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    Würzburg

    Sonntagslesung : Was der Welt fehlt 

    Anderen das Lebensnotwendige zu geben kann eine Überforderung sein 

    Sonntagslesung
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    Die wunderbare Brotvermehrung ist damals wie heute eine Ungeheuerlichkeit. Die Leute damals werden sich ihre Augen gerieben haben mit der Frage: Wie hat Jesus das nur gemacht? Auch heute stellen wir uns die Frage, ob das alles mit rechten Dingen zuging. Der moderne Mensch hat kein Verständnis mehr für Wunder. Trotzdem bleibt dieses Evangelium eine Herausforderung. Bei Gott gibt es keine Zufälle und alles, was im Evangelium geschrieben steht, ist für uns heute geschrieben. Gott spricht immer im Jetzt.

    Jesaja 55, 1–3
    Römer 8, 35–39
    Matthäus 14, 13–21
    Zu den Lesungen des 18. Sonntags im Jahreskreis (Lesejahr A)

    Die Leute im Evangelium hatten Hunger, aber es war auch ein Hunger nach Wahrheit, denn sie waren erniedrigt und ohne „einen Hirten“. Es sind drei Dinge, die immer irgendwie in der Welt fehlen: Brot, Wahrheit, gute Leitung. Trotz allen Fortschritts hungert jeder achte Mensch in dieser Welt. Hunger bleibt unser steter Begleiter und das nicht nur in der „Dritten“ Welt. Wahrheit scheint sogar noch seltener zu werden. Die Frage von Pilatus: „Was ist Wahrheit?“ erscheint uns sehr gegenwärtig zu sein. Ebenfalls ist die Suche nach guten Leitern und Vorbildern gerade für junge Leute eine sehr dramatische. Junge Menschen brauchen gute und heilige Vorbilder, die ihnen helfen, an höhere Ziele im Leben zu glauben. 

    Nicht nur Empfangende, sondern Gebende sein

    Also, es hat sich seit 2000 Jahre nicht viel geändert. Eine Sache erscheint dennoch erwähnenswert: die Rolle der Apostel! Wie andere Menschen folgten sie Jesus aus genau den drei erwähnten Gründen. Und plötzlich wendet sich Jesus ihnen zu und fordert sie auf: „Gebt Ihr ihnen zu essen!“ Zwischen den Zeilen kann man im Evangelium herauslesen, dass sie überrascht sind. Sie fühlen sich vollkommen überfordert. Jesus Christus, die zweite Person der Gottheit, möchte diese drei Bedürfnisse der Menschen stillen und zwar durch seine Kirche! Der Herr fordert die Apostel auf, nicht nur Empfangende zu sein, sondern Gebende.

    Wenn die Brotvermehrung ein Hinweis auf die Eucharistie ist, dann heißt das, totale Hingabe seiner selbst und zwar von allen, die daran teilnehmen. Eltern schicken ihre Kinder nicht nur zur ersten heiligen Kommunion, damit sie später mal mehr Geld verdienen, sondern damit diese jungen Menschen besser lieben lernen. Liebe ist das selbstlose Geschenk seiner selbst. Wenn wir Franziskaner der Erneuerung in die Gettos der Großstädte gehen, versuchen wir, genau dieses Brot der Liebe und der Wahrheit durch unser Vorbild zu bringen. Das ist eine absolute Überforderung, aber wie damals sorgt der Herr für Überfluss. Jesus ist der Oberhirte und wir dürfen in Seinem Schatten den Menschen geben, was sie brauchen. Dann wird wie damals etwas Ungeheuerliches passieren: die Menschen werden nicht (von der Kirche) weggehen, um sich woanders etwas zu essen zu kaufen (vgl. Mt 14, 16). 

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