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    Sonntagslesung: Nehemia 8, 2–10; 1 Korinther 12, 12–31a; Lukas 1, 1–21 Zu den Lesungen des dritten Sonntags im Jahreskreis (Lesejahr C).

    Morgen ist es zu spät Das Heil erwartet uns heute. Von Harm Klueting

    Sonntagslesung: Seid wachsam Der Herr kommt unerwartet Jesaja 2, 1–5; Römer 13, 11–14a; Matthäus 24, 37–44 Zu den Lesungen des ersten Adventssonntags 2019 (Lesejahr A) :
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    Lukas will über Jesus nach der „Überlieferung derer, die von Anfang an Augenzeugen waren“, berichten, „über all das, was sich unter uns ereignet und erfüllt hat“, und zwar dem auch in der Apostelgeschichte (Apostelgeschichte 1, 1) erwähnten Theophilus, um ihn von der „Zuverlässigkeit der Lehre“ zu überzeugen, in der er „unterwiesen“ wurde. Das ist die Vorrede.

    Es folgt die Geschichte über Jesus in der Synagoge von Nazaret. Jesus stammte aus Nazaret. Sein Nährvater war „Joseph aus Galiläa, aus der Stadt Nazaret“ (Lukas 2, 4). Die Geschichte steht bei Lukas zwischen der Versuchungsgeschichte und dem Bericht über Jesu Auftreten in Kafarnaum am See Genezaret, wo er predigte, böse Geister austrieb und Kranke heilte. Bei Markus (Markus 6, 1–6) und bei Matthäus (Matthäus 13, 53–58) wird sie an anderer Stelle erzählt. Bei Lukas beginnt mit ihr das Wirken des erwachsenen Jesus. Lukas überliefert auch den ersten eigenen Satz, den Jesus zu Menschen gesprochen hat.

    Aus der Zeit vorher teilt er nur Worte des zwölfjährigen Jesus im Tempel (Lukas 2, 49), Worte gegen den Teufel, der ihn versucht (Lukas 4, 4.8.12), und Worte, die er aus dem Alten Testament vorliest (Lukas 4, 18f.), mit. Dieser erste Satz des erwachsenen Jesu lautet: „Heute hat sich das Schriftwort erfüllt.“

    Jesus hatte in Galiläa schon in verschiedenen Synagogen gepredigt. Doch wissen wir nicht, was er dort sagte. Dann kam er nach Nazaret, um auch hier zu predigen. Wie muss man sich das vorstellen? Im Synagogengottesdienst am Sabbat wurden Abschnitte aus dem Gesetz, der Thora, also Genesis, Exodus, Leviticus, Numeri und Deuteronomium, vorgelesen. Das geschah nach einer festen Ordnung. Darauf folgte eine Lesung aus den prophetischen Büchern des Alten Testaments. Dafür gab es noch keine Leseordnung, die im Synagogengottesdienst für Prophetenlesungen erst später üblich wurde. Jeder erwachsene männliche Jude durfte vor die Versamm-lung treten, einen Prophetentext verlesen und auslegen.

    So geschieht es auch in der Synagoge in Nazaret. Das Gesetz ist verlesen. Jesus steht auf und lässt sich das Buch Jesaja reichen, damals eine Schriftrolle. Er rollt die Schriftrolle auf und findet eine Stelle, die er vorliest: „Der Geist Gottes, des Herrn, ruht auf mir, denn der Herr hat mich gesalbt“ (Jesaja 61, 1a). Dann gibt er die Schriftrolle zurück und legt das Gelesene aus. Das ist seine Predigt in der Synagoge von Nazaret. Aber was bekommen die Gottesdienstbesucher zu hören?

