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    Würzburg

    Tod und Lebenskunst: Haltet euch bereit!

    Die Sonntagslesung vom 11. August

    In der christlichen Tradition spielt die Vorbereitung auf einen guten Tod eine wichtige Rolle. Foto: Werner Krueper

    Tag für Tag finden wir in den Nachrichten Berichte von Unfällen, bei denen ganz unversehens Menschen ums Leben kommen. Solche Hinweise sind gleichsam ein Wink mit dem Zaunpfahl, die uns an die Weisung des sonntäglichen Evangeliums erinnern: „Haltet euch bereit!“ Bereit für die Ankunft Christi am Ende der Zeiten, aber auch für die Stunde unseres Todes, die plötzlich und unerwartet über uns hereinbrechen kann.

    Weisheit 18,6-9
    Hebräer 11,1-19
    Lukas 12,32-48
    Die Lesungen des 19. Sonntags im  Jahreskreis

    Das Thema des Todes können wir auch mit den anderen Lesungen verbinden. Das Buch der Weisheit spricht von der Wanderung des Volkes Israel zum Land der Verheißung. Diese langjährige Wanderung ist ein Zeichen für den Weg der Kirche und den Lebensweg eines jeden von uns; wir sind unterwegs zur ewigen Heimat, zur vollkommenen Seligkeit bei Gott. In diesem Sinne äußert sich die zweite Lesung aus dem Hebräerbrief: auf dieser Erde sind wir alle nur Fremde und Pilger; unsere Heimat erwartet uns in der Zukunft. Unsere irdische Wanderung endet mit dem Tod; mit dem Tod entscheidet sich unser Geschick vor Gott für immer. Vor der Stelle, die wir heute vernommen haben, betont der Hebräerbrief: Es ist „dem Menschen bestimmt, ein einziges Mal zu sterben, worauf dann das Gericht folgt“ (Hebräer 9, 27).

    Ein einziges Mal sterben, worauf das Gericht folgt: dieser nachdrückliche Hinweis schließt eine „Seelenwanderung“ eindeutig aus. Die Reinkarnation oder Seelenwanderung ist eine Theorie des menschlichen Denkens außerhalb der göttlichen Offenbarung. Eine Seelenwanderung widerspricht der Tatsache, dass unser Leben eine Prüfung darstellt: eine Prüfung ist immer zeitlich begrenzt. Der Tod, so sagen die Theologen, ist „das Ende des irdischen Pilger-standes“. Der christliche Glaube richtet sich auf einen persönlichen Gott, der den Menschen beruft und von ihm eine persönliche Antwort der Liebe erwartet. Diese Antwort kann nicht endlos verschoben werden, sondern hat eine bestimmte Frist. Hinter den Theorien von der Seelenwanderung steht letzten Endes ein unpersönliches Gottesbild, wie es für die Religionen Ostasiens typisch ist. Während die Anhänger der Seelenwanderung dort danach streben, das Rad der Wiedergeburten zu überwinden, sehen die westlichen Freunde der Reinkarnation hingegen in der Seelenwanderung eine Möglichkeit, die eigenen Entscheidungen immer wieder zu revidieren.

    In dem biblischen und christlichen Weltbild hingegen ist die Zeit kein ewiger Kreislauf, sondern mit einer Linie vergleichbar, die bei der Erschaffung der Welt beginnt und in die Zukunft weist. Jeder Augenblick ist darum ein Schatz mit Möglichkeiten, die nicht wiederkehren: „Haltet euch bereit!“

