• aktualisiert:

    Würzburg

    Vom falschen Reichtum: Christen haben einen Schatz im Himmel

    Die Sonntagslesung vom 22. September

    Kruzifix in der Kathedrale von Asti.
    Kruzifix in der Kathedrale von Asti. Foto: kei/stock.adobe.com

    „Ihr könnt nicht beiden dienen, Gott und dem Mammon.“ Mammon – „mamonas“ – ist ein kanaanäisches Fremdwort im Griechischen. Im Neuen Testament gebrau-chen es Matthäus (6, 24) und Lukas. „mamonas“ bedeutet ursprünglich Nahrung, Verpflegung oder Vorrat, im übertragenen Sinn dann auch Vermögen, Besitz, Habe, ferner Gewinn oder Profit. Unsere Bibelübersetzer haben das Wort unübersetzt gelassen. So ist es auch ins Deutsche eingegangen.

    Amos 8,4-7
    1 Timotheus 2,1-8
    Lukas 16,10-13
    Die Lesungen des 25. Sonntags im Jahreskreis

    Im Gebrauch dieses Wortes schwingt der Gedanke mit, dass der Mammon den Menschen täuscht und betrügt und das in ihn gesetzte Vertrauen nicht erfüllt, sondern enttäuscht, Glück verspricht, aber doch kein Glück bringt. Das erinnert an den Philosophen Arthur Schopenhauer aus dem 19. Jahrhundert, der mit dem christlichen Glauben wenig im Sinn hatte, aber doch Ähnliches sagte: „Der Reichtum gleicht dem Meerwasser. Je mehr man davon trinkt, desto durstiger wird man.“ Kein Wunder, ist das Meereswasser doch Salzwasser.

    Bei Lukas steht das Wort vom Mammon am Ende des Gleichnisses vom klugen Verwalter (16, 1–9), das eigentlich auch zum Sonntagsevangelium gehört, und in demselben Kapitel wie das Gleichnis vom reichen Mann und vom armen Lazarus, wo ein Reicher prasst und ein Armer hungert. Der Arme starb und der Reiche auch. In der Welt nach dem irdischen Tod erfuhr der Reiche das Trügerische seines Reichtums, während der Arme für sein Leid, das er im irdischen Leben erfahren hatte, getröstet wurde.

    Nicht klug, sondern gerissen

    Im Gleichnis vom klugen Verwalter spricht Jesus von einem reichen Mann. Besser lesen wir: von einem Herrn, zumal vom „kyrios“ (Vers 8) die Rede ist. Denn gemeint ist er selbst, Jesus Christus, oder Gott, kein reicher Mann wie das Gegenüber des armen Lazarus. Dieser Herr hat einen Verwalter, der beschuldigt wird, das Vermögen seines Herrn verschleudert zu haben. An der Sache scheint etwas dran zu sein. Der Herr fordert nicht nur Rechenschaft, sondern droht dem Verwalter auch Entlassung an. Er ist also schon überführt und verliert seine Stelle. Was soll er tun? Schwere Handarbeit verrichten kann er nicht. Betteln will er nicht.

    Was ist klug an diesem Verwalter? Er ist nicht klug, sondern gerissen. Um der Arbeitslosigkeit zu entgehen, hofft er, bei einem der Schuldner seines Herrn eine neue Stelle zu finden. „Ich weiß, was ich tun muss, damit mich die Leute in ihre Häuser aufnehmen, wenn ich als Verwalter abgesetzt bin.“ So lässt er die Schuldner zu sich kommen – noch ist er ja Verwalter – und erlässt ihnen große Teile der Schulden, die sie bei seinem Herrn haben. Jetzt veruntreut er erst recht dessen Vermögen. Um sich bei den Schuldnern beliebt zu machen. Um bei einem von ihnen einen neuen Job zu finden. Natürlich entgehen diese Machenschaften dem Herrn nicht.

