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    Sonntagslesung

    Gottes Pläne angesichts der Krankheit Levitikus 13, 1–46; 1 Korinther 10, 31–11, 1; Matthäus 1, 40–45 Zu den Lesungen des 6. Sonntags im Jahreskreis (Lesejahr B). Von Manfred Hauke

    'Die Sonntagslesung' - jede Woche ausgelegt in der 'Tagespost'
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    Am 11. Februar begeht die Kirche den Gedenktag Unserer Lieben Frau von Lourdes. Dessen liturgische Feier fällt in diesem Jahr aus, weil der Termin auf einen Sonntag fällt. Nichtsdestoweniger begeht die Kirche am 11. Februar den Welttag der Kranken. Dieses Anliegen passt gut zu den sonntäglichen Lesungen, vor allem zum Evangelium, worin Jesus einen Aussätzigen heilt.

    Was „Aussatz“ konkret bedeutete, beschreibt die Lesung aus dem Buche Levitikus: der Kranke wurde für „unrein“ erklärt. Er musste eingerissene Kleider tragen und das Kopfhaar ungepflegt lassen. Von den Gesunden hatte er sich fernzuhalten. Wenn sich ihm jemand näherte, sollte er rufen: „Unrein! Unrein!“

    Wenn wir uns diese Situation anschaulich vorstellen, können wir mitempfinden, wie dem Aussätzigen zumute ist, der vor Jesus auf die Knie fällt und ihn um Hilfe bittet. Jesus hält sich nicht an die Vorschriften des mosaischen Gesetzes über die Unreinheit, er streckt die Hand aus, berührt den Aussätzigen und heilt ihn. Die natürlich nicht erklärbare plötzliche Heilung bewegt die Menschen zutiefst, die Jesus von überall her zuströmen.

    Der Welttag der Kranken am 11. Februar ermuntert zu einem Blick auf die Marienerscheinungen in Lourdes, in deren Folge sich ähnliche Szenen abspielen, wie sie das Evangelium aus dem Leben Jesu berichtet. Die Lebensgeschichte Jesu spiegelt sich im Leben der Heiligen.

    Am 11. Februar 1858 war die erste von achtzehn Marienerscheinungen der damals vierzehnjährigen Bernadette Soubirous. Sie gehörte zur ärmsten Familie des Ortes, die in einem ehemaligen Gefängnis wohnte, aus dem man die Häftlinge ausquartiert hatte, weil „das Loch“ – so nannte man es – zu ungesund war, zu kalt und zu feucht. Bernadette war ihr ganzes Leben hindurch krank, und das Asthma spürt sie bereits, als sie am Morgen des 11. Februars zum Fluss Gave geht, um für die Familie Holz zu sammeln. Während die beiden Gefährtinnen barfuß das Wasser durchqueren, sucht sie wegen ihres Asthmas nach einer Gelegenheit, auf Steinen über den Fluss zu gelangen. In dieser Situation wird sie von einem plötzlichen Windstoß überrascht. Es rauscht in den Zweigen eines wilden Rosenstrauchs über einer Grotte, in der sie ein sanftes Licht sieht und ein junges Mädchen, in Weiß gekleidet, das ihr zulächelt. Bernadette macht das Kreuzzeichen und betet den Rosenkranz, den sie auch in den Händen der Erscheinung sieht.

    Am 18. Februar bittet die Erscheinung sie, vierzehn Tage lang täglich zur Grotte zu kommen. Am 25. Februar entspringt dort eine Quelle, in deren Wasser viele Kranke Heilung finden.

    Am 1. März geschieht dort das erste Wunder, das später kirchlich anerkannt wird: Eine junge Mutter, die im neunten Monat schwanger ist, bricht gemeinsam mit zwei kleinen Kindern mitten in der Nacht zur Grotte hin auf, die sieben Kilometer entfernt ist. Anderthalb Jahre zuvor war sie auf eine Eiche gestiegen, um mit einer Stange Eicheln abzuschlagen als Futter für die Schweine. Da stürzte sie ab. Der Arzt konnte zwar ihren Arm einrenken, aber zwei Finger blieben krumm und gelähmt, und das ausgerechnet an der rechten Hand. Sie konnte nicht mehr spinnen und stricken, und die Hausarbeit war eine Tortur. Während der Erscheinung am 1. März, einer spontanen Eingebung folgend, taucht sie ihre rechte Hand in die Quelle, und eine große Ruhe überkommt sie. Die steifen Finger haben plötzlich ihre Beweglichkeit wiedergefunden. Sie dankt von Herzen und eilt mit ihren Kindern nach Hause zurück, wo sie ohne Hilfe niederkommt und eine glückliche Geburt hat. Der Neugeborene wird später Priester werden.