    In diese Auffassung von der Zeit, in der jeder Augenblick eine von Gott geschenkte Gelegenheit darstellt, gehört auch die Vorbereitung unseres Todes. Denken wir daran? Für viele unserer Zeitgenossen spielt diese Vorbereitung keine Rolle. Manche sagen etwa: Ich möchte möglichst schnell sterben und unvorbereitet. Die Allerheiligenlitanei enthält die Anrufung: „Vor einem jähen Tod bewahre uns, o Herr!“ Wenn es hingegen eine „Litanei der Ungläubigen“ gäbe, dann fänden wir darin das genaue Gegenteil: „Einen plötzlichen und unvorbereiteten Tod schenke uns!“ Für uns Christen ist der Tod nicht das Ende des Daseins, sondern nur das Ende der irdischen Prüfungszeit und Pilgerschaft. Wie sollte die Vorbereitung auf unseren Tod aussehen? In der christlichen Überlieferung gibt es dazu eine ganze Literaturgattung, die sich etwa in der Schrift des heiligen Alfons von Liguori widerspiegelt: „Apparecchio alla morte“, „Anleitung für einen guten Tod“. Die Kirche auf dem Monte San Salvatore in Lugano gehört der Erzbruderschaft von „einem guten Tod“, die seit dem 16. Jahrhundert existiert und sich in der Vergangenheit unter anderem damit beschäftigt hat, zum Tode Verurteilte auf ihrem letzten Gang zu geleiten. Diese Beispiele aus der Vergangenheit können uns auch für die heutige Herausforderung eine Hilfe sein.

    Mit einem Testament Erbstreitigkeiten vermeiden

    Die allererste Regel für die Vorbereitung auf einen guten Tod ist die, jeden Tag so zu leben, als ob es unser letzter Tag wäre. In einer Sakristei habe ich einmal folgende Mahnung für die zelebrierenden Priester gelesen: „Feiere deine heilige Messe, als ob es deine erste, deine einzige und deine letzte wäre“. Dieses Motto gilt im Grund für alle Tage unseres Lebens und für alle unsere Handlungen. Jeder Augenblick ist ein Schatz.

    Abgesehen von dieser allgemeinen Regel, gibt es eine ganze Reihe von Konkretisierungen. Eine elementare Vorbereitung auf einen guten Tod ist der geistliche Tagesabschluss am Abend. Die Nacht ist ein Zeichen des Todes, so wie der Tag ein Zeichen des Lebens ist. Während des Schlafes verfügen wir nicht über uns selbst. Der Schlaf ist gleichsam ein Bruder des Todes. Es ist darum gut, jeden Tag so zu beenden, wie wir unser ganzes Leben zum Abschluss bringen wollen: Wir wollen Gott danken für das, was er uns geschenkt hat; dann machen wir eine Gewissenserforschung und bitten Gott um Verzeihung. Auf diese Weise können wir in Frieden schlafen und sterben. Dann sind wir vorbereitet, auch wenn der Tod gewissermaßen wie ein Dieb in der Nacht ganz unvorhergesehen kommen sollte.

    Ein anderes Mittel der Vorbereitung ist die Großzügigkeit: Wir üben uns ein auf einen guten Tod, wenn wir etwas verschenken. Ab und zu ist es hilfreich, unseren Besitz zu mustern – was besonders dann dringlich ist, wenn wir umziehen müssen: Wir beseitigen das Überflüssige und geben eventuell anderen, was für sie nützlicher ist als für uns. Ich erinnere mich da etwa an meinen alten Religionslehrer am Gymnasium: Einige Jahre vor seinem Tode verschenkte er einen beträchtlichen Teil seiner Bibliothek, indem er seinen Schülern die Bücher anbot, die ihnen nützlich schienen. Nicht vergessen sollten ältere Leute, rechtzeitig ihr Testament zu machen, um Streit zwischen den Erben zu vermeiden. Die kräftigsten Mittel der Vorbereitung auf einen guten Tod sollten wir nicht vergessen. Es sind die Beichte, die Kommunion, der vollkommene Ablass von Sündenstrafen und, wenn wir schwer krank sein sollten, die Krankensalbung. Und immer wieder sollten wir beten: „Heilige Maria, Mutter Gottes, bitte für uns Sünder, jetzt und in der Stunde unseres Todes“.

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