hat viel für das Wohlergehen junger Menschen getan, die seiner Fürsorge anvertraut waren, insbesondere der gefährdeten Jugendlichen aus indigenen Familien.“

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