    „Klugheit“ ist hier also ironisch gemeint, wenn wir hören: „Der Herr lobte die Klugheit des unehrlichen Verwalters und sagte: Die Kinder dieser Welt sind im Umgang mit ihresgleichen klüger als die Kinder des Lichtes.“ Ironisch gemeint ist es auch, wenn es danach heißt: „Macht euch Freunde mit Hilfe des ungerechten Mammons, damit ihr in die ewigen Wohnungen aufgenommen werdet, wenn es mit euch zu Ende geht.“ Ohne Ironie müsste dort stehen: „Macht ihr euch etwa Freunde mit Hilfe des ungerechten Mammons, damit ihr in die ewigen Wohnungen aufgenommen werdet, wenn es mit euch zu Ende geht?“ Gar nicht ironisch gemeint ist das, was dann kommt: „Wenn ihr im Umgang mit dem ungerechten Reichtum nicht zuverlässig gewesen seid, wer wird euch dann das wahre Gut anvertrauen“ – den Schatz, der im Himmel liegt.

    Auch die Reichen sollen gerecht werden

    Was sollen uns diese Gleichnisse sagen? Sie sollen uns davor warnen, unser Vertrauen nicht auf Gott zu setzen, sondern auf unseren Wohlstand, auf unsere Fähigkeiten, auf das, was wir alles meinen selber lösen zu können. Es ist richtig, dass wir arbeiten und Geld verdienen und für die Zukunft für uns und für die uns Anvertrauten Vorsorge treffen. Wir dürfen uns auch freuen, wenn wir etwas erreicht haben. Aber falsch ist es, wenn wir unser Vertrauen in unseren Reichtum oder auch nur in unseren bescheidenen Wohlstand setzen – die meisten von uns haben ja allenfalls das und nicht mehr.

    Dann geht es uns wie dem reichen Bauern, der für seine große Ernte neue Scheunen bauen will und zu dem Gott sagt: „Du Narr! Noch in dieser Nacht wird man dein Leben von dir zurückfordern. Wem wird dann all das gehören, was du angehäuft hast?“ (Lukas 12, 20). Christen haben einen Schatz im Himmel. Das heißt, sie haben anderes, worauf sie ihre Hoffnung setzen als ihr Bankkonto oder ihren Hausbesitz oder die große Ernte jenes reichen Bauern.

    Den Jüngern des Mammon – „die ihr die Schwachen verfolgt und die Armen im Land unterdrückt“ – gelten die Worte des Propheten Amos, die sich in seine Klage über das Nordreich Israel, über seine politisch-gesellschaftlichen Eliten und über die Ferne des Gottesvolkes von Gott einordnen. Das Gewinnmaximierungsstreben der Reichen – mancher von denen, die wir heute Unternehmer nennen – benachteiligt die Armen, wenn der Tag der Arbeitsruhe ihren Geschäften im Wege steht – „wann ist der Sabbat vorbei? Wir wollen Getreide verkaufen“ –, was uns an den Streit um verkaufsoffene Sonntage denken lässt, oder wenn sie sogar „den Abfall des Getreides zu Geld machen“. Es vernichtet, wie heute Großkonzerne, die wirtschaftliche Basis kleiner Kaufleute und bedient sich dazu womöglich unlauterer Mittel: „Das Maß kleiner und den Preis größer machen und die Gewichte fälschen“.

    Was aber hat das, was wir im Ersten Timotheusbrief lesen, damit zu tun? Vielleicht die Aufforderung zu Gebeten, „und zwar für alle Menschen, für die Herrschenden und für alle, die Macht ausüben“. Denn Gott „will, dass alle Menschen gerettet werden“, auch die Reichen, obwohl der Verfasser hier vielleicht mehr an Machthaber gedacht hat, von denen bereits zu jener Zeit Christenverfolgungen ausgingen (2 Timotheus 2, 11).

    Weitere Artikel