    Bernadettes Leben zeigt, worum es eigentlich geht

    Am 25. März stellt sich die Dame vor als die „Unbefleckte Empfängnis“. Maria ruft auf zum Gebet und zur Buße. Außerdem bittet sie darum, eine Kirche zu errichten und zum Ort der Erscheinungen Prozessionen zu veranstalten. Die letzte Erscheinung findet statt am 16. Juli 1858, am Fest Unserer Lieben Frau vom Berge Karmel.

    Die Erscheinungen werden später vom zuständigen Bischof anerkannt. Lourdes wird einer der bekanntesten Wallfahrtsorte. Vor allem die Kranken finden dort großzügige Aufnahme. Es gibt dort ein internationales Ärztebüro, das die medizinisch unerklärlichen Heilungen aufzeichnet und untersucht. Von den vielen tausend Heilungen haben die für die Kranken jeweils zuständigen Bischöfe, nach sorgfältiger Untersuchung durch die Ärzte, bislang 69 als Wunder bestätigt. Die strengen Kriterien verlangen, dass die Heilung plötzlich und vollständig erfolgt; sie ist medizinisch nicht erklärbar und ein Zeichen für die Wirksamkeit Gottes in dieser Welt. Was zur Zeit Jesu möglich war, nämlich die Heilung von Kranken durch den Sohn Gottes, gibt es auch heute, zumal auf die Fürsprache der Gottesmutter.

    Das hauptsächliche Ziel der Erscheinungen ist freilich nicht die Heilung von körperlicher Krankheit, sondern die Förderung der inneren Gemeinschaft mit Gott. Das sehen wir sehr gut am Leben der heiligen Bernadette, die selbst nicht von ihrem Asthma geheilt wurde, sondern bereits mit 35 Jahren schwerkrank gestorben ist. Aber auch hier zeigt sich ein Sinn, der mit der Krankheit im Plan Gottes verbunden ist.

    Zwei Jahre nach den Erscheinungen hat Bernadette einen schweren Asthmaanfall und kommt darum in Lourdes in ein Hospiz, das von Schwestern geführt wird. Dort lernt sie lesen und schreiben. Nach sechs Jahren Hospiz und Armenschule entschließt sie sich, bei den Schwestern im Kloster von Nevers einzutreten. Als sie 1867 mit 43 Mitnovizinnen die Ordensgelübde ablegt, teilt der Bischof jeder Schwester eine Aufgabe zu. Am Ende steht nur noch Bernadette da – jetzt Schwester Maria Bernarda. Der Bischof fragt: „Und sie?“ Die Oberin gibt zur Antwort: „Sie taugt zu nichts.“ Und der Bischof zu Bernadette gewendet: „Dann sei das Gebet ihr Beruf.“ Die Heilige notiert dazu: „Ich bin wie ein Besen, dessen sich die Jungfrau bedient hat. Was macht man mit einem Besen, wenn man ihn nicht mehr braucht? Man stellt ihn in eine Ecke. Da ist mein Platz. Da fühle ich mich wohl.“

    Diese Demut zeigt sich in einer großzügigen Bereitschaft, die ihr möglichen Aufgaben anzunehmen und alle ihr auferlegten Prüfungen zu durchleiden. Sechs Jahre lang wirkt sie als Hilfskrankenschwester. Danach ist sie selbst an das Krankenlager gefesselt. Auf dem Sterbebett leidet sie unbeschreiblich. Sie sagt: „Ich werde zermahlen wie ein Weizenkorn.“

    Nach einem qualvollen Ringen mit dem Tod stirbt sie am 16. April 1879 nachmittags um 3 Uhr. Ihre letzten Worte sind: „Heilige Maria, Mutter Gottes, bitte für mich arme Sünderin.“

    Im Jahre 1909, dreißig Jahre nach ihrem Tod, wird ein Verfahren zur Überprüfung ihrer Heiligkeit eingeleitet. Dabei wird der Leichnam exhumiert: zum großen Erstaunen der Ärzte ist er unverwest. 1925 wird Bernadette seliggesprochen, und am 8. Dezember 1933, dem Fest der Unbefleckten Empfängnis Mariens, folgt die Heiligsprechung. Ihr unversehrter Leichnam steht bis heute in einem Glassarg in Nevers.

    Ein solches Zeichen ist gleichsam ein Wink des Himmels, das auf die vorbildliche Heiligkeit der Seherin weist und auf das zukünftige Leben, das uns über Krankheit und Tod hinaushebt. Das Wirken Gottes kann sich ausnahmsweise im Wunder der Heilung zeigen, aber viel häufiger erweist es sich in der geistlichen Kraft, die teil hat an Christi Leiden und Auferstehung.

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