    Jesus hat ihnen aus Jesaja die Sätze vorgelesen, die die Gnade und Erlösung beschreiben, die ein durch Gottes Geist Gesalbter Israel bringen wird: „Der Herr hat mich gesandt, damit ich den Armen eine frohe Botschaft bringe und alle heile, deren Herz zerbrochen ist, damit ich den Gefangenen die Entlassung verkünde und den Gefesselten die Befreiung“ (Jesaja 61, 1b–c). Christen haben das Alte Testament immer auf Jesus als den Messias hin gelesen. Jesus gibt diesem Verständnis Recht, wenn er das Jesajawort auf sich bezieht: „Heute hat sich dieses Schriftwort erfüllt.“ Aber es ist unerhört für die Leute in der Synagoge von Nazaret, dass Jesus sich hier als den Messias, den Gesalbten Gottes, zu erkennen gibt. Und das vor Menschen, die ihn von Kindheit an haben aufwachsen sehen. „Ist das nicht der Sohn Josephs?“ (Lukas 4, 22), so sagen sie.

    Gar nicht unerhört, sondern geltendes Recht war das Wort vom „Gnadenjahr“ – „Er hat mich gesandt, damit ich ein Gnadenjahr des Herrn ausrufe“ – oder vom „Erlassjahr“. Das Gesetz bestimmte, dass in jedem 50. Jahr Israeliten, die sich, um der Armut zu entgehen, als Sklaven verkauft hatten, ohne Entschädigung ihrer Herren freigelassen werden sollten (Levitikus 25, 10.39–55). Jesus liest das aus dem Buch Jesaja vor, wobei er die Gerichtsankündigung auslässt: „damit ich ein Gnadenjahr des Herrn ausrufe, einen Tag der Vergeltung unseres Gottes“ (Jesaja 61, 2).

    Unerhört auch für uns und nicht nur für die Menschen in der Synagoge von Nazaret, ist das Wörtchen „heute“: „Heute hat sich das Schriftwort erfüllt.“ Das ist kein „heute“, das einmal, damals in Nazaret, Gegenwart war und das für uns längst vergangene Vergangenheit ist. Das ist das „heute“, das die Engel in Betlehem anstimmen: „Heute ist euch in der Stadt Davids der Retter geboren“ (Lukas 2, 11).

    Es ist das „heute“, das Jesus am Kreuz zu dem einen der beiden Schächer sagt: „Heute noch wirst du mit mir im Paradies sein“ (Lukas 23, 43). Es ist dasselbe „heute“, das im Raum steht, wenn Jesus in die Nachfolge ruft: „Zu einem anderen sagte er: Folge mir nach! Der erwiderte: Lass mich zuerst heimgehen und meinen Vater begraben“ (Lukas 9, 59). Der Mann will Jesus nachfolgen, aber nicht heute, sondern erst morgen. Aber morgen ist es zu spät!

    Anders im Buch Nehemia! Esra, ein jüdischer Priester der Zeit nach dem Babylonischen Exil, zieht zurück nach Jerusalem (Esra 7, 1.6) und verliest dort Teile der Thora. Dabei las „man aus dem Buch, dem Gesetz Gottes, in Abschnitten vor und gab dazu Erklärungen, so dass die Leute das Vorgelesene verstehen konnten“.

    Diese Geschichte ist viel alltäglicher als die Predigt Jesu in der Synagoge von Nazaret. Das „heute“, das zweimal fällt – „Heute ist ein heiliger Tag“ – steht nur in der deutschen Übersetzung und weder in der hebräischen Bibel, wo nur vom „heiligen Tag“ die Rede ist, noch in der griechischen Fassung. Es geht um den konkreten Tag, der ein heilbringender Tag ist, weil an ihm die Verlesung des Gesetzes erfolgte.

    Der erste Korintherbrief spricht über die verschiedenen Geistesgaben: „So hat Gott in der Kirche die einen als Apostel eingesetzt, die anderen als Propheten, die dritten als Lehrer.“ Der Sinn erschließt sich aus dem, was einige Sätze davor steht: „Es gibt verschiedene Geistesgaben, aber nur einen Geist. Es gibt verschiedene Dienste, aber nur einen Herrn“ (1 Korinther 12, 4–5). Das ist der, der von sich gesagt hat: „Heute hat sich das Schriftwort erfüllt“.

    Von Harm Klueting

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